Fischer setzen Mikrochips gegen Aaldiebe ein

Fischer Andre Schneider  in Küstrin-Kietz im Oderbruch zeigt eine Aalreuse. Wegen Fischwilderei und Diebstahl von Reusen hat die Oderfischerei Schneider schon lange keine Aalreusen mehr ausgelegt. Foto: Patrick Pleul/dpa
Fischer Andre Schneider in Küstrin-Kietz im Oderbruch zeigt eine Aalreuse. Wegen Fischwilderei und Diebstahl von Reusen hat die Oderfischerei Schneider schon lange keine Aalreusen mehr ausgelegt. Foto: Patrick Pleul/dpa

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18. Juni 2012, 07:39 Uhr

Küstrin/Brandenburg/Havel | An manchen Tagen könnte Detlef Schneider verzweifeln. Wenn der Fischer in Küstrin (Märkisch-Oderland) auf die Oder hinausfährt, sind die Reusen in den Buhnen immer öfter fast leer. Manchmal sind auch die Netze weg. Schneider vermutet, dass im Grenzfluss zu Polen Fischdiebe unterwegs sind.

Weil die Diebstähle zunahmen, stellte der Oderfischer im vergangenen Jahr den Fang von Aal ein. "Es lohnte sich nicht mehr", erzählt Schneider. Andere märkische Fischer haben ähnliche Sorgen. Sie fühlen sich von der Polizei verlassen und haben eigene Abwehrmaßnahmen entwickelt. "Fischdiebstahl ist hier ein Problem, die Klagen darüber nehmen zu", sagt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Brandenburg/Berlin. "Auf langen Wasserstrecken ist oft nur noch ein Schutzboot eingesetzt, deshalb fühlen sich viele Fischer alleingelassen." Das Fischen hat in der Region eine lange Tradition.

Es gibt zahlreiche Flüsse und Seen, in denen sich vor allem Aale, Barsche, Hechte, Karpfen, Plötzen, Schleie und Krebse tummeln. Im Teichgut Peitz (Spree-Neiße) wird beim Abfischen im Herbst das Wasser der flachen Teiche abgelassen. "Dann kommen nachts Diebe und holen die Karpfen mit Keschern aus der Fischgrube oder aus den Hälterbecken", schildert Geschäftsführer Gerd Michaelis. Daraus resultiere ein Schaden von einigen tausend Euro.

"Solange Reusen im Wasser stehen, ist Fischdiebstahl bei uns ein Thema", sagt der Geschäftsführer der Fischereischutzgenossenschaft "Havel" Brandenburg, Ronald Menzel. Er schätzt den Schaden für die Genossenschaft durch Fischdiebstahl, die Beschädigung von Fanggeräten und Fischwilderei im Schnitt auf insgesamt mehr als 100 000 Euro pro Jahr. Die 38 Fischer sind zwischen Brandenburg an der Havel, Ketzin und Potsdam bis kurz vor Havelberg unterwegs.

Menzel unterscheidet Profis und Gelegenheitsdiebe. "Die Profis gehen raffiniert vor, damit die Fischer den Schaden nicht merken sollen", beschreibt er. "Sie stellen die Reusen nach dem Diebstahl der Fische wieder auf." Doch das sei nur selten erfolgreich. "Da machen sie die Rechnung ohne den Wirt, denn unsere Fischer kennen ihre Geräte genau und wissen, wenn ein anderer dort dran war."

Einige Fischer setzen private Sicherheitsleute ein, die eine Ausbildung als amtliche Fischereiaufseher haben. Wenn sie Fischdiebe und Fischwilderer erwischen, zeigen sie diese an. Manche nutzen auch moderne Technik, um Fanggeräte zu überwachen. Außerdem markieren sie in den Reusen wertvolle Aale - das Hauptziel der Täter - mit Chips.

Diese High-Tech-Winzlinge wurden mit Hilfe des Potsdamer Institutes für Binnenfischerei entwickelt. "Auf diese Weise konnten bereits Tatverdächtige mit Hilfe der Wasserschutzpolizei gestellt werden", erzählt Menzel. "Als die Verdächtigen behaupteten, die Aale selbst gefangen zu haben, wiesen wir mit Hilfe der Chips auf den Diebstahl hin." Der jüngste Fall von zwei Männern wurde der Staatsanwaltschaft in Potsdam übergeben und soll vor einem Gericht verhandelt werden.

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