FDP fordert Ärzteausbildung im Land

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19. Mai 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Um dem Ärztemangel im ländlichen Raum abzuhelfen, benötigt Brandenburg nach Auffassung der FDP-Landtagsfraktion eine eigene Mediziner-Ausbildung. Die bestehenden Einzelverträge zwischen märkischen Krankenhäusern und der Berliner Charité hätten sich nicht bewährt, sagte der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion, Jens Lipsdorf, gestern in Potsdam. Vielmehr werde eine eigene medizinische Fakultät gebraucht, für die auch private Investoren gewonnen werden könnten. Die Anschubkosten für das Land bezifferte FDP-Fraktionschef Hans-Peter Goetz auf acht bis neun Millionen Euro.

Es sei ein "Kardinalproblem", dass Brandenburg über keine eigene Einrichtung zur Ausbildung von Ärzten verfügt, stellte der gesundheitspolitische Sprecher der Liberalen, Gregor Beyer, fest. Sie hätte "Klebeeffekte", indem Absolventen in der Region blieben und und dort später arbeiteten. Schon bald würden im ländlichen Raum rund 700 niedergelassene Ärzte fehlen; rund ein Viertel aller märkischen Ärzte sei inzwischen älter als 60 Jahre; das Durchschnittsalter liege bei 52 Jahren. Wenn das Land jetzt nicht handelt, wäre laut Lipsdorf eine medizinische Versorgung in fünf bis zehn Jahren nicht mehr möglich. "Uns läuft die Zeit davon."

In Cottbus oder auch Eberswalde gebe es bereits hervorragende Krankenhäuser, die eine medizinische Ausbildung gewährleisten würden, sagte Beyer. Dazu komme eine Reihe Hochschulen, wo eine medizinische Fakultät "angedockt" werden könnte. Seine Fraktion werde bald ein Konzept vorlegen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Ursula Nonnemacher, bezeichnete die FDP-Vorstellungen als "unrealistisch und nicht Erfolg versprechend". Eine eigene medizinische Fakultät wäre "finanziell nicht zu stemmen" und auch kein geeigneter Weg, um mehr junge Mediziner an das Land zu binden, sagte sie in einer Stellungnahme. "Wer in Cottbus studiert, lässt sich noch lange nicht in Elbe-Elster nieder." Für eine bessere Ärzteversorgung gebe es kein Patentrezept, vielmehr müsse ein Bündel von Maßnahmen ergriffen werden. Nonnemacher nannte ambulante Behandlungszentren bei Krankenhäusern oder auch attraktive Praktika.

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