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Frankfurt/Oder : Familientragödie kommt vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Libanesische Eltern müssen sich verantworten, weil sie ihrer Tochter und deren Freund mit dem Tode drohten

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Es ist eine tragische Liebesgeschichte, die eine Familie entzweite und mit der sich derzeit das Landgericht Frankfurt (Oder) beschäftigen muss. Es soll prüfen, ob sich die Angeklagten Mariam und Khalid K. des Tatverdachts des versuchten gemeinschaftlichen Mordes an ihrer Tochter sowie ihrem Freund schuldig gemacht haben. Zuvor hatte das Amtsgericht in Fürstenwalde, wo die 64-Jährige und der 63-Jährige bereits wegen Drohung, Nötigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt waren, den Fall weitergegeben.

Was war passiert? Die Tochter der streng muslimisch-gläubigen Familie aus dem Libanon, Rabia K.*, führte seit einem Dreivierteljahr eine heimliche Beziehung mit Denys S.*, als die Eltern davon erfuhren und ihr den Kontakt verboten. Laut Aussage von Rabia K. drohten sie ihr mit einer Zwangsheirat. Sie würde die Ehre der Familie beschmutzen.

Am 25. Mai 2014 eskalierte der Streit, nachdem der Vater ein zweites Mobiltelefon im Zimmer der Tochter entdeckt hatte. Er sei daraufhin sehr wütend gewesen und die Mutter habe ihr Einverständnis gegeben, die Tochter zu töten, erzählt diese vor Gericht. Sie habe ihre Eltern noch nie so gesehen. „Das war kein Spaß mehr“, sagt die 23-Jährige. Aus Angst sendet Rabia K. ihrem Freund, der für sie zum Islam konvertierte, eine Nachricht. Der alarmierte Denys S. findet seine Freundin bei den Eltern auf der Baustelle eines sich im Familienbesitz befindlichen Hauses, wo auch der Bruder Mohammed anwesend ist.

Dort soll der Vater mehrfach auf den Freund seiner Tochter losgegangen sein. Zuerst mit einem Kantholz, dann mit einer Wasserwaage, was der 1,85 Meter große S. abwehren kann. Ein Fluchtversuch des jungen Paares scheitert. Rabia K. wird zurück ins Haus gezerrt, von ihrer Mutter zu Boden gedrückt, fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit einem Ziegelstein bedroht. Dabei soll die Angeklagte gerufen haben: „Ich werde deinen Kopf explodieren lassen.“

Als die herbeigerufene Polizei die Verliebten in Schutz nimmt, soll der Vater ihnen nochmals mit dem Tode gedroht haben. Die beiden sind seitdem in einem Zeugenschutzprogramm.

Während Rabia K., die von schwerbewaffneten Beamten bewacht wird, den Saal betritt, weint sie. Denys S. sagt aus, dass sie noch immer Angst habe. Die schmächtigen Eltern verziehen währenddessen kaum eine Miene, verweigern die Aussage. Über ihre Anwälte lassen sie aber verlauten, dass sie sich wieder Kontakt zu ihrer Tochter wünschen.

Die Rolle der Brüder Mohammed und Ibrahim blieb unklar. Sie sollen angeboten haben, Denys S. zu töten, dann aber beschwichtigend eingegriffen haben. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

* Name geändert

 

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