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Brandenburg

25. September 2017 | 21:00 Uhr

Fahnder bringen dem Land Millionen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Geschulte Finanzbeamte decken Steuerbetrug auf – meist in kriminellen Netzwerken

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 13:14 Uhr

67 Millionen Euro – diese Summe spielten Steuerfahnder 2016 für Brandenburgs Landeskasse ein. Nach ihren Erfahrungen ist es zum Volkssport geworden, den Fiskus zu betrügen. Aufwendig sind jedoch vor allem Ermittlungen gegen internationale Banden.

Wenn alles so einfach wäre wie im Fall eines Waffelverkäufers aus der märkischen Provinz, dann könnte Stefan Franke eine Akte schnell schließen. Der Mann war penibel, notierte alle Tageseinnahmen in Taschenkalendern. Dort entdeckte der Fahnder auch weitere Zahlen. Sie fielen immer deutlich höher aus als die vermeintlichen Umsätze. „Da lag es nun einmal auf der Hand, dass der Mann getrickst hat“, sagte der Mitarbeiter des Finanzamtes Frankfurt (Oder).

Elf der brandenburgweit 67 Millionen Euro haben die Frankfurter Steuerfahnder 2016 der Landeskasse eingebracht. Besonders die Aufdeckung krimineller Netzwerke bringt große finanzielle Rückflüsse, was in diesen Milieus durchaus als Kampfansage gewertet wird. Seinen wirklichen Namen will Franke daher nicht nennen.

Bei der Aufklärung des Steuerbetrugs stoßen der Fahnder und seine landesweit 81 Kollegen immer wieder an Grenzen. „In einigen EU-Staaten werden diese Fälle nicht mit gleicher Intensität verfolgt. Aber wir sind auf länderübergreifende Kooperation angewiesen“, nennt er ein großes Problem. Daher könne eine langjährige Arbeit durchaus scheitern.

Um Beweise zu sammeln, lassen Steuerfahnder immer häufiger Handygespräche überwachen. Spezialisten können auch mehrfach gesicherte Daten entschlüsseln. Durch eine Geheimsoftware sind Finanzbehörden in der Lage, viele Formen der Manipulation aufzudecken.

Es sind nicht nur komplexe Fälle, die den Frankfurter beschäftigen. „Wir erwischen Arbeitnehmer, die im großen Umfang bei der Entfernungspauschale tricksen. Oder Apotheker, die Umsätze mit einer Software frisieren. Auch Personen im Rampenlicht nehmen es mit Steuern nicht so genau.“ Der Fachmann spürt, dass die Steuermoral immer mehr Schaden nimmt. Verfahren gegen Prominente seien sehr kontraproduktiv. „Von kleinen Steuersündern hören wir ständig: Die Reichen machen das auch.“  

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