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Ombudsmann im Einsatz : Fälle bilden Bandbreite des Lebens ab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ombudsmann setzt Zahlungen durch

Wenn Versicherungen nicht zahlen, können Verbraucher einen Ombudsmann anrufen. Fast 21 000 Beschwerden gingen dort im Vorjahr ein – mehr als je zuvor. Die Fälle bilden die ganze Bandbreite des Lebens ab.

Die Eltern waren verreist, also lud die Tochter zwei 14-jährige Freundinnen zu einer kleinen Party nach Hause ein. Doch nach und nach klingelten immer mehr Gäste an der Tür, die von der Feier im sozialen Netzwerk gelesen hatten. Sie verwüsteten regelrecht das Gebäude, zerkratzen das Parkett, urinierten an die Wände, warfen mit Pizza, zerstörten Fensterbänke und fluteten das Badezimmer. Die Bilanz: ein Schaden von mehreren zehntausend Euro.

Nach dem Schock ging es für die Eltern darum, die Schäden zu beseitigen. Dafür machten sie Ansprüche an die Gebäudeversicherung geltend. Diese erklärte sich indes allein für Feuchtigkeitsschäden im Bad zuständig, nicht jedoch für die restlichen Vandalismusschäden. Nach langen Auseinandersetzungen konnte Günter Hirsch, Ombudsmann für Versicherungen, erreichen, dass die Versicherung immerhin die komplette Badsanierung zahlte.

Es ist eines von vielen Beispielen, die sich im Bericht des Ombudsmannes findet. Hirsch, ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofs, wird mit einer Fülle von Anfragen überschüttet: Knapp 21 000 Beschwerden gingen im Jahr 2015 ein. Allein in den Bereichen Rechtsschutz- und Kfz-Versicherungen registriert der von den Versicherungen beauftragte Schlichter jeweils ein Drittel mehr Fälle im Vergleich zu 2014. Fast 194 Milliarden Euro setzte die deutsche Versicherungswirtschaft im vergangenen Jahr um. Von einem Streit mit der Unfallversicherung handelt ein weiterer Fall. Ein junger Mann war im Überschwang eine Treppe hinuntergestürzt und zog sich mehrere Brüche sowie ein Schädel-Hirn-Traum zu. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte darüber hinaus auch „Foetor alcoholicus“ – eine Alkoholfahne. Der Versicherer lehnte eine Zahlung ab, da er eine „alkoholbedingte Bewusstseinsstörung“ annahm. Der Ombudsmann erreichte wiederum, dass die Assekuranz einspringen musste. Denn im Krankenhaus wurde keine Blutprobe genommen. Die Ursache für den Sturz blieb demnach unklar.

Hirsch verweist auf eine Erfolgsquote von über 40 Prozent bei Sachversicherungen. Für die Unternehmen ist seine Entscheidung bindend. „Aber wir erleben leider auch immer wieder destruktives Verhalten auf beiden Seiten“, sagt der Ombudsmann. Vielen Verbrauchern und Versicherungen gehe es vorrangig darum, Recht zu haben. „Darüber entscheiden jedoch allein Gerichte“, sagt er.

Mit Sorge beobachtet der Experte derzeit „konfliktträchtige Dreiecksbeziehungen“ im Versicherungswesen. Demnach schließt ein Versicherungsunternehmen mit einer Firma einen Gruppenvertrag ab, die wiederum beispielsweise Käufern von Handys eine Absicherung von Schäden anbietet. „Es entsteht eine völlig intransparente Vertragskonstruktion“, warnt Hirsch. Von verschachtelten Verträgen spricht Hirsch auch bei Restschuldversicherungen: Hier seien Banken, Versicherungen und Kreditnehmer involviert.

 

 

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erstellt am 25.Mai.2016 | 11:45 Uhr

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