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Arbeitsmarkt Brandenburg : Fachkräfte dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Berlin-Brandenburger Wirtschaft floriert – doch es mangelt zunehmend an Personal

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Brandenburger Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Doch die Risiken mehren sich. Hohe Energiepreise, teils schlechte Breitband-Versorgung und der zunehmende Personalmangel sorgen neben weltwirtschaftlichen Problemen für Unsicherheiten.

„Das von Unternehmen am häufigsten genannte Risiko ist der Fachkräftemangel“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg, Gundolf Schülke. In einer Konjunkturumfrage aller vier IHK in Brandenburg und Berlin gaben 60 Prozent der 1500 befragten Unternehmen Probleme bei der Personalsuche an. Vor einem Jahr waren das erst 51 Prozent gewesen.

Viele brandenburgische Firmen würden inzwischen in einem Umkreis von 100 Kilometern Personal akquirieren – selbst bis in benachbarte Bundesländer hinein. „Wir werden erleben, dass es Abwerbungen in einem Maße geben wird, wie man sie bisher noch nicht kannte“, betonte Schülke.

Wie riesig der Arbeitskräftebedarf ist, belegt der Fakt, dass im Vorjahr rund 60 000 neue Stellen in der Hauptstadtregion geschaffen worden waren, davon rund 14 000 in der Mark. Schülke rechnet damit, dass der Stellenaufwuchs 2017 etwas geringer, aber immer noch deutlich im positiven Bereich sein werde. Das hänge mit dem fortgesetzten Wirtschaftswachstum zusammen. So wollen 24 Prozent der brandenburgischen Firmen neue Arbeitskräfte einstellen, aber nur 14 Prozent ihr Personal abbauen. Die meisten Einstellungen planten Dienstleistungsbranche, Handel und Bau. Die Industrie zeigt sich – wohl wegen der internationalen Lage – etwas zurückhaltender.

Die zunehmende Zahl von Arbeitskräften werde auch dazu führen, dass noch mehr Menschen zur Arbeit pendeln. Die befragten Unternehmen sehen jedoch große Defizite im länderübergreifenden Nahverkehr: 74 Prozent in der gesamten Region und sogar 78 Prozent im Osten Brandenburgs sind der Ansicht, dass noch nicht genug für die Verkehrsinfrastruktur getan wird.

Defizite sehen jeweils mehr als die Hälfte der Unternehmen sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße. „Hier sind die beiden Landesregierungen gefragt, mehr für die Verkehrsverbindungen zu tun“, sagte Schülke. Er führte unter anderem die Ortsumgehung der B158 im direkt an der Berliner Stadtgrenze gelegenen Ahrensfelde (Barnim) an, aber auch die Bestellung zusätzlicher Verkehre bei S-Bahn und Regionalbahn.

Ein großes Problem vieler Brandenburger Unternehmen sind hohe Energiekosten: „Hier sagen mit 53 Prozent mehr als die Hälfte, dass sich die Energiekosten ungünstig auswirken“, beklagte der Potsdamer IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias. Er kritisierte, dass der Gesetzgeber keine bundesweit einheitlichen Netzentgelte einführen will. „Wegen des überdurchschnittlich guten Ausbaus der erneuerbaren Energien drohen durch die geltende Umlagepraxis im Land Brandenburg überproportional hohe Belastungen für den Netzausbau.“

Noch immer nicht geschlossen sei die Breitband-Lücke in vielen brandenburgischen Regionen. Drei Viertel der Berliner Unternehmer seien zufrieden – in Brandenburg dagegen nur knapp zwei Drittel. „Hier herrscht großer Nachholbedarf“, sagte Tobias.  

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