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Klimawandel auch bei uns : Extreme Unwetter drohen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine in Potsdam entwickelte Webseite zeigt die Auswirkungen des Klimawandels für die Regionen.

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Während beim Weltklimagipfel in Paris um einen Durchbruch gerungen wird, können Brandenburger und Mecklenburger die Folgen der globalen Erwärmung mit einer in Potsdam entwickelten interaktiven Webseite „durchspielen“. Wer auf der Karte des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung nach zukünftigen Getreideerträgen sucht, findet erschreckende Daten. Brandenburg zeichnet sich als helle Fläche ab: Dort könnten Bauern um 2050 nur die Hälfte der Weizenerträge einfahren, die andere Regionen Deutschlands erzielen. Dagegen könnte zur Jahrhundertmitte der Weinbau in der Mark boomen. Nach bestimmten Modellen würde Südbrandenburg neben den großen deutschen Anbaugebieten zum Eldorado für Winzer.

In der Forstwirtschaft drohen große Probleme: Blatttriebe sprießen immer früher, was zu Frostschäden führen könnte. Zudem steigt die Gefahr von Waldbränden in der Region deutlich.

Nutzer des Portals Klimafolgenonline.com können zwischen zwei Modellen wählen: Im Szenario RCP 2.6 gehen die Wissenschaftler davon aus, dass durch Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzt wird. Szenario RCP 8.5 demonstriert, was mit dem Klima passiert, wenn die Emissionen weiter steigen.

„Wir zeigen mit der Webseite, dass unter bestimmten Klimaszenarien bestimmte Folgen abschätzbar werden“, sagt Projektmitarbeiter Peter Hoffmann. „Aber es gibt noch große Unwägbarkeiten.“ Das gilt in erster Linie für die Niederschlagsentwicklung in den Jahreszeiten. Mitunter müssen die Klimaexperten auch eigene Prognosen kritisch hinterfragen.

So werden für Brandenburg seit Jahren trockene und heiße Sommer vorausgesagt. Jedoch seien dabei bestimmte Veränderungen in der Atmosphäre noch nicht ausreichend berücksichtigt, sagt Hoffmann. „Während erste Prognosen noch darauf hinwiesen, dass im Sommer mit weniger Regen zu rechnen ist, sehen wir nun an unseren Simulationen, dass sich Hitze und Starkregen schneller abwechseln könnten. Das würde zu extremen Unwettern führen.“

Nach seinen Erkenntnissen wird es vor allem im Frühjahr trockener. In den Wintern ist kaum noch mit Schneefall zu rechnen, was sich auf die Gewässer auswirkt. Die Region wird aber nicht zur Wüste. Laut Hoffmann gibt es bei der Jahressumme der Niederschläge kaum Veränderungen.

Die 2013 gestartete Webseite wird bis zum Frühjahr mit dynamischeren Modellen und mehr Erklärungen ergänzt. Zudem entsteht ein Portal für den Unterricht. Schüler könnten dann den Umgang mit Klimadaten lernen, so Hoffmann. Mehr als 100 Pädagogen sind bereits Testnutzer.

Der Nutzen für Wirtschaft und Behörden ist noch überschaubar – konkrete Planungen lassen sich aus den Prognosen nicht ableiten. Wohl aber sind Tendenzen ablesbar: „Für Landwirte wird klar, welche Früchte hier künftig noch wachsen“, sagt Hoffmann. „Touristiker erfahren, ob sich Investitionen in bestimmte Skigebiete lohnen.“

Den Pessimismus der Klimaforscher teilen Landwirte aber nicht. „Das erinnert eher an Kaffeesatzleserei“, sagt der Pflanzenbaureferent im Landesbauernverband, Karsten Lorenz. „In den Rechenmodellen werden auch keine landwirtschaftlichen Faktoren berücksichtigt. Es hat in unserer Branche immer züchterische Fortschritte gegeben.“

Die Bauern hätten sich längst auf die Veränderung klimatischer Bedingungen eingestellt. So werde in Brandenburg vor allem Roggen angebaut – ein Getreide, das auf trockenen Böden gedeiht. Zudem gewinne der Soja-Anbau an Bedeutung. „Die Folgen des Klimawandels werden hier am wenigsten zu spüren sein“, sagt Lorenz.

Auch im Landesforstbetrieb bewertet man die Prognosen zurückhaltend. „Wir können unsere Arbeit nicht nur an Szenarien ausrichten“, sagt Direktor Hubertus Kraut. Wertvoller seien die Erfahrungen aus besonders trockenen Sommern wie 2003. Beim Waldumbau werde auf verschiedene Baumarten gesetzt zur Risikostreuung.

 

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