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Birkenwerder : Explosive Säure in Chemielabor der Schule

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sprengstoffexperte entfernt gefährliche Substanz in der Birkenwerder Bildungseinrichtung

svz.de von
erstellt am 30.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Die Polizei hat mithilfe von Sprengstoffexperten eine gefährliche Säure aus dem Chemielabor einer Schule in Birkenwerder (Oberhavel) entfernt. Über den Einsatz vom Donnerstag teilte die Polizei mit, dass es sich dabei um Pikrinsäure gehandelt habe. 50 Gramm des Stoffes wurden im Anschluss in einem Waldstück kontrolliert gesprengt. Für den Transport mussten Straßen gesperrt werden. Der Einsatz dauerte fünf Stunden. Er galt als besonders gefährlich, weil die Substanz bereits eingetrocknet war. In diesem Zustand könne die Säure noch leichter explodieren, teilte die Polizei am Freitag mit.

Das Bildungsministerium hatte bereits am 8. Juli Schulen angewiesen, ihren Chemikalienbestand auf Pikrinsäure zu überprüfen und etwaige Bestände zu melden. Hintergrund war eine neue Richtlinie, die im Februar 2016 in Kraft getreten war. Seitdem ist der Besitz der Chemikalie verboten. Früher wurden mit der Säure Experimente im Unterricht durchgeführt. Aber auch bereits vor dem Verbot stufte das Ministerium das Mittel als gefährlich ein. In einer Richtlinie aus dem Jahr 2008 warnt die Behörde vor dem Stoff: „Schon Reibung, Erwärmung oder ein Schlag reichen aus, um die Kristalle zur Explosion zu bringen.“ Noch empfindlicher sei der Stoff im getrockneten Zustand, bestätigte das Ministerium. Ob es an anderen Schulen weitere Bestände gibt, blieb am Freitag offen.

Entdeckt wurde die Säure bereits 1771. Genutzt wurde sie zunächst zur Färbung von Seide. Bis der Franzose Eugène Turpin rund 100 Jahre später die explosiven Eigenschaften entdeckte. So landete Pikrinsäure als Füllmaterial für Granaten im Ersten Weltkrieg. Allerdings wurde dieses Verfahren, weil Pikrinsäure unkontrollierbar wurde, wieder eingestellt und durch TNT ersetzt.

Wie gefährlich die Säure ist, zeigte sich im Jahr 1917 bei der Halifax-Explosion. Damals stießen vor der kanadischen Ostküste im Hafen der Stadt Halifax ein französischer und ein norwegischer Frachter zusammen. Das französische Schiff hatte 2300 Tonnen Pikrinsäure und 200 Tonnen TNT an Bord geladen. Es gab eine gewaltige Detonation, bei der große Teile der Hafenstadt Halifax verwüstete wurden.

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