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Stadt-Umland-Wettbewerb : Europa will mehr Kooperation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Land Brandenburg stellt seinen Stadt-Umland-Wettbewerb bei der „Europäischen Woche der Städte und Regionen“ in Brüssel vor

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 13:00 Uhr

Es war eine schwierige Situation: Die alte Textilfabrik, der wichtigste Arbeitgeber der Stadt, ging pleite. Hunderte Menschen verloren ihren Job. Was also tun? Im dänischen Grenå, einer ohnehin unter Abwanderung und dem Zusammenbruch traditioneller Wirtschaftszweige leidenden Kleinstadt am Kattegat, entschieden sich die Stadtväter für einen ungewöhnlichen Weg: Zusammen mit einer örtlichen Fachhochschule und mit Hilfe von Fördermitteln der Europäischen Union begannen sie, junge Leute zu Programmierern für Computerspiele auszubilden. Am Ende entstanden 22 neue Firmen, Arbeitsplätze wurden geschaffen und die jungen Computerexperten entschieden sich, in der Stadt zu bleiben.

Während der „13. Woche der Europäischen Regionen und Städte“, die in diesen Tagen in Brüssel stattfand, erhielt das Förderprojekt „Scandinavian Game Developers“ einen „Regiostar“ der Europäischen Union – eine Auszeichnung für einen besonders innovativen und effizienten Umgang mit den Fördermitteln der Europäischen Union.

Was das mit Brandenburg zu tun hat? In den letzten Jahren war das Land Brandenburg fast immer im Finale der „Regiostars“ vertreten – in diesem Jahr allerdings stammte kein einziger der 17 Teilnehmer der letzten Runde aus der Bundesrepublik. Und das, obwohl Deutschland als wirtschaftlich starkes Land immerhin noch 19,2 der 357 Milliarden Euro erhält, die sich in der neuen Förderperiode in den Töpfen des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finden. Und obwohl 846 Millionen Euro EFRE-Mittel und 362 Millionen Euro ESF-Mittel davon nach Brandenburg gehen. Doch nun hat sich das Land etwas Neues einfallen lassen: Um die im Verhältnis zur letzten Förderperiode deutlich geschrumpften EU-Mittel zu verteilen, findet in Brandenburg der so genannte Stadt-Umland-Wettbewerb statt. Bei der Woche der Regionen und Städte wurde er stolz in Brüssel präsentiert.

„Das ist ein neuer Ansatz“, sagte Katrin Müller-Wartig von der Brandenburger Landesvertretung in Brüssel. „Erstmals werden die Mittel aller EU-Fonds im großen Stil gemeinsam eingesetzt werden.“ Denn die geschrumpften Zuschüsse aus Europa sollen so effektiv wie möglich eingesetzt werden. Und es sollen Städte als „Anker im Raum“ und ihr Umland gemeinsam antreten. „Wir reden nicht mehr von der Verbindung zwischen Stadt und Land, sondern davon, dass die Städte und ihre Umgebung gemeinsam einen funktionalen Raum bilden.“ Ähnlich formulierte es auch der Juryvorsitzende des Brandenburger Stadt-Umland-Wettbewerbs, Dirk Ahner. „Unser Ziel ist es, Kooperation und Verantwortung zwischen den Städten und ihrem Umland zu stärken.“ Denn Kooperationen zwischen den unterschiedlichen Ebenen des Landes und mit privaten Partnern würden immer nötiger, um immer komplexere aktuelle Herausforderungen zu bewältigen.

Bei seinen Zuhörern stieß er damit auf offene Ohren. Denn auch in der niederländischen Region Randstad, der rund um Paris gelegenen Ile de France und dem englischen Surrey werden ähnliche Überlegungen angestellt. Und nicht zuletzt auch EU-Kommissarin Corina Cretu hatte während der Woche der Regionen und Städte immer wieder eines deutlich gemacht: Es braucht eine stärkere Vernetzung innerhalb der europäischen Regionen. Das europäische Wissen müsse ausgetauscht werden. „Daran beteiligen wir uns natürlich gern“, sagte Müller-Wartig. „Und wir hoffen, dass dann eines Tages eines der Projekte aus dem Stadt-Umland-Wettbewerb wieder im Finale der Regiostars zu finden ist.“  

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