Grenzbasar Osinów Dolny : „Es war wie eine Bombe“

Alles verloren: Die grüne Hütte im Hintergrund war einmal der Imbiss, den der 60-jährige Edward Krysiak mit Frau und Sohn auf dem Basar von Osinów Dolny betrieben hat. So wie die Autos brannte das Lokal völlig aus, weil es nur wenige Meter vom Ort der Explosion entfernt war. Fotos: dietrich schröder
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Alles verloren: Die grüne Hütte im Hintergrund war einmal der Imbiss, den der 60-jährige Edward Krysiak mit Frau und Sohn auf dem Basar von Osinów Dolny betrieben hat. So wie die Autos brannte das Lokal völlig aus, weil es nur wenige Meter vom Ort der Explosion entfernt war. Fotos: dietrich schröder

Am Tag nach der Explosion wird auf dem Grenzbasar von Osinów Dolny das Ausmaß der Schäden deutlich

svz.de von
30. März 2016, 21:30 Uhr

Ausgebrannte Autos und Handelsstände sowie unzählige zerstörte Scheiben – im Zentrum des polnischen Grenzortes Osinów Dolny bietet sich nach der Explosion von Feuerwerkskörpern vom Dienstag ein Bild der Zerstörung. „Es war wie eine Bombe!“ Noch immer kann sich Edward Krysiak genau in jenen Moment versetzen, als wenige Meter von seinem Imbiss entfernt eine gewaltige Detonation erfolgte und nicht nur der Boden unter ihm, sondern auch das Dach über ihm wankte. „Legt euch auf den Boden!, habe ich meiner Frau und unserem Sohn zugerufen, weil immer weitere kleine Explosionen folgten“, erinnert er sich. Doch als es wenig später zu brennen begann, hätten die Familie und die – zum Glück – wenigen Gäste nur noch davonlaufen können.

24 Stunden nach der Katastrophe, als auf dem Basar im Ortszentrum zwei mit Feuerwerkskörpern gefüllte Buden explodierten, sind von der Gaststätte, die Familie Krysiak dort betrieb, nur noch die Außenwände übrig. Wie zum Hohn wackelt das Schild mit der deutschen Aufschrift „Futtern wie bei Muttern“ dazu im Wind.

„Es hat unseren deutschen Gästen ja auch immer geschmeckt – egal ob Schnitzel, Piroggen oder Rote-Rüben-Suppen.“ Sehnsüchtig berichtet der Pole von den Stammkunden, die immer wieder zu ihm gekommen sind. Damit dürfte vorerst Schluss sein, denn der Besitz des 60-Jährigen ist vernichtet. So wie auch knapp 30 weitere Stände, die bei der Explosion sowie bei einem zweiten Brand zerstört wurden, der in der Nacht zum Mittwoch nur 250 Meter von dem ersten Unglücksort entfernt ausgebrochen war. Die Besitzer dieser Stände sind es auch, die immer wieder die Frage stellen: „Warum zum Teufel werden hier mitten unter den anderen Ständen Feuerwerkskörper verkauft und gelagert?“

Ob es sich um einen Schwelbrand nach der Explosion vom Dienstagmittag handelte, wollten Sprecher der polnischen Polizei und Feuerwehr gestern nicht bestätigen. Einige Markthändler kritisieren jedoch, dass sich die Feuerwehr nach dem ersten Brand, der am Dienstagnachmittag als gelöscht gegolten hatte, zu schnell zurückgezogen habe.

Widersprüchliche Angaben gibt es zudem zur Anzahl der Personen, die am Dienstag verletzt worden sind und zum Ablauf von deren Versorgung. Während die Sprecherin der Rettungsdienstzentrums Stettin, Elzbieta Sochanowska, gestern von fünf verletzten Polen sowie drei verletzten Deutschen sprach, erklärten Sprecher der Polizei in Gryfino und der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder), dass am Dienstag allein sechs verletzte Deutsche an die Grenze gebracht und dort von Brandenburger Rettungsfahrzeugen übernommen wurden. Aus der Leitstelle in Frankfurt (Oder) hieß es dagegen, fünf deutsche Verletzte hätten sich erst selbst in Hohenwutzen bei der deutschen Polizei gemeldet, bevor sie von Rettungsdiensten in Krankenhäuser nach Eberswalde und Berlin-Buch gebracht wurden. Der Zustand der Verletzten soll den Behörden zufolge stabil sein. Nur der Betreiber des Standes mit Feuerwerkskörpern, der am Dienstag explodiert war, soll sehr schwer verletzt sein.

Während polnische Kriminalisten und Staatsanwälte gestern mit der Untersuchung beschäftigt waren und der kleinere Basar des Ortes komplett abgesperrt war, herrschte auf dem größeren Basar reges Treiben mit deutschen Käufern. Zugleich schossen Spekulationen über die Explosionsursache ins Kraut. Von einer Propangasflasche oder einem offenen Grill, die zunächst gebrannt haben sollen, ist die Rede. „Das alles werden wir jetzt gründlich untersuchen“, kündigt Oberkommissar Leszek Kowalczyk von der Polizei im nächstgrößeren Ort Chojna an.

Von den acht völlig ausgebrannten Autos sollen fünf oder sechs Deutschen gehören. So genau wisse man das noch nicht, die Besitzer sollten sich aber auf jeden Fall bei der Polizei in Chojna oder Gryfino melden, sagt deren Sprecher Bogdan Prostak.

Die Händler, deren Stände unversehrt blieben, die aber wegen der Untersuchungen durch die Polizei zur Untätigkeit gezwungen sind, bewegt vor allem eine Frage: Wann können wir wieder öffnen?

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