Flüchtlinge aus Eisenhüttenstadt : „Es sind sehr angenehme Menschen“

Die Oderland-Kaserne steht seit dem Abzug der Bundeswehr leer. Nun sollen Asylbewerber einziehen.
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Die Oderland-Kaserne steht seit dem Abzug der Bundeswehr leer. Nun sollen Asylbewerber einziehen.

Die Anlaufstelle für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt ist überlastet, da derzeit vor allem aus Syrien viele Asylbewerber eintreffen. Ab Monatsmitte werden deshalb 80 Syrer in der Frankfurter Oderland-Kaserne untergebracht.

Die Anlaufstelle für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt ist überlastet, da derzeit vor allem aus Syrien viele Asylbewerber eintreffen. Ab Monatsmitte werden deshalb 80 Syrer in der Frankfurter Oderland-Kaserne untergebracht. Gestern wurde der überraschende Plan auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

„Turnhallen und Zelte sind keine Lösung“, sagt Frank Nürnberger, Leiter der Zentralen Ausländerbehörde. „Wir sind ein reiches Land.“ Also habe man in den vergangenen Wochen nach einem angemessenen Ausweichquartier für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien gesucht und sei schließlich in Frankfurt fündig geworden. Vor allem rund um den Jahreswechsel erwarte er enorme Engpässe in Eisenhüttenstadt, betonte Nürnberg.

Deshalb die Oderland-Kaserne als „strategische Reserve“. Eine Etage sollen die Asylbewerber hier beziehen. Der Zustand des seit einigen Jahren ungenutzten Hauses sei gut. Bis Ende März 2014 läuft der jetzt abgeschlossene Mietvertrag mit dem Bund als Eigentümer. Nürnberger geht davon aus, dass danach wieder genug Betten in Eisenhüttenstadt zur Verfügung stehen, da dort zurzeit neue Wohncontainer errichtet werden. Aber ausgeschlossen sei eine längere Nutzung der Kaserne auch nicht. Niemand könne sagen, wie viele Flüchtlinge in den kommenden Monaten in Brandenburg eintreffen. „Ich weiß nicht einmal, was in den nächsten fünf Minuten passiert“, verdeutlicht Nürnberger die besondere Lage. Zu seiner eigenen Überraschung sei etwa der Zustrom von Asylbewerbern aus Tschetschenien zuletzt genauso abrupt abgebrochen, wie er vor einem Jahr begonnen hatte, während derzeit monatlich bis zu 12 000 Syrer nach Deutschland kommen.

Dementsprechend ist auch das Kasernen-Konzept mit heißer Nadel gestrickt. Einige Fragen sind ungeklärt. Erst vor ein paar Tagen wurde die Stadt Frankfurt (Oder) unterrichtet, am Montag dieser Woche dann die Anwohner und nun auf einer Pressekonferenz die weitere Öffentlichkeit. Da es dieser Tage vielerorts in Deutschland Proteste gegen Flüchtlinge gibt, ist die brisanteste Frage, wie die Nachbarn auf Ankündigung reagieren. Frankfurts Kämmerin Claudia Possardt winkt entspannt ab. „Rund um die Kaserne gibt es kaum Wohnbebauung“, sagt sie. Am Montag habe die Stadt Ordnungsamtsmitarbeiter in die Gegend geschickt, um Bürger nicht nur per Brief, sondern auch persönlich aufzuklären. Doch es sei den Leuten von der Stadt kaum gelungen, in relativer Nähe zur Kaserne überhaupt jemanden anzutreffen. Die Menschen, die mit denen man schließlich sprach, hätten sich überrascht, aber keineswegs ablehnend über die neuen Nachbarn geäußert. Für die Stadt entstehen keine Zusatzkosten durch die neue Situation, betont die Kämmerin außerdem.

Auch Frank Nürnberger lehnt sich unbesorgt zurück, wenn er zu möglichen Schwierigkeiten rund um die Kaserne befragt wird. „Wir beziehen die Bürger von Anfang an mit ein“, betont er, um anschließend eine Lanze für die Syrer zu brechen: „Das sind sehr angenehme Menschen.“ Kopfzerbrechen bereite ihm eher die Logistik rund um die Kaserne. „Das Essen werden wir wahrscheinlich aus Eisenhüttenstadt anliefern. Das prüfen wir noch.“ Tagsüber werde sich ein Sozialbetreuer um die Bewohner kümmern und nachts würden Wachleute die Unterkunft nach außen schützen.

Jürgen Huber, Leiter der örtlichen Polizeiinspektion, hat nach eigenen Angaben keine Informationen über Risiken, also zum Beispiel mögliche rechtsradikale Attacken. Dennoch werde man ein Sicherheitskonzept für die Einrichtung erstellen. So sollen Polizeistreifen die Kaserne regelmäßig ansteuern. Claudia Possardt sagt gestern noch auf Nachfrage, dass eine Art Willkommensfeier für die Flüchtlinge denkbar sei. „Ich weiß, dass es innerhalb der Bürgerschaft ein großes Interesse an Begegnungen gibt.“ Frank Nürnberger registriert das erfreut, bremst aber die Erwartungen an längerfristige Kontakte. „Die einzelnen Asylbewerber sind hier jeweils nur ein paar Wochen, dann werden sie in der Regel auf die Landkreise verteilt.“

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