„Es muss endlich losgehen“

Märkische Bio-Branche sucht mit Hilfe der Grünen

svz.de von
27. Mai 2017, 05:00 Uhr

Wie kann es gelingen, dass Brandenburger Bauern mehr Bio-Produkte in nach Berlin liefern? Denn die Nachfrage dort ist groß. Eine Gesprächsrunde listete jetzt die Probleme auf und diskutierte Lösungsmöglichkeiten.

Mehr Beratung für Landwirte, die auf Bio umstellen wollen, eine bessere Netzwerkarbeit der Branche und ein klares Bekenntnis der Politik zum Wandel – diese drei Herausforderungen diagnostizierten die Experten bei dem Treffen im Ökodorf Brodowin (Barnim). Hoffnungen setzen sie in den grünen Berliner Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt.

Der versprach, dass Berliner Schulen, Universitäten und am besten auch die Gefängnisse künftig verstärkt mit Bio-Produkten aus Brandenburg versorgt werden sollen. Er hoffe, dass es vergaberechtlich gelinge, Landwirte aus der Region bei diesen Aufträgen quasi zu bevorzugen, sagte der Senator. Und dann wolle er mit ihnen die Lieferung von Lebensmitteln vereinbaren.

Noch aber fehlt es in der Mark an genügend Landwirten, um solche Aufträge anzunehmen, von weiterverarbeitenden Gewerken wie Bio-Fleischern oder Tiefkühl-Logistikern nicht zu reden. „Viele Bio-Bauern müssen ihr Fleisch nach Nordrhein-Westfalen bringen, weil es bei uns kaum Schlachter gibt“, bedauerte Axel Vogel, Landtagsabgeordneter der Grünen.

Ludolf von Maltzan, Chef des Ökodorfs und Gastgeber der Runde, erklärte, „dass es jetzt endlich einen Knall geben muss“, einen Startschuss zur Forcierung des Öko-Landbaus in der Mark. „Viele konventionell wirtschaftende Bauern sind auch betriebswirtschaftlich in der Sackgasse. Sie wollen umsteigen, wissen aber nicht, wie“, ergänzte Vogel.

Promi-Köchin und uckermärkische Neu-Bäuerin Sarah Wiener ärgern die Hürden, wenn sie Produkte des Gutes Kerkow zu Berliner Kunden bringen will. „Eigentlich müssten wir jemanden einstellen, der für uns den Absatz organisiert.“ So dürfte es vielen kleinen Betrieben gehen. „Sie haben nicht so viel Kraft, sich neben der Produktion intensiv um Vermarktung und Netzwerkarbeit in Berlin zu kümmern“, so Wiener.

Maltzan bekräftigte, dass es an Strukturen hapert. So bekomme er oft nur verzögert mit, wie sich in Berlin die Nachfrage nach bestimmten Produkten entwickele. „Wir brauchen mehr Informationen, mehr Austausch“, sagte er. Auch Bauern, die auf Bio umsteigen wollen, müssten zunächst genug wissen über den Berliner Markt und Vertrauen entwickeln, bevor sie investieren.

Wer die Netzwerkarbeit leisten soll, blieb offen. Ohne Unterstützung der Politik gehe es nicht, war man sich mit Blick auf die Landesregierung einig. Leider habe Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) nichts für Bio übrig, reiche Fördermillionen lieber für den Bau riesiger Hühnerställe aus, betonte Axel Vogel. Senator Behrendt verbreitete leise Hoffnung. Er habe von Brandenburgs Regierung „positive Signale vernommen, dass sie die Bedeutung des Themas erkannt hat“.  

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