Hund kehrt zurück : Es ist schön, sie wieder hier zu haben

Glücklich vereint: Jutta und Manfred Kühl mit ihrer Hündin Bonnie. Sie hatten ihre Rückgabe vor Gericht erkämpft.
Glücklich vereint: Jutta und Manfred Kühl mit ihrer Hündin Bonnie. Sie hatten ihre Rückgabe vor Gericht erkämpft.

Fercher Rentnerpaar nach Rückkehr der Dackeldame Bonnie überglücklich

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31. August 2016, 05:00 Uhr

Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen. Eine brandenburgische Dackelhündin entläuft ihren Besitzern, wird von Touristen mit nach Bayern genommen, woraus sich ein jahrelanger Rechtsstreit entwickelt. Jetzt kam das Tier zurück. Die alten Eigentümer sind überglücklich.

Seit zwei Tagen tollt Bonnie, die reinrassige Rauhaardackeldame, wieder durch den Garten von Jutta und Manfred Kühl im idyllischen Ferch in der Gemeinde Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark). Mehr als vier Jahre hatte das Ehepaar auf diesen Moment warten müssen. Eine lange Zeit, in der die beiden zunächst hofften und dann bangten, dass sie „ihre“ Bonnie irgendwann wieder in die Arme schließen dürfen.

„Es ist schön, sie wieder hier zu haben. Wir wissen vor Emotionen noch gar nicht, was wir machen sollen“, sagt die 70-Jährige Jutta Kühl und strahlt vor Freude. Die mittlerweile fünfjährige Hündin streckt auf ihrem Schoß alle vier Pfoten von sich und lässt sich den Bauch kraulen. „Ein Zeichen des Vertrauens“, erklärt die Besitzerin.

Nachdenklich wird Jutta Kühl, wenn sie an die vergangenen vier Jahre zurückdenkt. Im April 2012 entwischte die damals neun Monate alte Hündin auf einem Hoffest. Touristen lasen das Tier auf und nahmen es mit nach Bayern. Fortan heißt der Hund „Lulu“ und lebt in München. Es dauerte zwei Jahre, bis die alten Besitzer herausfanden, dass das Tier noch lebte.

Die Zeit ohne Bonnie war für die Ferchner nicht einfach. „Wir haben immer an den Hund gedacht“, erinnert sich Jutta Kühl. „Die psychische Belastung war schon hoch.“ Sie zeigt ein Album mit mehr als 80 Fotos von Bonnie, die sie liebevoll aufgeklebt hat. „Das war eine Art Festhalten“, sagt sie und schluckt.

Auch Manfred Kühl nimmt die Sache mit, im März 2015 erleidet er einen Schlaganfall, den seine Frau auch auf den Stress zurückführt. Erst nach zwei Jahren erfuhren die beiden, dass Bonnie noch lebt. Doch die neuen Besitzer wollten das Tier nicht mehr hergeben, schickten nur Bilder von dem Hund. Ein wenig konnte sie die Münchner sogar verstehen, aber „wir haben den Hund großgezogen.“ Der Hund sollte ihr fünfter und letzter Dackel sein. Ein Ersatz kam für das Ehepaar nie infrage.

Weil auf der Gegenseite keine Einsicht war, zogen die Kühls vor Gericht und bekamen die Hündin im August endgültig zugesprochen. „Zwischendrin forderte die Gegenseite von uns 13 800 Euro, den Impfpass und die Papiere des Hundes“, erinnert sich Manfred Kühl. „Die wollten, dass wir klein beigeben.“ Aus Quittungen ging auch hervor, dass Bonnie in München jeden Monat ein paar Tage in einer Tierpension verbrachte, erzählt Jutta Kühl. Für das Paar erst recht ein Grund, um das Tier zu kämpfen.

Das Landgericht Potsdam setzte schließlich eine Ausgleichszahlung von 3271,16 Euro fest – die Jutta Kühl in bar zur Übergabe mitbrachte. Mit Enkel Florian fuhr sie am Sonnabend nach München, um Bonnie abzuholen. Das Treffen sei wie ein Krimi gewesen, erzählt sie. Die Übergabe sei kurzfristig vom Flughafen auf eine Tankstelle verlegt worden. Dort habe sie sich sehr zurückgehalten, um sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Ich habe Bonnie in den Arm genommen und wir haben ihr ihr altes Halsband umgelegt.“ Die Hündin habe sich sogleich eingekuschelt. „Das war der schönste Moment.“

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