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Berührungsängste : Erste-Hilfe-Wissen alle fünf Jahre auffrischen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgs Wohlfahrtsverbände mahnen eindringlich / Oftmals zögerliches Handeln aus Angst

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Das Erste-Hilfe-Wissen der Brandenburger könnte besser sein. Kurse der Wohlfahrtsverbände seien zwar immer gut besucht, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Da aber keine Auffrischungspflicht bestehe, gingen erlernte Fähigkeiten nach kurzer Zeit wieder verloren. Die Kurse des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zählten im vergangenen Jahr landesweit fast 55 000 Teilnehmer.

Dennoch sieht der Verband große Lücken bei Ersthelfern. „Das hat weniger mit den Kenntnissen an sich zu tun“, sagt DRK-Sprecherin Iris Möker. In der Praxis zeige sich, dass viele Menschen trotz guter Erste-Hilfe-Ausbildung Angst hätten zu helfen.

Besonders deutlich würden die Lücken im Wissen beim Thema Rettungsgasse. „Autofahrer sind nicht verpflichtet, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen“, sagt die Sprecherin. So seien Kenntnisse, die vor Jahren erlernt wurden, nicht mehr abrufbar. „Wir empfehlen alle fünf Jahre einen Auffrischungskurs.“ Im Laufe der Zeit habe sich die Erste Hilfe sehr vereinfacht.

Beispielsweise müsse bei der Wiederbelebung der Druckpunkt nicht mehr kompliziert gesucht werden. Auch die stabile Seitenlage sei von den Handgriffen her vereinfacht worden. Zudem müsse bei starken Blutungen nicht mehr abgedrückt werden.

Das zögerliche Handeln von Ersthelfern bemängelt auch die Johanniter-Unfall-Hilfe. Zwar sind auch dort die Zahlen mit über 35 000 Kursteilnehmern in Berlin und Brandenburg stabil. „Oftmals wenden Ersthelfer wiederbelebende Maßnahmen jedoch nur zögerlich oder gar nicht an“, so ein Verbandssprecher. Sie hätten Angst, etwas falsch zu machen. „Nur wer gar nichts tut, handelt falsch“, sagt er.

Das Mindeste sei, den Rettungsdienst zu informieren. Damit schon die Jüngsten im Ernstfall helfen können, gehen die Verbände gezielt in die Schulen. „Von der Kultusministerkonferenz gibt es die Empfehlung, das Thema Wiederbelebung auf den Stundenplan zu setzen“, betont DRK-Sprecherin Möker. „Je früher man Erste Hilfe lernt, desto weniger Berührungsängste haben die Menschen“, erläutert sie.

Wer in Notsituationen doch mal einen Blackout habe und nicht weiter wisse, kann sich Tipps via Smartphone geben lassen. „Wir haben extra eine Erste-Hilfe-App entwickelt, um im Notfall Anleitungen zu geben und bei lebenswichtigen Sofortmaßnahmen zu unterstützen“, sagt sie.

Aktuell versuchen die Verbände, über Kooperationen ein möglichst breites Publikum mit ihren Kursen anzusprechen. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Rathenow (Havelland) setzt das beispielsweise gerade bei Seniorenheimen oder Wohnungsbaugesellschaften um. „Die gemeinsamen Kurse helfen auch, dass sich die Hausgemeinschaft besser kennenlernt und mehr aufeinander achtet“, erklärt ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht.

Und noch eine weitere Gruppe hat der ASB in Rathenow für sich entdeckt: Hundebesitzer. „Seit 2016 bieten wir Erste-Hilfe-Kurse am Hund an“, sagt die Sprecherin. Das Angebot werde rege genutzt, im Oktober starteten neue Kurse. Für die Übungen stehe sogar ein „Reanimationshund“ bereit.

 

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