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Seitenbacher-Prozess : Erpresser drohte Müsli-Hersteller

vom

Der 63-Jährige aus Neubrandenburg wollte eine Million Euro erpressen und bedrohte die Töchter von Firmengründer Willi Pfannenschwarz mit dem Tode.

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 18:08 Uhr

Als der Chef des Müsli-Herstellers Seitenbacher den Drohbrief in den Händen hielt, muss es ihm kalt den Rücken heruntergelaufen sein. „Machen Sie bitte keine Fehler, denn das Leben Ihrer Töchter liegt allein in Ihren Händen“, las er da. Ein Mann wollte eine Million Euro von Firmengründer Willi Pfannenschwarz erpressen - sonst würde nicht nur ein Scharfschütze seine beiden Töchter erschießen, auch Seitenbacher-Produkte in Supermärkten würden vergiftet werden. Doch die Rechnung des Erpressers ging nicht auf.

Das Landgericht Mosbach in Baden-Württemberg hat ihn am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Seitenbacher-Müsli aus dem beschaulichen Städtchen Buchen ist in ganz Deutschland bekannt - nicht zuletzt wegen der einprägsam von Pfannenschwarz gesprochenen Werbespots („lecker, lecker“). Vor Gericht erscheint er nicht.

Die Kammer bewertet in der Verhandlung vor allem die Morddrohung als schwerwiegend. „Die vergifteten Müsliriegel wären schon schlimm genug gewesen“, sagt der Vorsitzende Richter Alexander Ganter. „Die Bedrohung der Kinder ist uns übel aufgestoßen.“ Wer selbst Kinder habe, wisse, dass eine Bedrohung ihres Lebens das Schlimmste sei, was jemandem passieren könne.

Der Angeklagte mit den weißen Haaren und dem langen weißen Bart gibt sich vor Gericht reumütig, blickt immer wieder zu Boden. „Es tut mir wirklich ehrlichen Herzens leid. Ich möchte mich auch bei der Familie des Unternehmers entschuldigen“, sagt der 63-Jährige. Er sei kein gewalttätiger Mensch - die Drohung hätte er nie in die Tat umgesetzt.

Auf eine Erpressung kam der Mann wegen einer Fernsehsendung, wie er erzählt. In einem Bericht sei es um die Firma Seitenbacher gegangen und darum, wie viel Umsatz sie mache. „Da kam ich auf diese blödsinnige Idee.“ Für eine fixe Idee hält die Kammer den Plan des Mannes aus Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern allerdings nicht: Er sei professionell vorgegangen. Auch wegen diverser Vorstrafen - unter anderem ein Banküberfall - beurteilen die Richter das Vergehen nicht als minderschweren Fall, wie es der Verteidiger des Angeklagten gefordert hatte.

Mit dem Geld wollte sich der Täter eine schöne Zeit in Thailand machen, dort hatte er schon einmal für mehrere Jahre gelebt - ihm gefielen die Frauen. Er war in Geldnot, als ihm die Idee kam, Seitenbacher zu erpressen: Mit seiner Miete monatelang im Rückstand, war ihm seine Wohnung gekündigt und sein Strom abgedreht worden. „Es kam alles zusammen“, sagt er. In Neubrandenburg lebte der Mann nach Einschätzung eines Sachverständigen wie ein Einsiedler. Nach einem Schlaganfall konnte er nicht mehr arbeiten, lebte von Grundsicherung.

Seitenbacher-Chef Pfannenschwarz sollte dem 63-Jährigen im Herbst vergangenen Jahres mit zwei Inseraten in der „Berliner Zeitung“ signalisieren, dass er mitspielt und bereit ist, das Geld zu zahlen.

Der Unternehmenschef ging nur zum Schein auf die Forderung ein und schaltete die Anzeigen in dem Blatt. Einige Tage später bekam er ein weiteres Schreiben des Erpressers: Er sollte an den Berliner Alexanderplatz kommen und das Geld übergeben.

Doch bei aller Planung war der Angeklagte in einem Detail unvorsichtig: Ermittler fanden DNA-Spuren von ihm auf einem der Briefumschläge. Zur Geldübergabe kam es nie.

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