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Flughafen Berlin : Eröffnung des BER bleibt in der Schwebe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aus Ende 2017 kann auch Anfang 2018 werden. Betreiber des Hauptstadtflughafens BER weisen die Verantwortung dafür anderen zu

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Es gibt ein offenes Geheimnis am neuen Hauptstadtflughafen, jenem Millionen verschlingenden Ungetüm in Schönefeld vor den Toren Berlins. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ahnt diese unangenehme Wahrheit, sein Aufsichtsrat diskutiert darüber seit Monaten, auch die Berliner Wirtschaft weiß um die bittere Aussicht – und fürchtet sie nicht mal mehr: Der Start des neuen Hauptstadtflughafens wird womöglich noch einmal verschoben werden müssen.

Denn eine Eröffnung 2017 wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Die Zeitpuffer sind verbraucht, schneller bauen nicht mehr möglich. Das sagt Müller, der auch Aufsichtsratschef ist, nach der gestrigen Sitzung des Kontrollgremiums – um einen Satz anzuschließen, der aufhorchen lässt: „Bei all dem, was wir hinter uns haben mit diesem Projekt, glaube ich wirklich, kommt es nicht darauf an, ob es der Dezember 2017 oder der Januar 2018 ist.“

Noch kämpft Müller zwar um den Start 2017, will am drittgrößten deutschen Flughafen die fünfte Terminabsage seit 2011 verhindern. „Ich streite mich aber zum Schluss nicht um vier Wochen.“ Bei der nächsten Sitzung im Juli, vielleicht auch früher, könnte das Kontrollgremium die Eröffnung verschieben. Weil noch immer nicht alle Umbauten an der überdimensionierten Brandschutzanlage genehmigt sind.

Und weil das Eisenbahnbundesamt laut Müller kurzfristig zusätzliche Simulationen dazu will, wie sich bei einem Brand der Rauch am Übergang zum Bahnhof unterm Terminal verteilen würde, wenn Züge fahren.

Längst diskutiert der politische Betrieb in Berlin mehr darüber, wann der beste Zeitpunkt ist, die Eröffnung des einstigen Prestigeprojekts zu verschieben. Das „ob“ steht weniger infrage. „Die Spatzen pfeifen es von den Dächern“, heißt es bei der in Berlin mitregierenden CDU.

Das hat viel mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus in fünf Monaten zu tun. Berlin urteilt dann auch über die Arbeit des Flughafen-Aufsichtsratschefs im Roten Rathaus – Michael Müller. „Kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“, sagte selbst der bisherige Flughafensprecher kürzlich zum Eröffnungstermin 2017. Und dass ihn dieses Interview den Arbeitsplatz kostete, lag weniger an dieser bitteren Wahrheit als daran, dass der Sprecher darin auch seinen Chef schlecht machte.

Dieser Chef heißt Karsten Mühlenfeld, hat vor gut einem Jahr Hartmut Mehdorn abgelöst und muss seither erleben, wie der mehdornsche Zeitplan für 2017 zerbröselt. Eigentlich sollte das Terminal seit vier Wochen baulich fertig sein – jetzt ist offen, ob das bis zum Sommer gelingt, wie es der aktualisierte Zeitplan vorsieht. „Es gibt in Deutschland auch den Spätsommer“, seufzt Mühlenfeld. Der Flughafenchef hält das Ziel aufrecht, dass Ende 2017 die ersten Flugzeuge am mittlerweile 5,4 Milliarden Euro teuren Airport abheben. Denn er fürchtet Schlendrian bei den Baufirmen. „Ich glaube, es ist wichtig, den Druck im Kessel zu lassen“, sagt auch Müller. Er hat die Firmen vor einigen Monaten sogar ins Rathaus zitiert, um sie auf den Schlussspurt einzuschwören. Genauso will er es jetzt mit den Genehmigungsbehörden machen.

Die Wahl im September stellt Müller vor ein Dilemma: Verschiebt er die Eröffnung erst danach, wird der politische Gegner ihn des Wahlbetrugs schelten. Kippt er den Termin vorher, werden sie ihm im Wahlkampf aufs Brot schmieren, dass er am Flughafen versagt habe – und dabei übersehen, dass Müller vor allem die Suppe auslöffelt, die ihm sein Vorgänger Klaus Wowereit hinterlassen hat.

Chronologie geplatzter Termine

Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg hat eine lange Geschichte. Planungsfehler und Baumängel
führten viermal zur Absage eines Eröffnungstermins. Die Serie
verpasster Termine:

  • Juli 2008: Erster Spatenstich für das Terminal, der 30. Oktober 2011 wird als Eröffnungstermin festgelegt.
  • Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung auf den 3. Juni 2012 verschoben.
  • Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung abgesagt. Wenige Tage später wird der 17.
  • März 2013 als neues Datum genannt.
  • September 2012: Eine Analyse des Technikchefs Horst Amann ergibt zahlreiche Mängel über den Brandschutz hinaus. Der Aufsichtsrat verschiebt die Eröffnung auf 27. Oktober 2013.
  • Januar 2013: Auch der Termin 27. Oktober platzt, Amann führt inzwischen eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln.
  • Januar 2014: Flughafenchef Hartmut Mehdorn sagt, Ziel sei ein Betriebsbeginn 2015.
  • Dezember 2014: Auf Vorschlag Mehdorns beschließt der Aufsichtsrat einen Zeitplan mit Ziel einer Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017. Baulich soll das Milliardenprojekt im März 2016 fertig sein.
  • August 2015: Der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld räumt ein, die Baufertigstellung werde nicht bis März 2016 gelingen. Grund sei die Insolvenz des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland.
  • März/April 2016: Der Flughafen muss umfangreiche Genehmigungsunterlagen nachbessern, möglicherweise auch noch mehr umbauen.. Es ist fraglich, ob 2017 noch zu schaffen ist.
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