Baustelle auf der A10 : Erdrückt von der Blechlawine

Seit Wochen quält sich der Verkehr an der Zufahrt zur A10 auf den Straßen.
Seit Wochen quält sich der Verkehr an der Zufahrt zur A10 auf den Straßen.

Gemeinden am Berliner Ring werden vom Verkehr überrollt. Bürger wollen das Chaos nicht länger hinnehmen.

svz.de von
15. Juni 2016, 05:00 Uhr

Der südliche Berliner Ring wird mit dem Ausbau auf acht Spuren zum Nadelöhr. Seit Wochen verlagert sich der Autobahnverkehr zwischen den Dreiecken Potsdam und Nuthetal auf die Umlandgemeinden. Deren Bürgermeister wollen das Chaos nicht länger hinnehmen.

Im Schritttempo, Stoßstange an Stoßstange, quälen sich die Karossen auf verschlungenen Wegen durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark. Pendler in ihren Autos, Fernfahrer in ihren Lastern verbringen Stunden damit, den gut acht Kilometer langen Abschnitt der A10 zwischen den Dreiecken Nuthetal und Potsdam zu umfahren, weil dort die Deutsche Fernstraßenplanung- und Entwicklungsgesellschaft, kurz Deges, eine 150 Millionen Euro-Investition vorbereitet. Mit der Folge, dass seit Wochen von derzeit drei Fahrspuren nur zwei zur Verfügung stehen.

Seit Beginn der Bauarbeiten „werden wir buchstäblich erdrückt von einer schier endlosen Blechlawine, die das Leben in unseren Städten und Gemeinden über Tage zum Erliegen bringt“, schreiben die Bürgermeister der Gemeinden Nuthetal, Schwielowsee, Seddiner See, Michendorf und Beelitz in einem Klagebrief, der an die Deges, den Landesbetrieb Straßenwesen, die Verkehrsministerien von Bund und Land sowie an die Polizei gerichtet ist. Das Chaos im Zuge des A 10-Ausbaus wollen sie nicht weiter hinnehmen. Kreisverkehre und Kreuzungen seien durch stehende Laster blockiert, weder Busse noch Feuerwehr oder Rettungsdienst hätten die Chance, schnell ans Ziel zu kommen. Ganz zu schweigen von den Anwohnern, die zur Stoßzeit über eine Stunde brauchen, „um zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt zu kommen“.

Zumindest bei der Deges nimmt man die Sorgen ernst. Deren Sprecher Michael Zarth bedauert die Nebenwirkungen der Baustelle und bemüht sich dennoch, Verständnis zu erzeugen. „Wir schaffen es nicht, die Erweiterung des in Brandenburg am stärksten befahrenen Autobahnabschnitts vorzubereiten, ohne den Verkehr einzuschränken“, sagt Zarth gestern. Immerhin 90 000 Fahrzeuge passieren täglich die acht Kilometer lange Strecke, die Bestandteil des Paneuropäischen Korridors zwischen Deutschland und Russland ist und die Autobahnen 2 und 9 sowie die A 115 in Richtung Berlin miteinander verbindet. Nach dem Ausbau auf acht Spuren – die geplante Fertigstellung ist in vier Jahren –, werden spätestens 2025 bis zu 126 000 Fahrzeuge erwartet.

Während der Landesbetrieb Straßenwesen auf den Klagebrief der Kommunen nach Aussagen von Sprecherin Cornelia Mitschka gar nicht reagieren will – Zitat: „Wir bauen ja dort nicht“; sucht die Deges zumindest das Gespräch mit den Betroffenen. „Wir wollen mit ihnen und der Polizei nach einer Lösung suchen“, sagt Zarth. Läuft alles nach Plan, können Anwohner und Autofahrer ab kommenden Montag vorerst aufatmen. Dann wird laut Landesbetrieb Bauphase 2 aktiviert, bei der es bis Dezember außer in kleinen Teilbereichen keine Fahrstreifenreduzierungen mehr geben soll. Die Behörde beruft sich dabei auf die Baufirma, die wiederum ihre eigenen Pläne mit der Aussage „Bauen hat immer mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor zu tun“ relativiert. „Auch das Aufstellen der temporären Lärmschutzwände dauerte länger als gedacht“, sagt Michael Zarth. Den Bürgermeistern schwant Böses, wenn sie an die kommenden Jahre denken. Sie wollen von den Behörden nur eines: mit deren Hilfe den Umleitungsverkehr durch ihre Kommunen auf ein verträgliches Maß reduzieren sowie als Leidtragende stärker als bislang in den Ausbau der A 10 einbezogen werden.

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