Armin Mueller-Stahl : „Er ist ein Multitalent“

Nicht nur Musikerkollegen sondern auch Freunde: Tobias Morgenstern (v.l.), Amin Mueller-Stahl und Günther Fischer. Nicht im Bild aber heute Abend mit auf der Bühne: Tobias Götze.
Nicht nur Musikerkollegen sondern auch Freunde: Tobias Morgenstern (v.l.), Amin Mueller-Stahl und Günther Fischer. Nicht im Bild aber heute Abend mit auf der Bühne: Tobias Götze.

Armin Mueller-Stahl gastiert heute mit seiner Tournee in Wittenberge . Mit dabei ist sein Freund Günther Fischer

svz.de von
22. September 2017, 08:00 Uhr

Armin Mueller-Stahl, einer der wenigen deutschen Schauspieler mit internationaler Karriere, ist heuet um 20 Uhr zu Gast im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus. Der Mime, zudem Maler und Grafik, Autor sowie studierter Musiker ist mit seinem Programm „Es gibt Tage...“ auf Tournee. Im Tonstudio und auf der Bühne begleiten ihn alte Freunde wie der renommierten Jazz-Musiker und Komponist Günther Fischer - dem Publikum sicher am meisten im Ohr durch seine Filmmusiken zu „Solo Sunny“ oder „Das Haus am Fluss“. Mit Günther Fischer sprach Carlo Ihde im Vorfeld über Freundschaft, Akkustik und den Segen von guten Hits.

Wie haben Sie und Armin Mueller-Stahl zueinander gefunden?

Wir haben uns vor über 50 Jahren kennengelernt, Armin war 35, ich 20. Ich stand am Anfang meines Musikstudiums, er war schon ein bekannter und erfolgreicher Schauspieler. Heute weiß man das eher als damals, dass er ein wirkliches Multitalent ist. Er hatte ja eigentlich Musik studiert.

Und sie haben gleich zusammen Musik gemacht?

Das war ein Zufall. Armin war zu Aufnahmen eines Liedes, wo er damals schon Text und Musik selber geschrieben hatte, im Rundfunk und wollte gerne eine Flöte einbauen. Er fragte den Tonmeister, ob jemand in der Nähe Flöte spielen könnte. Im Nachbarstudio stand ich. Ich bekam das Blatt mit den Noten, die Armin aufgeschrieben hatte. Er wurde dann unruhig, weil ich gar nicht auf das Blatt guckte, sondern etwas anderes spielte. Aber Armin sagte dann, das sei besser als das, was er aufgeschrieben hatte.

Also Mueller-Stahl und Fischer konnten sich gut leiden. Wie ging es weiter?

Wir machten dann die ersten Konzerte zusammen, ich schrieb dann bald auch für Manfred Krug, Uschi Brüning. Armin und ich waren aber nicht nur wegen der Musik befreundet, sondern weil wir auch die selben Interessen hatten - als leidenschaftliche Segler. Armin hatte ein Segelboot, wir waren oft auf dem Scharmützelsee. 1969 kauften wir ein Boot an der Ostsee in Stralsund, weil wir immer nach Hiddensee wollten, da war es schwer, ein Quartier zu bekommen.

Wie ist es mit einem Freund zu arbeiten?

Die Freundschaft empfindet man auf der Bühne vielleicht nicht so, da ist man rein professionell. Wir spielen zusammen mit grandiosen Musikern wie dem Bassisten Tom Götze und Tobias Morgenstern, sicher einer der besten Akkordeonisten, die wir in Deutschland überhaupt haben. Wir spielen keine starren Abläufe, weil Armin jeden Abend bestimmte Dinge neu interpretiert. So spielen wir fast jeden Abend eine andere Variante. Es kommt kein Gefühl von Routine und Eingefahrenheit auf.

Von wem stammen die Songs?

Armin hat die meisten Lieder auf der CD geschrieben. Ich habe die Sachen dann arrangiert. Ein kleiner Teil ist auch von mir.

Wie würden Sie den Stil der Musik beschreiben?

Es ist eine Mischung, geht schon in die Chanson-Richtung, mit ein paar Jazz-Elementen. Dazu Rezitationen und reine Musikstücke. Ich glaube, es ist eine schön skurrile Mischung, im Ganzen eine musikalische Choreografie, die schon Sinn macht.

Sie wohnen seit 20 Jahren in Irland, kommen zu den Konzerttouren nach Deutschland. Jetzt nach Wittenberge, in eine Kleinstadt. Macht das einen Unterschied?

Wir sind von Wien bis nach Hamburg unterwegs, es spielt keine Rolle, ob es größere Städte sind, das Publikum ist überall gleich. Es hat einen guten Geschmack, folgt dem gerne. Wir spielen überall gleich gerne.

Waren Sie schon mal in Wittenberge?

Ich glaube mich zu erinnern, 1986 das letzte Mal hier gewesen zu sein. Es bleibt auch Zeit für einen kleinen Wittenberge-Erkundungsspaziergang. Ich bin gespannt, wie es in der Stadt jetzt aussieht. Ich weiß nicht mehr ganz genau, aber ich glaube wir machten eine Rundfahrt. Gab es in der Stadt nicht mal einen Jazzclub? Ich kann mich nicht so recht erinnern, ob wir nicht da auch aufgetreten sind.

Wie stellen Sie sich auf die Akustik im Kultur- und Festspielhaus ein?

Wir sind einen Tag früher da machen am Donnerstagabend schon eine Probe im Haus. Die Technik ist dabei und wir versuchen, das optimal auszusteuern, uns auf den Raum einzustellen. In einem Konzerthaus, wo man regelmäßig ist, braucht man das so sicher nicht. Die Akustik muss man erstmal entdecken, auch wenn heute viele Theater sicher eine zu gute Akustik haben.

Was muss das Wittenberger Publikum mitbringen?

Einfach nur offen sein zu musikalischen und textlich inhaltlichen Dingen, bereit sein, das aufzunehmen.

Herr Fischer, den meisten sind Sie wahrscheinlich durch die Filmmusik zu „Solo Sunny“ im Ohr...

Die Musik gibt es am Freitag auch zu hören. Ich werde Solo Sunny rein musikalisch auf dem Saxofon spielen.

So ein Titel kann Segen und Fluch zugleich sein. Können Sie den noch hören?

Er hängt mir tatsächlich noch nicht zum Hals raus. Bei modernen Schlagern ist es vielleicht so, dass man sie zwei dreimal hört und dann haben sie sich verbraucht. Nicht so, wenn die Substanz stimmt von einer Komposition. Die Melodie ist ja nicht so simpel und einfach. Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase sagten damals: Wir brauchen eine Musik, die den ganzen Film trägt. Ich hatte sechs Varianten geschrieben. Als alles schon fertig war, hab ich am letzten Tag überlegt, wie man es anders machen könnte, schrieb den Song, spielte ihn in einer Probe vor. Und das war es dann.

Also kein Fluch...?

Ich hab’ mich gewundert, dass das so ein Hit wird. Ich spiele „Solo Sunny“ heute meistens ein bisschen anders. Wenn ich die ersten drei Töne ansetze, dann grölt der ganze Saal. Dann nehme ich mir Zeit, arbeite die Melodie etwas freier aus. Ich genieße das. Denn es ist doch schön, wenn man an eine bestimmte Zeit erinnert wird. Ich habe zu der Musik so viele schöne Komplimente gehört und wie beim Schlager können auch heute noch viele Leute den Text mitsingen.

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