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Warum ein Brandenburger Mini-Schafe selber schlachtet : Er hat seine Tiere einfach gern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Warum ein Brandenburger seine Mini-Schafe selber schlachtet Als Rentner auf den eigenen Bauernhof gezogen

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Zu Hause schlachten kann jeder, der weiß, wie’s geht. Doch was für märkisches Rind und Schwein gilt, rettet auch des Schafes Haut: Seit Jahren wird immer weniger hausgeschlachtet. Manche misstrauen der Industrie, andern schmeckt eigenes Fleisch besser. Einer von ihnen ist Andreas Ziert mit seinen Schafen.

Ein Streichelzoo sind sie nicht, die acht weißen, braunen und schwarzen Wollknäuel nehmen sofort Reißaus, wenn man sich ihnen auch nur ein bisschen nähert. „Die sind von Natur aus scheu“, sagt Andreas Ziert. „Das ist immer ein Riesentheater, wenn es wieder an der Zeit zum Scheren oder Klauenschneiden ist.“ Ziert ist so einer vom Land, den ganzen Tag draußen.

Der 63-Jährige kennt seine Herde ganz genau. Seit 13 Jahren hält sich der Hobbyschäfer aus Britz (Barnim) Skudden, eine der ältesten Haustierrassen. Trotz ihres scheuen Wesens sind die artgefährdeten Minischafe sehr pflegeleicht. „Die können draußen bleiben, brauchen selbst bei minus 20 Grad keinen warmen Stall“, sagt Ziert. „Und sind auch nicht anfällig für Krankheiten.“

Es wird gleich klar, wer auf der Weide das Sagen hat: Der Bock mit den langen, gewundenen Hörnern bemerkt jeden, der sich seiner Herde nähert und stellt sich schützend vor sie. „Das ist mein ältester Bock. Den habe ich seit acht Jahren“, erzählt Ziert.

Die Schafe trennt nur ein dünner Drahtzaun von den Feldern und Wäldern nebenan. Ohne Elektrizität. Wölfe fürchtet der Hobbyhirte nicht. „Es soll sie ja geben, da drüben in der Schorfheide“, meint er. „Meine Tiere sind sie aber nie angegangen.“

In Britz, einem 2000-Seelen-Dorf, in dem die Eberswalder Wurst produziert wird, kennt ihn jeder, den Mann mit den Schafen. Andreas Ziert, aufgewachsen im sächsischen Radeberg, kam 1977 zum neu eröffneten Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde. Dort arbeitete er über 25 Jahre als Anlagenmechaniker – bis der Betrieb stark verkleinert wurde und man ihn nicht mehr brauchte. Dann kaufte sich Ziert ein altes Bauernhaus in Britz. Seine Frau war es leid, dass ihr Mann von Mai bis Oktober in die Gartenlaube ausbüxte, während sie in der Neubauwohnung in Eberswalde allein war.

Auf dem Hof kann sich der Landbursche nun ganz seinem Hobby widmen: den Tieren. Platz gibt es genug: zwei Hektar. Minimum für die Schafzucht, meint Ziert.
„Die Schafe halten mich auf Trab“, kommt er ins Erzählen. „Im Winter muss täglich gefüttert werden, um Ostern kommen die ersten Lämmer, Ende Mai werden die Schafe geschoren und die Klauen geschnitten, im November wird geschlachtet“, zählt er auf. „Das macht mir Spaß, da habe ich was zu tun.“

Früher hat sich Ziert vor der Arbeit eine Stunde lang um das Vieh gekümmert. Inzwischen ist er Rentner, hat mehr Zeit für seine Schafe. Melken tut er sie aber nicht. „Dafür müsste ich die Lämmer der Mutter gleich nach der Geburt wegnehmen und zweimal am Tag melken“, schüttelt Ziert den Kopf. „Das sind keine Milchschafe.“ Zum Scheren kommt ein Schäferkumpel vorbei. Die Wolle nutzt Ziert zum Dämmen seiner Scheune. Das sei baubiologisch einwandfrei. „Sonst will die doch keiner haben.“ Einmal habe er einen Sack an einen Filz-Verein verschenkt. Der habe sich aber nie wieder gemeldet.
„Am Anfang wusste ich zwar, wie Schafe aussehen, hatte aber keine Ahnung von der Haltung“, erinnert sich Ziert an seine Pionierzeit als Schäfer, während er einen Eimer Gemüse in die Futterkrippe kippt – und die Schafe gleich angetrabt kommen. „Auf die Schafe bin ich über eine Anzeige in der Zeitung gekommen, als wir uns den Hof gekauft haben.“ Die ersten Tiere holte er aus einem Dorf bei Angermünde, die Böcke danach aus einem „kleinen Nest ein bisschen weiter“, nachdem er sich nächtelang nach der Arbeit mit Rassen befasst hatte und über die richtige Haltung las.
Die schönste Zeit sei es, wenn sie Lämmer kriegen, kommt Ziert ein bisschen ins Schwärmen. Da seien sie ganz zahm und ließen sich auch streicheln. „Dann kommen auch immer die Nachbarn und Bekannte mit ihren Kindern vorbei“, freut sich Ziert. Einmal sei das sogar Weihnachten und Silvester aufeinander passiert, da habe sich seine Frau besonders gefreut – das Ehepaar ist nicht in der Kirche.
„Die Lämmer können ganz natürlich – so wie sich das gehört in der Natur – bei der Mutter bleiben, bis sie geschlachtet werden“, sagt Ziert und verzieht keine Miene. Bis Ende des Jahres werde die Hälfte der achtköpfigen Herde geschlachtet, die vier jungen Böcke „kommen weg“, sagt Ziert, als sei es das Normalste auf der Welt. „Es bleiben drei Muttertiere und der alte Bock“, fügt er hinzu.
Ziert isst Fleisch – und das gerne. Vegetarier werde er nicht mehr, da macht der 63-Jährige auch kein großes Ding draus. In der Kühltruhe hat er Gans, Ente, Schwein, Wildschwein und eben Lamm. Bis auf das selbst gekaufte Schwein und das Wildschwein alles aus Eigenproduktion. „Da weiß man eben, was man hat“, sagt Ziert.

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