Polizei : Enkeltrick: Rate mal, wer dran ist

Gerade ältere Menschen im Land sind Ziel der telefonischen Betrugsmasche Enkeltrick
Gerade ältere Menschen im Land sind Ziel der telefonischen Betrugsmasche Enkeltrick

Enkeltrick und falscher Polizist sind bei Betrügern im Land beliebte Maschen um ohne großen Aufwand viel Geld zu ergaunern

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26. Februar 2020, 05:00 Uhr

Immer wieder fallen in Brandenburg viele ältere Menschen auf den „Enkeltrick“ herein. Von 285 gemeldeten Fällen 2015 stieg die Zahl bis 2018 auf 349, teilte das Polizeipräsidium Brandenburg mit. Für 2019 werden vor Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik keine Zahlen genannt. Jedoch seien es etwa zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

Entwarnung bedeutet das für Kriminalhauptkommissar Christian Schmidt aus dem Präventionsbereich des Präsidiums nicht: „Die Täter können hier mit möglichst wenig Aufwand ein schnelles Geschäft machen. Das spricht sich in den kriminellen Kreisen herum. Das Phänomen Enkeltrick wird uns wahrscheinlich noch sehr lange beschäftigen.“

Beim Enkeltrick rufen Betrüger bei älteren Menschen an und geben sich als Verwandte aus, die dringend Geld benötigen. Dazu gehen die Täter das Telefonbuch durch und suchen gezielt nach älteren Vornamen, erklärt Polizist Schmidt. Haben sie ihr Opfer am Telefon, fragen die Betrüger häufig: „Rate mal, wer dran ist?“, um den Namen eines Verwandten heraus zu bekommen. Nennt der Angerufene einen Namen, verkaufe sich der Anrufer als derjenige und tische eine Lügengeschichte auf, um an Geld zu kommen, weiß Schmidt. „Die Täter sind sehr gut darin, zu manipulieren.“ Nach Angaben des Präsidiums agieren in der Regel mehrere Täter zusammen.

Ähnlich läuft es beim Trick mit dem falschen Polizisten, auf den ältere Menschen im Land nach Polizeiangaben immer häufiger hereinfallen. 2018 zählten die Ermittler des Landeskriminalamtes 157 registrierte Fälle, 2015 waren es gerade einmal 19. Für 2019 sollen ebenfalls noch keine Zahlen bekannt gegeben werden - aber laut Präsidium geht der Trend nach oben. 257 502 Euro erbeuteten Betrüger 2018 durch diese Masche. 2017 waren es über 80 000 Euro.

In einem Fall warf eine Frau aus Velten (Oberhavel) das Geld zwecks „Übergabe“ aus dem Fenster. Ein angeblicher Polizist hatte die Frau angerufen und erklärt, die Polizei wolle ihr Geld sicherstellen, weil Diebe bei ihr einbrechen könnten. Die alte Dame glaubte dem Anrufer und hob mehrere tausend Euro von ihrem Konto ab - um sie dann aus dem Fenster zu werfen. Unbekannte holten das Geld ab. An einen anderen Fall aus dem Vorjahr erinnerte sich Polizeihauptkommissar Mario Heinemann, Leiter der Pressestelle im Präsidium. Betrüger hätten einen älteren Mann dazu gebracht, 350 000 Euro in Gold umzutauschen und es ihnen auszuhändigen.

Warum fallen Menschen auf solche Tricks rein? Christian Schmidt glaubt, dass es vor allem auch an der Wirkung von Autoritätspersonen wie Polizisten und Staatsanwälten liege, die diese auf ältere Menschen ausübten. „Ruft ein Polizist an und ist die Geschichte plausibel, sind die Menschen in einem Film. Und dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen“, sagte Schmidt. Um Enkeltrickbetrügern zu entgehen, rät Schmidt dazu, zumindest den vollen Vornamen aus dem Telefonbuch löschen zu lassen. Daneben sollten Telefonnummern von Verwandten im Telefon gespeichert werden. „Schauen Sie immer auf das Display - welche Nummer ruft an?“ Auch sollten keine Informationen über finanzielle oder familiäre Verhältnisse ausgeplaudert werden. Und beim falschen Polizisten rät Schmidt dazu: „Legen Sie auf und rufen sie die richtige Polizei unter 110 oder die nächste Polizeidienststelle im Umkreis an und vergewissern sie sich, ob der geschilderte Fall zutrifft.“ Ein Anruf bei dem Verwandten, der angeblich am Telefon ist, helfe, Betrügern nicht auf den Leim zu gehen.

Schmidt plädierte für mehr Selbstvertrauen bei Älteren. „Auch die Polizei kann warten.“ Betroffene sollten Anzeige bei der Polizei erstatten. Nur so könnten Fälle verfolgt werden. Die Aufklärungsquote bei den Betrugsmaschen ist sehr niedrig. So konnten von 349 gemeldeten Fällen 2018 lediglich drei Fälle aufgeklärt werden. Bei der Masche mit dem falschen Polizisten konnten von 157 Fällen 36 aufgeklärt werden. Immerhin blieb es in 121 Fällen beim Versuch.

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