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Brandenburg

22. November 2017 | 21:40 Uhr

Eltern zwischen Hoffen und Bangen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Kampf gegen Unterrichtsausfall weiter Verbesserungsbedarf notwendig

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Elternvertreter aus dem Landkreis Barnim wollen mit einer Online-Petition ein Zeichen gegen Unterrichtsausfall setzen. Auch wenn sich die Situation an einigen Schulen im Landkreis zuletzt entspannt hat, sehen sie weiterhin Verbesserungsbedarf.

„Langzeitkranke Lehrer sind zwar zurückgekehrt, und es wurden neue Pädagogen eingestellt. Es fehlen aber immer noch Lehrer – bei uns genauso wie an anderen Schulen“, sagt Lothar Clauder, Leiter der Elternkonferenz an der Eberswalder Goethe-Schule. Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrat, sieht das ähnlich: „Die Leute im Ministerium haben verstanden. Sie gehen beim Thema Ausfall jetzt sofort jedem Einzelfall nach, fordern von uns Mängelberichte.“ Dennoch bleiben die Elternvertreter skeptisch. Deshalb erarbeiten Mütter und Väter im Barnim eine Online-Petition, mit der sie eine Erhöhung der Vertretungsreserve erreichen wollen.

Die Ausfallstatistik ist bundesweit ein heißes Eisen. Vor wenigen Tagen forderte der Deutsche Philologenverband die Länder auf, die Zahlen nicht länger statistisch zu verschleiern. Der Verbandschef geht davon aus, dass rund sieben Prozent der Stunden an den Schulen de facto nicht erteilt werden – dies stehe im Gegensatz zu den offiziellen Zahlen von unter zwei Prozent.

Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam, kann den Vorwurf bezogen auf Brandenburg nicht nachvollziehen. „Wir veröffentlichen unsere Zahlen und sind genau“, sagt er. In einer Tabelle, die er zur Erklärung liefert, ist jener Anteil von Unterrichtsstunden aufgeführt, der pro Schuljahr „zur Vertretung anfällt“ sowie jener Anteil an Stunden, der vertreten wird und schließlich der Prozentsatz an Ausfall. Im vergangenen Schuljahr war demnach der Anteil an Vertretungsstunden im Landesschnitt mit 10,4 Prozent erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 zweistellig. 8,4 Prozent der Stunden wurden vertreten. Wie, das verrät die Statistik nicht. Und 1,9 Prozent der Stunden (in Zahlen: 234 549) fielen komplett aus.

Wolfgang Seelbach hält Brandenburg in Sachen Ausfall für ehrlicher als andere Länder. Aber er geht mit Verweis auf frühere Erhebungen davon aus, dass von den Vertretungsstunden „die Hälfte nicht sinnvoll erteilt wird“. Auch am Zustandekommen der Ausfallzahlen gebe es Zweifel. „In der Vergangenheit haben wir zuweilen andere Daten ermittelt als die Behörden“, sagt er. Da stehe der Verdacht im Raum, dass Direktoren und Schulräte mitunter „keine schlechten Zahlen nach oben melden wollten“.  

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