Europäischer Kongress der Planetenforscher : Eismonde als Horte des Lebens?

Der Saturnmond Enceladus mit Wasserdampf-Fontänen
Der Saturnmond Enceladus mit Wasserdampf-Fontänen

Planetenforscher tagen in Berlin

svz.de von
15. September 2018, 16:00 Uhr

Sind wir allein im Universum? Diese Frage gehört vermutlich zu den größten der Menschheit. Die Antwort darauf suchen Astronomen und Astrobiologen unter anderem an ungewöhnlichen Orten – etwa unter den dicken Eispanzern von Monden der Riesenplaneten Jupiter und Saturn. Dort haben Raumsonden gigantische unterirdische Ozeane ausgemacht, die jeweils mehr Wasser enthalten als alle Meere der Erde zusammen und lebensfreundliche Bedingungen bieten könnten.

Die Erforschung der fremden Ozeane gehört zu den Themen des Europäischen Kongresses der Planetenforscher EPSC (European Planetary Science Congress), der am Sonntag in Berlin beginnt.

Die Jupitermonde Europa, Kallisto und Ganymed besitzen Messungen zufolge unterirdische Ozeane, die geschätzte 100 Kilometer tief sein könnten. Mit der Raumsonde „Juice“ (Jupiter Icy Moons Explorer) will die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) diese verborgenen Meere genauer untersuchen.

„Sollten wir feststellen, dass die Eismonde potenziell bewohnbare Orte sind, öffnet das eine neue Tür für die Untersuchung von Leben im Universum“, betont „Juice“-Projektwissenschaftler Olivier Witasse von der Esa, der den Stand der Mission in Berlin vorstellen will.

Die Raumsonde soll 2022 starten und 2029 im Jupitersystem eintreffen. „,Juice’ hat die Aufgabe, die Existenz der Ozeane zu bestätigen und sie hinsichtlich ihrer Dicke und Tiefe, ihres Ausmaßes und ihrer Zusammensetzung wie beispielsweise des Salzgehalts genauer zu charakterisieren“, berichtet Witasse. Im Zentrum der Untersuchungen steht dabei Ganymed, der größte Mond im gesamten Sonnensystem.

Die Eismonde von Saturn und Jupiter sind vermutlich nicht die einzigen Orte mit unterirdischen Ozeanen in unserem Sonnensystem. „Auch Pluto und sein Mond Charon gelten als gute Kandidaten, ebenso der Neptunmond Triton“, betont Witasse. „Verborgene Ozeane sind möglicherweise häufiger, als wir denken.“

Einer der heißesten Kandidaten für die Suche nach außerirdischem Leben in unserem Sonnensystem ist der Saturnmond Enceladus. Der Mond wird auf seiner Bahn von den Gezeitenkräften des Saturn regelrecht durchgeknetet, dadurch wird der dicke Eispanzer seiner Oberfläche regelmäßig gedehnt und gestaucht. „Das Ausmaß der Dehnung zeigt, dass das Eis auf einer flüssigen Schicht schwimmt“, erläutert Nicolas Altobelli vom Astronomiezentrum (ESAC) der Esa in Madrid, der auch zum Planetenforscher-Kongress nach Berlin kommt.

Während die Hinweise für einen verborgenen Ozean zunächst am Südpol des Saturntrabanten am deutlichsten waren, gehen Forscher inzwischen davon aus, dass sich das unterirdische Meer um den gesamten Mond zieht. 2005 hatte die US-europäische Raumsonde „Cassini“ entdeckt, dass Enceladus Eis- und Dampffontänen ins All speit, die vermutlich von dem unterirdischen Ozean gespeist werden.

„Bei Enceladus sind wir sehr nahe daran gewesen, den Ozean direkt zu untersuchen, weil wir mehrfach durch die Fontänen hindurchgeflogen sind“, berichtet Altobelli, der an der Mission beteiligt war. „Die Analyse zeigte kleine Silikatpartikel in den Eiskörnchen aus dem Mond. Das bedeutet, dass das Wasser bei Temperaturen von 90 bis 100 Grad Celsius in Kontakt mit Felsgestein am Ozeanboden sein muss.“

Der Nachweis von molekularem Wasserstoff (H2) untermauert die These, dass eine Oxidierung des Gesteins am Ozeanboden stattfindet. „Bislang ist Enceladus der einzige Mond im Universum, bei dem wir einen Ozean mit hydrothermaler Aktivität gefunden haben“, unterstreicht der Esa-Wissenschaftler. Der unterirdische Ozean besteht den Untersuchungen zufolge aus Salzwasser mit einem relativ hohen pH-Wert von neun bis zehn. Die Bedingungen klingen relativ ungemütlich, erinnern tatsächlich jedoch an einige der artenreichsten Orte der irdischen Tiefsee: An Hydrothermalquellen und sogenannten Schwarzen Rauchern am Meeresboden wimmelt Leben, das ganz ohne Sonnenlicht auskommt und seine Energie auf chemischem Weg bezieht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Leben dort sogar einst entstanden ist.

Könnte dies auch auf Enceladus geschehen sein? In den Eisfontänen des Saturnmondes sind die Forscher auch auf große Makromoleküle gestoßen, wie Altobelli erläutert. „Das bedeutet noch nicht Leben, aber zumindest findet eine Form organischer Chemie statt.“

Auf organischen, also Kohlenstoff-Verbindungen baut alles bekannte Leben auf.

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