Desolater Zustand : Eisenbahnbrücken alt und marode

Die Eisenbahnbrücken zwischen Neuenhagen und Hoppegarten werden erneuert.
Die Eisenbahnbrücken zwischen Neuenhagen und Hoppegarten werden erneuert.

Anteil der stark sanierungsbedürftigen Bauwerke ist in den vergangenen drei Jahren in Brandenburg gestiegen.

svz.de von
11. Mai 2017, 05:00 Uhr

Brandenburg hat die schlechtesten Eisenbahnbrücken in ganz Deutschland. Jede dritte ist marode, jede zehnte müsste eigentlich abgerissen und neu gebaut werden. Das geht aus der Antwort einer Kleinen Anfrage der Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) an den Bundestag hervor.

Demnach sind 76 der insgesamt 811 Eisenbahnüberführungen im Bundesland dringend sanierungsbedürftig – das entspricht 9,4 Prozent und ist höher als noch vor drei Jahren (8,1 Prozent). „Der Verfall unserer Eisenbahnbrücken verdeutlicht die verfehlte Verkehrspolitik der Bundesregierung“, kommentiert Baerbock die Statistik der DB Netz AG. Tausenden Pendlern würden Streckensperrungen, Umleitungen und Zugausfälle drohen, warnt die Politikerin. Etwa 40 Prozent aller Brücken seien älter als 80 Jahre.

Bund und Deutsche Bahn hatten sich vor zwei Jahren auf ein bundesweites Infrastrukturprogramm geeinigt, durch das bis 2019 in Deutschland mindestens 875 der insgesamt rund 25 000 Brücken voll oder teilweise erneuert werden sollen. Das bereitgestellte Geld in Höhe von 28 Milliarden Euro soll zudem in Gleise und Tunnel fließen. Bislang sind nach Angaben der Bahn in Brandenburg in den vergangenen drei Jahren 22 Eisenbahnbrücken saniert, erneuert oder gebaut worden, im laufenden Jahr sollen zwölf Brücken in Betrieb genommen werden. Der Bahn zufolge werde das Ziel, bis 2019 knapp 900 Brücken in Deutschland zu sanieren, erreicht. „Allerdings hängt die Realisierung unserer Planung auch von externen Faktoren ab, die wir nicht vollständig beeinflussen können“, sagt ein Bahnsprecher und zählt lange Planungs- und Genehmigungszeiten sowie die Verfügbarkeit von Personal als Beispiele auf.

Die Bahn hat den Bestand ihrer Brücken in vier Kategorien unterteilt, bei den Stufen 3 und 4 handelt es sich um Bauwerke mit zum Teil erheblichen Schäden, die die Sicherheit jedoch nicht beeinträchtigen würden. Allerdings sei eine wirtschaftliche Instandsetzung in diesen Fällen fraglich. In Brandenburg gehören 274 Brücken diesen beiden Kategorien an. „Der miserable Zustand ist nicht nur ein Riesenproblem für Brandenburgs Zehntausende Pendler, sondern gefährdet auch den Tourismus in der Mark“, sagt Annalena Baerbock und schiebt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Schuld für die marode Schieneninfrastruktur zu.  


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