Leidenschaft : Einmal Bahn – immer Bahn

Ein Herz für Züge: Vater Andreas Steckel (Mitte) mit seinen Söhnen Clemens (l.) und Lukas – hier am Bahnhof Frankfurt (Oder) – planen ihre Karriere mit dem DB-Konzern.
Foto:
1 von 2
Ein Herz für Züge: Vater Andreas Steckel (Mitte) mit seinen Söhnen Clemens (l.) und Lukas – hier am Bahnhof Frankfurt (Oder) – planen ihre Karriere mit dem DB-Konzern.

Die Frankfurter Familie Steckel ist seit Generationen beruflich entlang der Schiene unterwegs

svz.de von
03. September 2015, 11:26 Uhr

In Brandenburg und Berlin haben am Dienstag 290 Schulabgänger eine Berufsausbildung oder ein Duales Studium bei der Deutschen Bahn begonnen. Andreas Steckel und seine Söhne Lukas und Clemens stehen bereits in Diensten der Bahn – und das seit Generationen.

Einen echten Berufswunsch hatte Lukas (18), eine einzige Bewerbung hat er nach der Schule abgeschickt und darin auch die Eisenbahnertradition in der Familiengeschichte erwähnt – nun ist er im dritten Lehrjahr und tritt quasi in die Fußstapfen seines Vaters Andreas und des Opas Fritz. Seit Generationen schlägt das Herz der Familie Steckel für die Bahn. „In Spitzenzeiten gab es sieben Steckels gleichzeitig bei der Bahn“, sagt Vater Andreas (47), der eigentlich von einer Karriere als Lokführer geträumt hatte und jetzt als Elektriker die Oberleitung zwischen Berlin-Köpenick und Guben in Schuss hält.

„Der Name Steckel ist bekannt bei der Bahn“, ergänzt der 18-jährige Lukas. Weitgehend geregelte Arbeitszeiten, Übernahmegarantie nach bestandener Ausbildung und ein gutes Auskommen – mit diesen Vorteilen und einer Modelleisenbahn in der eigenen Wohnung überzeugte Vater Steckel auch seine Söhne davon, ihre Zukunft mit der Bahn zu planen. Lukas ist jetzt im dritten Lehrjahr, sein zwei Jahre älterer Bruder Clemens ist ihm nach seinem Abitur am Frankfurter Oberstufenzentrum gefolgt. Ziehen beide bis zum Ende durch, sind sie Experten für Leit- und Sicherungstechnik. Sie pendeln zwischen ihrem Wohnort Frankfurt, der Lehrwerkstatt Cottbus und der Berufsschule in Forst (Spree-Neiße).

Elektroniker für Betriebstechnik und Mechatroniker sind in Brandenburg besonders nachgefragt. Zu den klassischen Ausbildungsberufen zählen laut Bahn darüber hinaus Triebfahrzeugführer, Fahrdienstleiter und Gleisbauer.

Die jüngsten Steckels gehören nun mit zur großen Familie. In Brandenburg beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben rund 7200 Mitarbeiter, in Berlin mehr als das Doppelte und ist damit einer der größten Arbeitgeber. An der Berufsschule werden Lukas und Clemens nicht selten von Mitschülern beneidet: Jährlich 16 Freifahrten im deutschen Schienennetz, 28 Tage Urlaub, auskömmliches Lehrgeld und Bindung an Tarifverträge – die Brüder kommen aus der Schwärmerei kaum he-raus.

Genauso wichtig für die Nachwuchs-Steckels: Werden sie übernommen, bleiben sie in der Region – bei einem Streckennetz von 2387 Kilometern und 308 Stationen kein Wunder.

Die Sympathie für die Bahn ist beiden quasi in die Wiege gelegt worden. „Wenn Vati nachmittags von der Arbeit kam, hat er uns erzählt, was er den ganzen Tag getan hat“, erinnert sich Lukas. „Und er hat uns mitgenommen, damit wir mit eigenen Augen sehen, was genau sein Job ist.“

Den Erzählungen und Stippvisiten an Papas Arbeitsplatz und in der Lehrwerkstatt folgten Schülerpraktika, bei denen beide schon mal Tuchfühlung zu künftigen Arbeitskollegen aufnehmen konnten. „Wir kannten die Kollegen unseres Vaters, und die kannten natürlich auch uns, als wir unsere Ausbildung begonnen haben“, sagt er.

Bundesweit haben am Dienstag etwa 3700 Schulabgänger eine Berufsausbildung oder ein Duales Studium begonnen. „Als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland benötigen wir Fachkräfte in vielen sehr spezifischen Berufen wie zum Beispiel Gleisbauer oder Fahrdienstleiter“, sagte DB-Chef Rüdiger Grube in Köln. Grube ist auch Lukas Steckel schon begegnet, als er seine Ausbildung im Konzern begonnen hat. Im Berliner Cubix-Filmpalast am Alexanderplatz hatte Grube damals die neuen Auszubildenden der Region begrüßt und bei Lukas nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Bestehen Lukas im Februar 2017 und sein Bruder Clemens ein Jahr darauf die Abschlussprüfungen, sind bei der Bahn wieder vier Steckels an der Eisenbahnstrecke anzutreffen: Vater Andreas arbeitet seit Jahren mit seinem Cousin zusammen, während Opa Fritz sich mit fast 80 Jahren inzwischen zur Ruhe gesetzt hat.  

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen