Festprogramm : „EinheitsExpo“ statt großem Fest

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In Potsdam wurde das Programm für das 30jährige Einheitsjubiläum vorgestellt

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22. August 2020, 05:00 Uhr

Mit 500 000 Menschen hatte man gerechnet. Mit Länderpräsentationen und Jahrmärkten in der Potsdamer Innenstadt. Ein richtig großes Bürgerfest sollte zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert werden. Doch dann kam Corona. „Das große Fest wird es nicht geben“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Am Freitag stellte er in der Potsdamer Staatskanzlei zusammen mit dem Leiter des Landesmarketings, Thomas Braune, und dem Potsdamer Dezernenten für Zentrale Verwaltung, Dieter Jetschmanegg, das verbliebene Programm für die Feierlichkeiten vor.

Geplant ist nun eine 30-tägige „EinheitsExpo“, die von 5. September bis 4. Oktober in der Potsdamer Innenstadt stattfinden soll. An insgesamt 30 Orten werden sich die Bundesländer und die Verfassungsorgane des Bundes, vom Bundespräsidenten bis zum Bundesverfassungsgericht, in der Innenstadt präsentieren. Dazu wird es Ländertage geben, an denen die einzelnen Bundesländer gesonderte Programme anbieten werden.

Der Unterschied zu Messen wie der „Grünen Woche“ oder dem Brandenburg-Tag: Es wird keine Imbissbuden geben. Und die Stände selbst sind aus Corona-Gründen nur von außen zu begehen. Und ob an den Ländertagen gesonderte Aktionen möglich sind, werde von der aktuellen Corona-Lage abhängig sein, sagte Braune.

„Wir wollen in würdiger und kreativer Art und Weise den 30. Jahrestag des Tages der Deutschen Einheit feiern“, betonte Woidke. „Aber wir sind durch Corona gezwungen, es völlig anders zu machen.“ Braune ergänzte: „Wir sind in der Schwierigkeit, um Besucher buhlen zu wollen und es eigentlich nicht richtig zu können in Zeiten von Corona.“ Es sei daher auch nicht entscheidend, ob 100 000 oder 200 000 Besucher nach Potsdam kommen. „Entscheidend ist, dass wir mit dem Vorhaben, uns nicht kleinkriegen zu lassen, eine gute Beleumundung bekommen.“

Das Land Brandenburg selbst wird sich mit einem digitalen See auf dem „Alten Markt“ am Landtag präsentieren. Unter dem Motto „Auf zu neuen Ufern“ sollen künstliche Stege aufgebaut werden, die die einzelnen Ausstellungsflächen verbinden.

In einem Hausboot sollen Gegenstände gezeigt werden, die die jüngere Geschichte des Landes repräsentieren: Dazu gehören der Champions-League-Pokal von Turbine Potsdam, Bücher von Brandenburger Autoren, Angelutensilien und ein paar Boxhandschuhe. Sie stammen allerdings von Henry Maske, und nicht etwa von Andreas Kalbitz, wie ein Blick die jüngste Geschichte vermuten lassen könnte.

Auch das von Rolls Royce entwickelte modernste Elektroflugzeug der Welt und eine Ausstellung zu den aus den märkischen Polikliniken hervorgegangenen Medizinischen Versorgungszentren soll es am Brandenburg-Stand geben.

Die Stadt Potsdam wiederum präsentiert sich mit einem eigenen Stand am Filmmuseum. Unter dem Motto „Einzigartig. Liebenswert.“ wolle man die Markenkerne der Landeshauptstadt in den Vordergrund stellen, sagte Jetschmanegg. Dazu zählten etwa die Filmbranche, das neue Potsdamer Toleranzedikt und das Unesco-Welterbe in der Landeshauptstadt.

Zudem soll es eine Ausstellung geben, bei der unter dem Motto „30 Jahre, 30 Paare“ Potsdamer über ihre Geschichte nach 1990 berichten. Authentische Orte der jüngeren Deutschen Geschichte wie etwa die Glienicker Brücke, werden dagegen nicht in die „EinheitsExpo“ einbezogen. „Wir machen nicht 30 Jahre Wende. Wir machen 30 Jahre Einheit“, sagte Braune auf Nachfrage. „Wir haben Wert darauf gelegt, die Entwicklung in diesem Zeitraum und die Zukunft zu zeigen.“

Und der 3. Oktober selbst? Wie bei ähnlichen Feierlichkeiten in den Jahren zuvor in anderen Landeshauptstädten wird der Tag der Deutschen Einheit in Potsdam mit einem vom ZDF übertragenen ökumenischen Gottesdienst eröffnet, den der katholische Erzbischof Heiner Koch zusammen mit dem evangelischen Landesbischof Christian Stäblein gestalten wird. Und auch einen Festakt wird es geben: Er wird in der Babelsberger Metropolis-Halle stattfinden, von der ARD übertragen und nur für wenige geladene Gäste zugänglich sein. Denn auch bei den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit gilt in diesem Jahr die Grundregel der Corona-Pandemie: Wenig ist manchmal besser als zu viel.

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