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Polizei rüstet auf gegen Terror : Einer Kalaschnikow Paroli bieten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Neue Waffen, neue Westen, neue Helme – Polizei rüstet sich im ganzen Land für mögliche terroristische Angriffe

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Als Reaktion auf Terroranschläge wie in Paris 2015 hat Brandenburg beschlossen, seine Polizei neu aufzustellen. Die Ausrüstung mit Spezialtechnik ist in vollem Gange, neue Maschinenpistolen inklusive. „Wenn wir morgen eine Terror-Lage in Cottbus haben, kann im Flächenland Brandenburg nicht sofort das Spezialeinsatzkommando da sein.“ So begründete Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke im Sommer jene Maßnahmen, die in bislang sieben Inspektionen so umgesetzt sind, dass bei Terror-Alarm, einem Amoklauf und ähnlichen Akten schwerer Kriminalität rund um die Uhr Erstinterventionskräfte ausrücken können.

Dabei handelt es sich um normale Streifenpolizisten in einem VW-Transporter T6 mit Spezialtechnik und Zusatzausbildung. Wie das konkret aussieht, konnte diese Zeitung in Potsdam begutachten, wo die Teams seit Anfang Oktober einsatzbereit sind. „Bis jetzt hatten wir zum Glück noch keinen entsprechenden Einsatz“, sagt Sebastian Gerber*, 24-jähriger Polizeikommissar. „Aber wenn es dazu kommen sollte, fühle ich mich gut vorbereitet und sicher.“

Waffe, Weste und Helm sind die wichtigsten, aber nicht die einzigen Neuerungen. So wurden bislang 850 Brandenburger Polizisten an der neuen MP7 von Heckler & Koch ausgebildet, berichtet Thomas Ballerstaedt, Arbeitsgruppenleiter Erstinterventionskräfte der Polizei.

Sebastian Gerber ist voll des Lobes über die MP7. „Sie ist einfach zu bedienen und arbeitet sehr präzise. Das ist bei einem stressigen Einsatz wichtig“, sagt er. Im Vergleich zur Vorgängerin MP5 hat die neue Maschinenpistole ein optisches Visier, das das Zielen auch unter schwierigen Bedingungen einfacher macht. Die Zeiten von Kimme und Korn sind also vorbei. Beide Augen können beim Zielen offen bleiben. Beim Blick durch den Sucher markiert ein roter Punkt im Visier das Ziel.

Verzichtet hat man auf ein Laservisier, das direkt auf das Ziel einen roten Punkt wirft. „Wenn zwei Beamte im Einsatz sind, würde da Verwechslungsgefahr drohen“, erklärt Ballerstaedt. „Welcher Punkt ist nun meiner?“

Für die MP7 spricht außerdem ihre Reichweite von 150 statt bisher 50 Metern. Was die Durchschlagskraft der 4,6-Millimeter-Vollmantel-Geschosse angeht, sollen die Beamten damit bis zum Eintreffen des SEK einer von Terroristen bevorzugten Kalaschnikow Paroli bieten und auch leichtere Schutzwesten durchschlagen können.

Die neuen Westen der Einsatzkräfte sind massiver und größer als die bisherigen, reichen vom Hals bis zu den Oberschenkeln, um die jeweiligen Hauptschlagadern zu schützen. Schlüpft man als Laie in diese elf Kilo schwere Rüstung, spürt man durchaus ihr immenses Gewicht, fühlt sich aber tatsächlich gut gepanzert und doch weiterhin sehr beweglich.

Gleiches gilt für den fast zwei Kilogramm schweren Splitterschutzhelm aus Titan. Mit dessen Anschaffung ist Thomas Ballerstaedt auch deshalb so zufrieden, weil sich sein Vorgängermodell jüngst im Ernstfall bewährte: „Bei der Schießerei in einer Disco in Konstanz Ende Juli hat der Helm einen Beamten erfolgreich gegen einen Volltreffer am Kopf geschützt.“

Noch wartet Brandenburg jedoch auf die neuen Helme. Wegen der bei Sicherheitsorganen europaweit großen Nachfrage gibt es Lieferengpässe. „Wir rechnen aber jeden Tag damit, dass die Bestellung bei uns eintrifft“, betont Thomas Ballerstaedt.

Ganz komplett ist die Ausrüstung damit noch nicht. Ein Augenschutz für die Helme wird noch angeschafft und ein Paket für den medizinischen Notfall. Es wird verteilt, wenn die Erstinterventionskräfte in den nächsten Monaten die besondere Ersthelfer-Ausbildung absolviert haben. Auch Schulungen für taktischen Häuserkampf stehen auf dem Programm. 1000 Polizisten sollen die drei Ausbildungsmodule absolvieren, also Schulung an der neuen Waffe, Einsatztaktik und medizinische Ersthelferausbildung.

Polizeipräsident Mörke erklärte bereits im Sommer, dass die Neuausrichtung einen riesigen Aufwand für unsere Behörde und für die Fachhochschule der Polizei in Oranienburg bedeute. An der Notwendigkeit ließ er keinen Zweifel: „Ich habe die Menschen in diesem Land zu schützen. Die Polizei nimmt ihre Verantwortung wahr.“

 
*(Name geändert. Weil sie bei besonders sensiblen Einsätzen dabei sind, wollen die Beamten anonym bleiben.)

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