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Maskenmann-Prozess : Eine unliebsame Expertise

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Maskenmann-Prozess gibt es neue Enthüllungen / Jetzt geht es auch um einen Staatssekretär

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Mathias Sch. macht eine kurze Pause. Seine Füße wippen aufgeregt unter der Zeugenbank. Der 52-jährige Kriminalbeamte denkt über seine nächsten Antworten nach. „Das sind Interna, über die ich nicht sprechen darf“, sagt er dem Rechtsanwalt Axel Weimann. Doch der Jurist bohrt nach und holt sich Beistand beim Vorsitzenden Richter Matthias Fuchs.

Plötzlich gibt es da diesen einen Moment. Es ist, als ob sich eine Schleuse öffnet. Alle Furcht über berufliche Konsequenzen scheint vergessen. Mathias Sch. redet sich allen Ärger der vergangenen Jahre von der Seele. Mit brisanten Einzelheiten, die auch den früheren Polizeipräsidenten und heutigen Staatssekretär Arne Feuring betreffen. Es geht um eine Einschätzung der Kriminalpsychologin Dr. Bettina Götze. Im Auftrag der Polizei sollte die Expertin die Aussagen des Berliner Unternehmers Stefan T. auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen. Mit einem eindeutigen Ergebnis: „Dieser Mann lügt.“ Doch anstatt die Einschätzung von Bettina Götze zum Anlass für neue Ermittlungen zu nehmen, verschwindet die Expertise im Tresor des Chefs der Mordkommission. Mitauslöser dafür dürfte die Haltung des früheren Polizeipräsidenten Arne Feuring in dem Verfahren sein. „Er hat gesagt, dass sie nicht den Erfordernissen entspricht“, erinnert sich Zeuge Mathias Sch. über eine Beratung von Führungskräften der Polizei. Die Linie ist damit vorgegeben.

Und so erklärt sich auch, warum der Leiter der Sonderkommission „Imker“, Siegbert K., keine brisanten Fragen an das vermeintliche Entführungsopfer zulassen will. Dabei gibt es bereits einen Tag nach der angeblichen Selbstbefreiung des Berliner Unternehmers Zweifel in den Reihen der Polizei. Mit an erster Stelle steht Mathias Sch. Er wendet sich an den Leiter der Sonderkommission – und erhält nach eigenen Angaben eine Abfuhr. „In Richtung Vortäuschung wird nicht ermittelt“, lautet die eindeutige Order, die Mathias Sch. von Siegbert K. erhält. Doch er lässt nicht locker. Spricht mit Gerichtsmedizinern und Kollegen, die auch große Zweifel haben. Als letzte Konsequenz wendet er sich an die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Die Kritik wird im Laufe der Ermittlungen immer leiser, als die ersten kritischen Beamten von ihren Posten abberufen werden. Auch Mathias Sch. ist betroffen. Laut einem Hinweis eines Kollegen soll er nach Cottbus abgeschoben werden. Doch der frühere Kampftaucher, der als Polizist auch in Afghanistan im Einsatz war, wehrt sich mit Hilfe des Personalrates gegen eine Versetzung.

Zu den kritischen Beamten zählt auch Kerstin B. Die langjährige Mitarbeiterin der Mordkommission kommt in Uniform in den Gerichtssaal. Nach ihrer ersten Aussage vor dem Landgericht arbeitet sie inzwischen im Streifendienst in Fürstenwalde (Oder-Spree). Der Leiter der Sonderkommission sei über ihren ersten Auftritt vor Gericht nicht sehr begeistert gewesen. „Aber woher wusste Siegbert K., was Sie hier im Gerichtssaal gesagt haben?“, will Rechtsanwalt Weimann wissen. Der Oberkörper von Kerstin B. dreht sich leicht in Richtung Zuschauerbank. Dort sitzt ein Beobachter der Polizeidirektion Ost. Nach Kenntnissen dieser Zeitung berichtet der Mann seinen Vorgesetzten umfangreich über den Prozess. So dürfte auch der Chef der Mordkommission noch vor seiner Zeugenaussage alle wichtigen Details erfahren haben. Was ihn nicht daran hindert zu behaupten, dass in seinem Büro kein Tresor steht. Folglich auch die Expertise der Kriminalpsychologin nicht dort gelandet sein kann. „Es gibt einen Tresor“, sagt hingegen Kerstin B., die den Panzerschrank genau beschreiben kann. Die Zeugin ist es auch, die am Freitag eine weitere wichtige Aussage macht. Über ein Gespräch mit einer Kollegin sagt sie, dass die Frau einen Bericht nicht unterzeichnen wollte, weil entlastende Angaben über den Angeklagten auf Anweisung von Siegbert K. entfernt werden sollten.

 

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