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Brandenburg

20. August 2017 | 05:59 Uhr

Eine Sternwarte im Schuppen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Amateur-Astronom hat in der Märkischen Schweiz mehrere Spiegelteleskope gen Himmel gerichtet

Einen schöneren Rückzugsort gibt es kaum für Astronomen. Mitten im Naturpark Märkische Schweiz, am Ende einer buckligen Straße, umrahmt von Streuobstwiesen, steht neben einem holzverkleideten Haus ein besonderer Schuppen. Wenn der Nachthimmel klar ist, rollt Peter Eichelkraut in Liebenhof (Märkisch-Oderland) das Dach seiner selbst gebauten Sternwarte beiseite und schaut stundenlang durch das Teleskop.

Schon 1988 ist der Berliner in diesen pittoresken Flecken Brandenburgs gezogen. Sterne, Planeten, Meteore und Meteoriten haben ihn schon als Jugendlichen gefesselt. Doch erst vor zehn Jahren erfüllte sich sein Traum: Er baute sich eine eigene Sternwarte. „Hier sind die Bedingungen einfach ideal“, sagt er. „Es herrscht absolute Dunkelheit.“

Eichelkraut dreht das wuchtige Instrument, das maximal eine 300-fache Vergrößerung erzielt, in Richtung Sonne. Es besteht aus einem Refraktor, einem Linsenfernrohr, auf dem ein hochwertiges Spiegelteleskop japanischer Bauart montiert wurde. Insgesamt hat die gesamte Konstruktion so viel gekostet wie ein Oberklassewagen – für den Bau der Sternwarte gab es immerhin EU-Fördermittel. Fachliche Unterstützung erhielt er vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das Forschungszentrum, das hierzulande allein 32 Institute betreibt, hat den Hof des Astronomen darüber hinaus zu einem Beobachtungsstandort auserkoren. Techniker stellten eine kleine wissenschaftliche Sternwarte mit weißer Kuppel auf das Grundstück. Seit Jahren wartet der 59-Jährige das Teleskop sowie angeschlossene Computer, am Telefon erhält er dazu konkrete Anweisungen. „Zumeist von Informatikern, die hier verschiedene Geräte testen“, erläutert der studierte Bauingenieur, der als Ranger in der Naturwacht arbeitet. Ein griechischer Forscher kommt sogar regelmäßig für Untersuchungen vorbei.

Selbst Geophysiker hatten schon einen Seismographen in seinem Keller installiert, da das abgelegene Dorf kaum Erschütterungen ausgesetzt ist. Das Gerät war Teil einer Linie von Messpunkten, die sich bis zum Ural hinzieht. „Die Forscher wollten Rückschlüsse über den Aufbau der Erdkruste gewinnen“, berichtet Eichelkraut. „Selbst das Erdbeben in Japan wurde hier nachgewiesen.“

Ebenfalls für das DLR arbeitet er ehrenamtlich im „Feuerkugelnetzwerk“ mit, bei dem digitale Kamerasysteme zur Beobachtung von sehr hellen Meteoriten, die bereits in die Erdatmosphäre eingedrungen sind, eingesetzt werden. „Dadurch lassen sich die Bahnen sowie der ungefähre Einschlagsort berechnen“, sagt Eichelkraut. Diese Himmelskörper seien nach wie vor von hohem wissenschaftlichen Interesse.

Dementsprechend freut er sich auf den August, wenn die Perseiden-Saison startet und besonders viele Sternschnuppen durch den Nachthimmel zischen. Und wenn der Sommer vergeht, kommen auch wieder mehr Besucher nach Liebenhof, um sich vom Experten das Sonnensystem erklären zu lassen und einen kurzen Einblick in andere Galaxien zu erhalten – zumeist Familien, Großeltern mit ihren Enkeln sowie Schulklassen. Eine Ferienwohnung steht bereit. Für die Gäste sei es aufregend, einmal die Ringe des Saturns zu sehen oder auch tiefe Furchen auf dem Mond, berichtet er. Manche seien indes enttäuscht, wenn die Himmelskörper nicht so aussehen wie auf Hochglanzfotos.

Das weiteste Objekt, das Eichelkraut jemals wahrnehmenen konnte, war ein Quasar, 2,7 Milliarden Lichtjahre entfernt. „Für mich ist das ein beeindruckendes Ereignis“, schwärmt er. „Da sind Photonen mehr als eine Ewigkeit unterwegs und treffen dann auf mein Auge.“ Sternengucken sei auch Meditation. „In diesen Momenten kann ich schlechte Nachrichten einfach abstreifen. Die Sterne und Planeten leuchten mich an, als sei nichts gewesen.“ Trotz der immerwährenden Faszination ist die Zeit begrenzt: „Ich kann mir nicht jede Nacht um die Ohren schlagen.“

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erstellt am 31.Jul.2016 | 15:02 Uhr

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