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Nach Todesfall : „Eine falsche Bewegung genügt“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach einer tödlichen Wildschwein-Attacke vor wenigen Tagen am südöstlichen Berliner Stadtrand warnen Experten auch in Brandenburg vor Gefahren. Zwar seien die Tiere grundsätzlich konfliktscheu, geraten sie aber in Panik, könnten sie Menschen attackieren.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 23:52 Uhr

Nach einer tödlichen Wildschwein-Attacke vor wenigen Tagen am südöstlichen Berliner Stadtrand warnen Experten auch in Brandenburg vor Gefahren. Zwar seien die Tiere grundsätzlich konfliktscheu, geraten sie aber in Panik, könnten sie Menschen attackieren.

Es geschah am Freitag in Berlin-Rauchfangswerder, direkt an der Grenze zu Brandenburg. Ein Wildschwein überraschte offenbar ein Rentner-Ehepaar auf dessen Grundstück. Was sich danach genau abspielte, ist laut Polizei unklar. Ein 81 Jahre alter Mann starb jedoch, seine Frau musste mit Verletzungen ins Krankenhaus. Ob die beiden gebissen wurden, konnte die Polizei gestern weder bestätigen noch dementieren. Die Behörden vermuten eine Herzattacke als Todesursache. Man gehe von einem tragischen Unfall aus, deshalb gebe es keine Ermittlungen, so eine Sprecherin.

Statistiken über Angriffe von Wildschweinen auf Menschen führt weder die Polizei noch der Deutsche Jagdschutzverband (DJV). „Klar ist aber, dass es immer häufiger Meldungen über schmerzhafte Begegnungen von Wildschwein und Mensch gibt“, sagt DJV-Sprecher Torsten Reinwald. Im vergangenen November biss in Franken eine Sau einen Jogger in den Oberschenkel.

Aus Brandenburg sind in jüngster Zeit keine vergleichbaren Angriffe bekannt. Aber gerade jene Konstellation wie nun in Rauchfangswerder drohe auch in der Mark, warnt Lutz Dolling, langjähriger Vorsitzender des Jagdverbands Fürstenwalde. Denn Tiere auf Nahrungssuche würden Gärten heimsuchen. „Kommt es dann zu einem überraschenden Zusammentreffen mit dem Hausbesitzer, ist der Mensch in Gefahr“, sagt er. „Das Tier fühlt sich in seiner Wohlfühlzone gestört, will flüchten, findet aber womöglich den Ausgang nicht und rennt in seiner Not auf den Menschen zu.“ Dolling warnt davor, die Tiere vom Grundstück verscheuchen zu wollen. Langsam zurück ins Haus und den Jagdpächter rufen, rät er.

Auch im Wald würden die Konflikte zwischen Mensch und Tier zunehmen, berichtet der Jäger. Die Gründe sieht er in einem veränderten Freizeitverhalten, Radlern, die querfeldein unterwegs sind oder sogenannten Geocachern auf GPS-gestützter Schnitzeljagd mitten durch die Reviere des Wilds. „Wer die Tiere in ihrem Wohnzimmer stört, darf sich nicht wundern, wenn er Ärger bekommt“, sagt auch DJV-Sprecher Reinwald. „Da genügt eine falsche Bewegung und die Wildschweine glauben, sich und ihren Nachwuchs verteidigen zu müssen.“ Das größte Problem ist in seinen Augen das Füttern von Wildtieren. „Da werden am Berliner Rand auf Parkplätzen 50-Kilo-Säcke Mais abgeladen“, ärgert er sich.

Folge des Fütterns sei auch, dass die sogenannte Fluchtdistanz sinke. „Eigentlich nähern sich Wildschweine den Menschen auf höchstens 200 Meter, es bleibt also für beide genug Zeit auszuweichen.“ Die angefütterten Tiere jedoch hätten eine Fluchtdistanz von weniger als zehn Metern. „Da kann leicht jemand die Nerven verlieren.“

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