Mehr Professoren : Eine der 500 besten Unis der Welt

Uni-Präsident Oliver Günther (r.) überreicht Absolventen bei einer Abschlussfeier ihre Zertifikate.
Uni-Präsident Oliver Günther (r.) überreicht Absolventen bei einer Abschlussfeier ihre Zertifikate.

Zahlreiche neue Professuren schon besetzt / Studium von Gesundheitsberufen wird mit Partnern im Land ausgebaut

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04. September 2019, 05:00 Uhr

An der Universität Potsdam ist fast die Hälfte der rund 50 000 Studierenden im Land eingeschrieben.  Der Wirtschaftsinformatiker Oliver Günther leitet die Uni seit 2012. Mit ihm sprach Dietrich Schröder.

Vor einem Jahr kündigten Sie 51 neue Professuren an Ihrer Uni an. Wie geht es da voran?

Oliver Günther: Die zwölf neuen Professuren, die uns Hasso Plattner für die Digital Engineering Fakultät spendiert hat, sind zum Großteil schon besetzt, und zwar mit sehr guten Wissenschaftlern. Da hat sich gezeigt, dass Potsdam auch im Vergleich mit zum Beispiel Zürich oder München  als Standort sehr attraktiv ist. Auch bei den Ausschreibungen für die gesundheitswissenschaftliche Fakultät, die wir gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg in Senftenberg und der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg aufbauen, sind wir sehr zuversichtlich. Von den derzeit geplanten 16 Professuren sollen sieben in Potsdam angesiedelt sein.

Wie viele der 20 neuen Professuren im Lehramt sind besetzt? Diese sollen vom Land finanziert werden, damit mehr Lehrer ausgebildet werden können.

Dort sind die Herausforderungen besonders groß, weil die meisten dieser Professuren voraussetzen, dass die Bewerber sowohl Forschungsstärke als auch dreijährige praktische Erfahrungen im Klassenraum nachweisen können. Diese Doppelqualifizierung zu finden, ist schwierig. Einige Professuren haben wir gleichwohl bereits besetzen können, und die 800 Studienanfänger im Lehramt, die im Herbst bei uns anfangen werden (gegenüber früher 650), können wir damit schon gut versorgen. In den nächsten fünf Jahren wollen wir aber insgesamt 1750 Studienplätze mehr als bisher für das Lehramt haben.

Im Wahlkampf kam von verschiedenen Parteien die Forderung, eine zweite Studienmöglichkeit für Lehrer im Land zu schaffen. Was halten Sie davon?

Wir sind sehr stolz auf unsere  Tradition als Hochschule, an der nicht nur Lehrer ausgebildet werden, sondern auch zur Pädagogik geforscht wird. Da sind wir auch international herausragend. Das wäre sicher an einem neuen Standort nicht so schnell möglich. Ich halte es auch mit Blick auf die derzeitige Professorenknappheit deshalb für sachgerecht, dass die Lehrerausbildung bei uns konzentriert bleibt.

Eine Überlegung aus dem Strukturprogramm für die Lausitz besteht in der Schaffung einer Medizinischen Fakultät an der BTU in Cottbus. Würde sich das mit denPlanungen für die gesundheitswissenschaftliche Fakultät beißen?

Die drei Partner der gesundheitswissenschaftlichen Fakultät sind sich mit der Politik einig, dass wir eine Ärzteausbildung in der Lausitz wollen. Egal, wie viel Fördergeld vom Bund kommt, ist es jedoch wichtig, an die vorhandenen Stärken anzuknüpfen und nicht ein völlig neues Gebilde in die Welt zu setzen, das sicher auch Probleme haben würde, hochkarätige Wissenschaftler anzuziehen.  Außerdem wäre der Haushalt einer kompletten medizinischen Fakultät fast so groß wie der bisherige Gesamthaushalt der BTU. Deshalb haben wir ja auch angeboten, im Verbund der drei Hochschulen und zusammen mit dem Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum sehr zügig eine Ärzteausbildung in der Lausitz aufzubauen.

Sie haben demnächst drei Berliner Exzellenz-Universitäten direkt vor der Nase, deren Forschung der Bund fördert. Ergibt sich daraus mehr Konkurrenz für die Uni Potsdam?

Wir freuen uns natürlich für die Berliner Kollegen und werden unsere Kooperationen mit ihnen weiter ausbauen. Denn in der Wissenschaft funktioniert die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen schon besser als in manch anderem Bereich. Zugleich gehört unsere Uni im Bundesvergleich zwar gerade noch nicht zur Ebene der Exzellenz-Universitäten, aber gleich zu der Gruppe dahinter. Das neueste Schanghai-Ranking zum Beispiel rechnet uns zu den 500 besten Unis der Welt. Das ist ein schöner Erfolg.

Die Linkspartei kritisiert, dass kein Lehrstuhl im kultur- und sozialwissenschaftlichen Bereich Ihrer Uni von einem ostdeutschen Wissenschaftler besetzt ist. Was halten Sie von dieser Kritik?

Ehrlich gesagt, nicht allzu viel. Oft ist es ja allein aufgrund des wissenschaftlichen Weges gar nicht ersichtlich, ob jemand Ossi oder Wessi ist. Bei uns geht es um Exzellenz in der Lehre und Forschung und ob da jemand aus dem Osten oder Westen oder aus Timbuktu kommt, ist mir egal.

Welche Erwartung haben Sie an das künftige Brandenburger Parlament und die Regierung?

Es wäre gut, wenn die dynamische Steigerung des Hochschulhaushalts um jährlich fünf Millionen Euro aus der derzeitigen Legislaturperiode fortgesetzt würde und wir als Hochschulen im Gegenzug klar kommunizieren, was das Land dafür bekommt. An wissenschaftlicher Exzellenz, Ausbildungskapazitäten, Transferaktivitäten in die Wirtschaft und Gesellschaft und so weiter.

Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits sehr gut zeigen, was starke Hochschulen für Brandenburg leisten können. Und bekommen dies von den Politikern häufiger bestätigt als in früheren Zeiten. Das spornt uns an.

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