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Großprojekt : Ein Zaun für die Pandabären

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Finowfurter Firma hat Gehege des Berliner Zoos gefertigt, in dem die Bären aus Fernost untergebracht sind. Eine Belastungsprobe für das Unternehmen.

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die erste Aufregung hat sich gelegt. Die Panda-Bären sind da und fühlen sich wohl. Was bleibt, ist Zufriedenheit – auch bei Sybille Bach. „Das ist schon ein erhebendes Gefühl“, sagt die Geschäftsführerin des Finowfurter Unternehmens, das die Zäune für die neue Anlage im Berliner Zoo gefertigt hat.

„Das war das Größte, was ‚Zaunanlagen Bach‘ überhaupt bisher gemacht hat“, konstatiert Sybille Bach. Dabei ist die Firma Anfang des Jahres eher zufällig zu dem Auftrag gekommen. Der Landschaftsbauer, mit dem das Unternehmen regulär zusammenarbeitet, hat überraschend den Zuschlag für die Panda-Anlage erhalten. Somit war auch die Finowfurter Firma mit ihren derzeit 16 Mitarbeitern im Boot – bei einem Projekt, das einen Beitrag zur deutsch-chinesischen Freundschaft leisten soll.

„Das war auch ein Politikum“, sagt Sybille Bach. So ist im Vorfeld der Eröffnung des Geheges Anfang Juli schon eine Delegation aus Fernost angereist, um es in Augenschein zu nehmen. Dabei sind tatsächlich Faktoren zur Sprache gekommen, die in den Planungen vorher keine Rolle gespielt haben – mal wieder.

Denn das ganze Projekt hat sich als eine organisatorische Mammutaufgabe herausgestellt. Fachleute aus China, der Tierarzt des Zoos, der Statiker – immer wieder neue Anforderungen, Änderungswünsche, zusätzliche Zaun-Mengen, die gefertigt werden müssen. „Das war ein Riesenaufwand“, erklärt Bach. Das hat vor allem damit zu tun, dass so ein Tier natürlich Ansprüche stellt, mit denen Planer und Zaun-Spezialisten nicht alle Tage zu tun haben. „Der Bär hat das Verlangen, auszubrechen“, sagt die Geschäftsführerin. Dem muss die Anlage Rechnung tragen. Und vor allem: „Er darf sich nicht verletzen.“

Mit all dem Nachjustieren hat das Projekt einen Großteil der Mitarbeiter in Beschlag genommen. „Die Werkstatt hat über Wochen Überstunden gemacht“, berichtet Sybille Bach. Das Unternehmen kommt dabei an seine Belastungsgrenzen. „Viele andere Kunden mussten warten.“ Ganze 300 Meter Zaun haben die Finowfurter für die Pandas gefertigt und in den Boden gebracht – bei laufendem Betrieb.

Doch während 220 Meter davon recht gewöhnlicher Gittermattenzaun sind – zu finden an vielen Sportplätzen –, stellen die übrigen 80 die eigentliche Herausforderung dar: ein Stahlzaun, der der Lieblingsspeise der Pandas nachempfunden ist, dem Bambus. „Diese ganze Bambus-Zaun-Geschichte war der Reiz bei der Sache“, sagt Projektleiter Christian Zippel. Er war es auch, der die Idee hatte, mit Schweißnähten die Knoten zu imitieren, die den Halm in unregelmäßigen Abständen umrunden.

Doch nicht nur der Zaun selbst hat das Unterfangen so aufwändig gemacht, auch der Untergrund vor Ort. „Das sind dort ganz, ganz alte Bäume mit Riesenwurzeln, die nicht beschädigt werden dürfen“, erklärt Sybille Bach. Keine gute Voraussetzung, um große Fundamente für einen Zaun zum Teil mannstief in den Boden zu bringen. „Wir konnten nichts maschinell machen“, sagt sie. „Wir ziehen da mit dem Spaten los.“

Bei all den Problemen: Heute überwiegt ganz klar die Freude: „So, wie es gelaufen ist, ist es toll gelaufen“, sagt Christian Zippel und fügt hinzu: „stressig, aber toll.“ Auch Sybille Bach ist von der Zusammenarbeit der Gewerke begeistert: „Das war ein Wahnsinnstiming.“ Noch als die Finowfurter vor Ort zugange gewesen sind – teilweise acht auf einmal –, sind die Pandas im Zoo angekommen. Und dann: Punktlandung. Eine Woche vor der Eröffnung ist alles fertig. Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Staatspräsident Xi Jinping können kommen.

Auch einige Mitarbeiter der Finowfurter Firma sind dabei, als Jiao Qing (Schätzchen) und Meng Meng (Träumchen) ihr Gehege beziehen. Es wird nicht das letzte Mal sein: „Wir machen Anfang September einen Betriebsausflug in den Zoo“, sagt Sybille Bach. Da werden die Finowfurter wohl die einzigen Besucher an der Anlage sein, die nicht nur Augen für die Pandas haben – sondern vor allem für die Zäune.

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