OB-Stichwahl in Frakfurt (Oder) : Ein Wilke wird es werden

René Wilke  (l/Die Linke) und Martin Wilke (parteilos), amtierender Bürgermeister
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René Wilke (l/Die Linke) und Martin Wilke (parteilos), amtierender Bürgermeister

Bei der Stichwahl zum Frankfurter Oberbürgermeister tritt morgen Martin Wilke gegen Herausforderer René Wilke an

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16. März 2018, 05:00 Uhr

Der gleiche Familienname und die gleiche Geburtsstadt Frankfurt (Oder) dürften fast die einzige Gemeinsamkeit der Stichwahl-Kandidaten sein. Während Martin Wilke weitermachen möchte wie in den vergangenen acht Jahren, denkt der andere, dass es Frankfurt besser gehen könnte. So jedenfalls lautet der Wahlspruch des Herausforderers René Wilke vor der morgigen Stichwahl.

Damit konnte René Wilke, Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament, im ersten Wahldurchgang deutlich punkten: Mit 43,4 Prozent der Stimmen setzte sich der 33-Jährige klar gegen vier Kontrahenten um den Oberbürgermeister-Posten durch.

Der parteilose Amtsinhaber Martin Wilke kam nur auf 20,2 Prozent der Stimmen. Bei der ersten Wahl vor acht Jahren war der 60-jährige promovierte Physiker noch von einem breiten Parteienbündnis unterstützt worden und erzielte fast 60 Prozent.

Diesmal trat er als Einzelkandidat an, die Parteien versagten ihm die Unterstützung und schickten eigene Kandidaten ins Rennen. Dieser Umstand hat sich nicht verändert. „Wir hatten uns bewusst für einen eigenen Kandidaten entschieden, weil wir Martin Wilke nicht mehr überzeugend finden“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende Michael Möckel. Keine Wahlempfehlung zu geben, sei da nur konsequent. Auf eine Wahlempfehlung verzichten auch die Sozialdemokraten, die das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten zur Begründung anführen.

Martin Wilkes Herausforderer wird auch in der Stichwahl am Sonntag von den Linken und den Grünen unterstützt. Hinzu kommt die Frankfurter Bürger-Initiative, ein Bündnis, das sich Anfang des Jahres gegründet hat und sich für einen Neustart in Politik und Verwaltung der Oderstadt stark macht.

Dem Amtsinhaber lastet die Bürger-Initiative die schlechte Lage der Stadt an, vor allem finanziell. Das Minus in der Stadtkasse summierte sich in den vergangenen Jahren auf rund 131 Millionen Euro, der Haushalt für 2017 wurde von der Kommunalaufsicht bisher nicht genehmigt. Statt das Ruder herumzureißen, habe der aus der Wirtschaft kommende Oberbürgermeister alles nur noch verschlimmert, sagen seine Kritiker.

René Wilke gilt als Favorit und könnte jüngster Oberbürgermeister und erstes Stadtoberhaupt seiner Partei in einer kreisfreien Stadt des Landes werden. Dennoch bleibt spannend, wie die Wähler der unterlegenen Kandidaten sich entscheiden. „Ein Weiter so darf es nicht geben, einen Retter für Frankfurt brauchen wir aber auch nicht“, so Wolfgang Mücke von der FDP. Die AfD sei mit beiden Kandidaten nicht einverstanden, sagt Wilko Möller, einer der drei ausgeschiedenen Bewerber.

Das könnte sich in der Wahlbeteiligung bemerkbar machen: Im ersten Wahlgang gab nicht einmal jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme ab. Martin Wilke wolle pragmatisch zu Ende führen, was er begonnen habe, betont er. Sein Kontrahent sieht sich nicht als die Lösung für Frankfurt, appelliert aber an die Bürger, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Mangelnde Kompetenz wird dem redegewandten René Wilke wegen seines jungen Alters von seinen Gegnern häufig vorgeworfen. Frischen Wind, einen neuen Politikstil à la französischem Staatspräsidenten Emmanuel Macron und die Einbeziehung der Bürger halten ihm seine Unterstützer zugute. War der gelernte Bürokaufmann im Wahlkampf doch direkt zu potenziellen Wählern für „Wohnzimmer-Gespräche“ nach Hause gekommen.

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