Peter Joseph Lenné : Ein visionärer Gartenkünstler

Blick auf die romantisch verschneiten Terrassen von Schloss Sanssouci. Der begnadete Gartenbaukünstler Peter Joseph Lenné, dessen 150. Todestag am 29. Januar 2016 begangen wird, prägte fast ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen.
Blick auf die romantisch verschneiten Terrassen von Schloss Sanssouci. Der begnadete Gartenbaukünstler Peter Joseph Lenné, dessen 150. Todestag am 29. Januar 2016 begangen wird, prägte fast ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen.

Lenné war sehr clever: Zur Not zeichnete er seine Gartenpläne auf kleineren Blättern, denn so wirkten die Kosten nicht so hoch

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24. Januar 2016, 09:00 Uhr

Seine Liebe zu Platanen und blühenden Sträuchern ist noch heute sichtbar: Diese Pflanzen spielen in den Gärten von Peter Joseph Lenné (1789-1866) eine wichtige Rolle. Der Gartenbaukünstler, dessen 150. Todestag heute begangen wird, schuf herrschaftliche Parks und Anlagen. Als Unesco-Welterbe ist beispielsweise der Park von Potsdam-Sanssouci ausgezeichnet. Grüne Spuren hinterließ er im Rheinland, in Berlin oder in Magdeburg.

„Seine meisterhaften Garten- und Parkanlagen bleiben Vermächtnis und Anschauung für zeitgenössische Landschaftsarchitekten“, erläuterte der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Michael Rohde. Lenné verschönerte nicht nur die Landschaft. „Seine Schöpfungen verhalfen der Gartenkunst wieder zu ihrer Bedeutung“, betonte Rohde. Auch mehr als 150 Jahre nach ihrer Entstehung hätten sie nichts von ihrer Faszination verloren.

Geboren in Bonn, absolvierte Lenné eine Gärtnerlehre. Studienreisen führten ihn nach Süddeutschland und Paris. In München lernte er Friedrich Ludwig Sckell kennen, den Schöpfer des Englischen Gartens.

1816 kam Lenné nach Potsdam, wo er die nächsten 50 Jahre bis zu seinem Tode blieb. Zunächst arbeitete er als Gartengehilfe. Einer seiner ersten Jobs war die Umgestaltung des Parks von Schloss Glienicke an der Grenze zwischen Berlin und Potsdam. 1824 stieg er zum Gartendirektor auf. Er diente zwei preußischen Königen: zunächst Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), dann dem Sohn Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861).

Lenné brachte eine ganz eigene Ästhetik mit und schnitt alte Rokoko-Zöpfe ab. Wege und Wasserläufe wirkten natürlich entstanden.

Doch er überließ nichts dem Zufall.

Als Visionär hatte er genaue Vorstellungen, wo künftig welcher Baum Schatten spenden sollte. Freie Blicke in die Landschaft lagen ihm am Herzen. Dafür komponierte er Sichtschneisen, die dem Auge kaum Grenzen zeigten.„Er traute sich und bekam meist auch das Geld, was er brauchte“, sagt Landschaftsarchitekt und Hochschullehrer Klaus Neumann, Vorstandsmitglied der Lenné-Akademie. Waren dem Monarchen die Projekte zu teuer, zeichnete Lenné die Pläne auf kleineren Blättern.

Die Ausgaben schienen dann nicht mehr so hoch. „Der König wusste schon, was gespielt wurde“, sagt Neumann. Als Gartenliebhaber ließ sich Friedrich Wilhelm IV. aber überzeugen.

Voller Ideen gestaltete Lenné den Park von Sanssouci um. Ihm verdankt auch der Berliner Tiergarten sein heutiges Gesicht: der Schöpfer wollte einen Park fürs Volk. In Zusammenarbeit mit dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entstand auch die Anlage am Schloss Charlottenhof. Auf seine Pläne geht auch der Klosterbergegarten in Magdeburg zurück.

Von Amtswegen war Lenné für die Preußische Rheinprovinz zuständig.1842 entwarf er den Koblenzer Schlossgarten. Seine Handschrift tragen heute noch die Koblenzer Rheinanlagen und Schloss Stolzenfels bei Koblenz.

Lenné erkannte den Zusammenhang zwischen Gartenkultur und -erhaltung, sagt Gartendirektor Rohde. Sein Verdienst in Preußen war auch die Gründung eigener Baumschulen und Gärtnereien. Der Hintergrund ist vielleicht ganz banal: Pflanzen, die er zur Verwirklichung seiner Ideen braucht, sind damit verfügbar. Auch die heutige Deutsche Gartenbaugesellschaft ist ihm zu verdanken.

Die Person von Lenné sei auch heute noch interessant, sagt Neumann von der Lenné-Akademie. „Die menschliche Seite, das politische Umfeld, in dem er agierte und seine Auseinandersetzung mit Zeitgenossen sind es wert, weiter erkundet zu werden.“

Aus Zeitmangel gönnte sich Lenné keinen eigenen Garten. Ihm fehlte auch Zeit für schriftliche Aufzeichnungen über seine Begegnungen mit Goethe, Kleist, Schinkel oder Herder.

Nach seinem Tod wurde dem Sarg ein Lorbeerkranz vorangetragen. Angefertigt wurde er eigentlich zum 50. Dienstjubiläum von Lenné. Auf den 50 Metallblättern standen die Namen der von ihm geschaffenen Gärten und Parks. Sein Grab ist heute vollständig mit Efeu überwachsen.

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