Brandenburg/Havel : Ein Sicherheitszentrum kämpft mit Unsicherheit

In Brandenburg/Havel gehen Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes nur noch freitagabends gemeinsam auf Streife.
In Brandenburg/Havel gehen Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes nur noch freitagabends gemeinsam auf Streife.

Polizei und Ordnungsdienst unter einem Dach: Beamte und Mitarbeiter haben seit 2007 durchwachsene Erfahrungen gemacht.

svz.de von
10. Juli 2018, 05:00 Uhr

Plötzlich war alles pitschnass. An den Wänden bildeten sich feuchte Flecken. Ausgerechnet am Freitagabend, am ersten Abend des Havelfestes. „Im Stockwerk über uns hat jemand Damenbinden in die Toilette geworfen“, sagt Florian Pletz und schaut in den kahlen Raum. „Die ganze Technik war kaputt.“ Trostlos und leer sieht es aus. Eine Mischung aus Muff und Kaffeegeruch zieht durch den langen Flur des Sicherheitszentrums in Brandenburg an der Havel.

Florian Pletz ist hier Chef - und ein Mann der ersten Stunde. Seit 2007 arbeitet der 32-Jährige beim Ordnungsdienst der Stadt und war bereits Führungskraft, als das Sicherheitszentrum 2009 entstand. Die Idee des Zentrums ist so simpel wie innovativ: Unter einem Dach bieten Ordnungsdienst und Polizei den Bürgern ihre Dienste an. Die Ordnungshüter sollen Hand in Hand für Sicherheit sorgen und Ansprechpartner sein.

Das Projekt wird auch von anderen Städten interessiert beobachtet. Erst Anfang Juni entschied die Stadt Cottbus zusammen mit dem Innenministerium, ein solches Sicherheitszentrum einzurichten. Hintergrund der Entscheidung waren unter anderem gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Ausländern, die es zum Jahresbeginn in Brandenburgs zweitgrößter Stadt gegeben hatte. Das Cottbuser Zentrum soll noch in diesem Jahr eröffnet werden.

Auch in Brandenburg an der Havel war die Euphorie für das Projekt am Anfang groß, erzählt Pletz. Als sich in der Stadt vor neun Jahren Probleme mit Jugendgruppen häuften, konnte die Politik nicht untätig bleiben, das Sicherheitszentrum entstand. In den ersten Jahren, sagt Pletz, gingen Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes täglich gemeinsam auf Streife. Sie zeigten Präsenz. Das kam gut an.

Bis heute werden die Mitarbeiter der Anlaufstelle mit Bürgeranfragen und Beschwerden überhäuft: Falschparker, zu laute Nachbarn, zu stark qualmendes Feuer. Die Mitarbeiter nehmen alle Sorgen ernst: Über 3500 Anrufe, 850 persönlich vorgetragene Anliegen und 280 E-Mails hat das Team 2017 bearbeitet.

Doch während die Nachfrage der Bürger ungebrochen ist, spüren Pletz und seine Kollegen deutlich, dass die Unterstützung der Politik schwindet. „Vor drei bis vier Jahren waren wir hier zahlreicher vertreten“, sagt Polizeihauptmeister Frank Richter. Der 54-Jährige bietet jeden Dienstag mit zwei Beamten eine Polizeisprechstunde im Sicherheitszentrum an. An den übrigen Wochentagen ist gar keine Polizei mehr im Zentrum vertreten. Auch die gemeinsamen Streifen von Ordnungsdienst und Polizei gehörten zwischendurch schon der Vergangenheit an. Als die landesweite Polizeistrukturreform im Jahr 2011 begann, wurden die Kontrollgänge für lange Zeit gestrichen. Erst seit Mai dieses Jahres finden wieder gemeinsame Streifen statt – allerdings nur noch einmal pro Woche, freitagabends. Wieder waren es Probleme mit Jugendgruppen, die das Handeln veranlassten.

Dass ein starkes Sicherheitszentrum gut für die Stadt wäre, darüber sind sich die Mitarbeiter einig. Das Konzept gemeinsamer Ansprechpartner im Sicherheitszentrum habe sich bewährt. Bürgeranfragen könne man direkt weiterleiten. „Wir sind ein richtiges Bürgertelefon geworden“, sagt Pletz. Auch Polizeihauptmeister Richter sieht die Vorteile. „Wir tauschen uns mit den Kollegen aus und haben auch Wissensdurst“, berichtet er. Die Hinweise vom Außendienst des Ordnungsamtes seien für die Polizei oft hilfreich. Außerdem steige das Sicherheitsgefühl der Bürger, wenn die Polizei präsent sei.

Ob sich das Modell des Sicherheitszentrums auch auf andere Städte übertragen lässt, darüber ist sich Pletz allerdings unsicher. „Unsere Stadt ist überschaubar und unser Sicherheitszentrum liegt sehr zentral in der Innenstadt“, sagt er. In größeren Städten gehe das Konzept möglicherweise nicht auf.

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