Tourismus : Ein Pumpenhaus für Radtouristen

Die Polin Alicja Kuberka steht vor ihrem alten Pumpenhaus in Frankfurt (Oder), das sie sanieren und mit Gästezimmern sowie einem Restaurant herrichten will.
Die Polin Alicja Kuberka steht vor ihrem alten Pumpenhaus in Frankfurt (Oder), das sie sanieren und mit Gästezimmern sowie einem Restaurant herrichten will.

Polnische Restauratorin will im über 100 Jahre alten Gebäude in Frankfurt (Oder) Gästezimmer und ein Restaurant herrichten

von
27. Juni 2017, 05:00 Uhr

Es gibt nur noch wenige verfallene Gebäude entlang der gepflegten Frankfurter Oderpromenade. Als Teilstück des beliebten Oder-Neiße-Radweges wird sie vor allem von Radtouristen bevölkert. Und die fahren bisher am leerstehenden, verwitterten Pumpenhaus einfach vorbei. Auch Spaziergänger haben kaum einen Blick für das technische Denkmal aus dem Jahr 1910 im Fachwerk-Stil übrig.

Das soll sich nach dem Willen von Alicja Kuberka jetzt endlich ändern. Bereits vor vier Jahren hat die promovierte Restauratorin und Konservatorin aus Warschau die heruntergekommene Immobilie in schöner Lage von der Frankfurter Stadtverwaltung gekauft. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, gesteht die 42-Jährige. Vor allem das Fachwerk und der völlig intakte, ausbaufähige Dachstuhl weckten das Interesse der Expertin für die Sanierung und Restaurierung von Holz.

Vom Erdgeschoss aus führt eine eiserne Treppe hinab zum alten, noch immer funktionstüchtigen Pumpenwerk. Letztmalig diente es 1997 dazu, die Stadt vor Überschwemmungen zu bewahren. Denn genau an dieser Stelle mündet das durch Frankfurt führende Flüsschen Klinge in die Oder. Die drei elektrischen Pumpen verhinderten, dass die Oderflut in die Klinge drückte.„Da kommt eine Plexiglasscheibe oben drauf und darüber sitzen meine Restaurantgäste“, schwärmt die neue Besitzerin, die ihre Pläne schon längst hatte umsetzen wollen. Dazu zählen auch Übernachtungszimmer für Radtouristen in der einstigen Dienstwohnung des Pumpenwärters im Obergeschoss des Fachwerkhauses sowie ein Gartenlokal mit Holzterrasse an der Vorderfront des Gebäudes – traumhafter Oderblick inklusive.

„Eine tolle Idee“, sagt Ellen Rußig Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. „Sowohl Übernachtungsmöglichkeiten mit besonderem Flair als auch gemütliche Orte zum Verweilen am Oder-Neiße-Radweg werden von Gästen stark nachgefragt.“ Auch die Lage zwischen der Frankfurter Konzerthalle und der Marina am Winterhafen sei vielversprechend. „Touristische Hauptzielgruppe in Frankfurt sind anspruchsvolle Besucher und Kulturliebhaber, die Unterkünfte mit Seele bevorzugen“, weiß die Tourismuschefin. Mehr als 600000 Euro will Kuberka in die Rettung des Pumpenhauses investieren und dabei auch Fördermittel der Brandenburger Landesinvestitionsbank (ILB) verwenden.

Die Umsetzung ihrer Pläne ist gar nicht so einfach. Alicja Kuberka habe erst einmal die deutsche Bürokratie kennen gelernt, sagt Agnieszka Zdziabek-Bollmann. Mit einem Deutschen verheiratet, betreibt die 46-Jährige in Frankfurt eine Firma für deutsch-polnische Beratungen, EU-Projekte und interkulturelle Trainings. „Die Baugenehmigung der Stadt ließ auf sich warten, es gab immer wieder neue Auflagen. Dadurch überzogen wir die Antrags-Frist bei der ILB und und mussten von vorn beginnen“, umschreibt die Wahl-Frankfurterin die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Nun aber sei das Projekt startklar, die ersten Aufträge für Dach und Fassade wurden ausgelöst, sagt Zdziabek-Bollmann.

Kuberka, die in Polen bereits Kirchenkuppeln und Fachwerkhäuser von Schimmel, Holzwürmern und Schwamm befreit hat, juckt es förmlich in den Fingern. „Bisher habe ich immer für andere Auftraggeber gearbeitet. Das Pumpenhaus ist jetzt mein eigenes Projekt und damit eine ganz neue Herausforderung“, freut sich die 42-Jährige. Für sie stand von Anfang an fest, dass sie das technische Denkmal für die Öffentlichkeit wieder zugänglich machen will.

Knapp 40 000 Euro hat Alicia Kuberka bereits in neue Gas- und Wasseranschlüsse, für Architekten- und Statikerleistungen investiert. Die gesamte Inneneinrichtung von Restaurant und Gästezimmern soll im Stil des Jahres 1910 eingerichtet werden, die Möbel dafür hat sie bereits gekauft. „Ich möchte außerdem Stummfilme aus dieser Zeit zeigen und Musik von damals spielen“, erzählt sie. Drei bis fünf Arbeitsplätze könnten nach ihren Vorstellungen entstehen, ein interessierter Koch habe sich bereits bei ihr gemeldet.

Eigenhändig hat die promovierte Restauratorin und Konservatorin die ölverschmierten Original-Fliesen rings um die Pumpen mühsam gesäubert, die betagten Maschinen gewienert, die mächtigen Dachbalken konserviert und den bröckelnden Putz an den Wänden des Obergeschosses gesichert. Zur Saison 2018 hofft sie, die ersten Gäste in „ihrem“ Pumpenhaus begrüßen zu können.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen