Ein Hotel hilft integrieren

Beikoch-Azubi Denin Kayser arbeitet in der Küche des mit Zeuthener Seehotels mit Ausbilder Ralf Keil. Jens Rümmler
Beikoch-Azubi Denin Kayser arbeitet in der Küche des mit Zeuthener Seehotels mit Ausbilder Ralf Keil. Jens Rümmler

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08. Februar 2011, 01:57 Uhr

Zeuthen | Der Blick aus dem Hotelzimmer könnte nicht schöner sein. Direkt vorm Haus fließt die Dahme. Uralte Bäume stehen im Park. Im Restaurant des Hotels Am Zeuthener See, südlich von Berlin, serviert Kellnerin Sarah Zeuschner derweil Kaffee und Kuchen. Einem Gast bringt die 18-Jährige die Tageszeitung. Kaum einer der Gäste bemerkt auf Anhieb, dass er im Hotel von Menschen mit leichten Lern- oder Körperbehinderungen umsorgt wird.

Das idyllisch gelegene Haus am See ist seit 18 Jahren Ausbildungshotel des Annedore-Leber-Berufsbildungswerks Berlin. 25 junge Leute absolvieren hier gerade ihre Lehre. Sieben Jugendliche befinden sich in der so genannten berufsvorbereitenden Phase. "Unser Hotel ist in Brandenburg in dieser Form einzigartig", sagt Hotelchef Bernd Mainka. Zu den Ausbildungsberufen gehören unter anderem Beikoch, Restaurantfachmann/frau sowie Fachkraft im Gastgewerbe. "Alle Lehrabschlüsse sind staatlich anerkannte Kammerabschlüsse. Da wird bei Prüfungen kein Auge zugedrückt", sagt Mainka.

Stammgast Anna Dombrowski fiel eigenen Angaben nach erst nach ein paar Tagen auf, dass bei den Azubis manches etwas langsamer geht. Da werde mal ein Tablett nicht korrekt gehalten oder der falsche Wein serviert. "Na und. Damit kann ich gut leben", schmunzelt die 73-Jährige. "Kleine Malheure gleichen die jungen Leute mit ihrer zuvorkommenden freundlichen Art aus", so Anna Dombrowski. Bei den Lehrlingen beobachte sie Tugenden, die sie bei anderen Jugendlichen vermisse.

In den Augen von Gottfried Gehann, stellvertretender Geschäftsführer im Annedore-Leber-Berufsbildungswerk, sei "alles eine Frage der Perspektive": Beim Thema Atomphysik sei er selbst auch nicht so fit, schmunzelt der Mitfünfziger. Aktuell bilde das Berufsbildungswerk rund 700 Jugendliche in 34 Berufen aus. Zeuthen sei der einzige märkische Außenposten des Unternehmens. Die Lehre finanziert die Bundesagentur für Arbeit. Den theoretischen Teil meistern die Auszubildenden in der Berliner Berufsschule in kleinen Lerngruppen. Begleitet werden sie neben anderen von Sonderpädagogen und ärztlichen Fachdiensten. "Wir möchten diese jungen Menschen so fördern, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können", erklärt Gottfried Gehann den eigenen Anspruch.

Sarah Zeuschner, Restaurantfachfrau-Azubi im dritten Lehrjahr, nimmt eine neue Bestellung von Gästen im eleganten Liebermann-Festsaal auf. Ihr macht der Umgang mit Menschen großen Spaß, sagt die Berlinerin. "Es gibt immer wieder interessante Gespräche. Die Gäste möchten auch viel von mir wissen", sagt sie. Beikoch-Azubi Denin Kayser machte ähnliche Erfahrungen. "Wirklich stressig ist nur die Anfahrt aus Berlin", lacht der Auszubildende im dritten Lehrjahr. Dann schmeckt er den Rosenkohl ab.

Oberstes Ziel des Berufsbildungswerks sei, die Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, sagt Bernd Mainka. "Über die Hälfte unserer Schützlinge hat gleich nach der Ausbildung einen Job in der Tasche", sagt er. Andere gelangen über Vermittlungspraktika an Stellen. Bei der Akquise von Arbeitsplätzen gehen Mitarbeiter des Berufsbildungswerks zudem selbst in die Spur. Gottfried Gehann: "Unsere Auszubildenden haben hervorragende Chancen unterzukommen. Die Ausbildung im Berufsbildungswerk genießt einen sehr guten Ruf."

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