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Ahnenforschung : Ein Hobby, das niemals endet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Verein beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Ahnenforschung. Gründungsmitglied Dirk Peters ist Nachfahre von Karl dem Großen

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Ein Potsdamer Verein erforscht seit zehn Jahren die Geschichte von Brandenburger Familien. Fast 200 Anfragen von Menschen, die etwas über ihre Vorfahren wissen möchten, erreichen die Mitglieder jährlich.

„Ahnentafel Peters“ steht auf dem großen weißen Buch, das Dirk Peters anfertigen ließ. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte seiner Familie. Vor zehn Jahren gründete er mit Gleichgesinnten die Brandenburgische Genealogische Gesellschaft „Roter Adler“. Auf die Idee, sich selbst auf die Suche zu machen, sei er durch seine Großmutter gekommen. Die habe ihm ihren Ahnenpass gezeigt, wie ihn im Nationalsozialismus viele hatten, um ihre arische Abstammung zu beweisen.

Gisela von Vollard-Bockelberg bildet den Anfang von Peters’ Familienforschung. Im Laufe der Jahre sind Verbindungen entstanden, die ihn überraschten. „Ich glaube, ich bin ein Cousin achten Grades vom Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz, und auch Karl der Große taucht in der Ahnenreihe auf“, erklärt Peters und muss lachen. Denn der Verein habe häufig mit Menschen zu tun, in deren Familien sich schon jahrelang Legenden um mögliche Verwandtschaftsverhältnisse zu historischen Persönlichkeiten halten. „Aber ohne Quellen bleibt das bei den meisten ein Mythos.“

Noch vor einigen Jahren speisten sich die meisten Nachforschungen aus der vorhandenen Literatur. Auch wenn Dirk Peters bei dieser Art der Ahnenforschung schon Lücken entdeckt hat, ist er froh, dass es diese Stücke der Zeitgeschichte noch gibt. Heute arbeitet der Verein verstärkt mit dem Internet. „Es gibt Seiten, die Dokumente digitalisieren. Das ist natürlich nicht kostenlos“, erklärt er. Mehrere tausend Euro hat der Ketziner (Havelland) bereits in seine Familienforschung investiert. Einen Punkt hinter den letzten Namen wird er wohl niemals machen können. „Das ist ein Hobby, das niemals ein Ende findet“, sagt er.

Viele Menschen, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln machen, nutzen auch das Netzwerk untereinander. Deutschlandweit gibt es 30 000 organisierte Familienforscher. Soziale Medien wie Facebook machen die unkomplizierte und schnelle Hilfe möglich. „Es gibt Gruppen, in die man eintreten kann. Ich hatte beispielsweise ein altes Schriftstück, auf dem die Handschrift kaum zu entziffern war. Innerhalb einer Stunde hatte mir jemand den übersetzten Text geschickt“, erinnert sich Peters.

Auf den Jahrestreffen des Vereins – das nächste findet im April 2017 mit den etwa 200 Mitgliedern und Gästen in Potsdam statt – hat Dirk Peters immer wieder das Gefühl eines großen Familientreffens. „Am Ende stimmt der Spruch, dass man mit Gott und der Welt verwandt ist.“ Als Familienforscher merke man schnell, dass man internationale Wurzeln habe. Durch die Abwanderung vieler in den vergangenen Jahrhunderten habe Peters Vorfahren in Holland, Frankreich und Polen aufgespürt. Wichtigste Quelle sind für die Ahnenforscher die Kirchenbücher. „Alle, die in der Kirche Mitglied waren, sind dort zu finden. Und das war eigentlich jeder“, weiß Peters. Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen sind verzeichnet. Allerdings seien die meisten Kirchenbücher erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts geführt worden. Und durch den Krieg wurden viele zerstört. 1874 sind in Preußen und Brandenburg Standesämter eingeführt worden. Sie sind seitdem die einzigen Institutionen, die Eheschließungen rechtswirksam durchführen. „Die übernahmen die Aufgaben, die bis dahin in Kirchenhand lagen. Diese Unterlagen sind sehr wertvoll“, sagt Peters.

Tabelle um Tabelle hat er in seinem Ahnenbuch angelegt. Hat verzeichnet, wer mit wem verheiratet und verwandt war, und die Lebensdaten seiner Vorfahren eingetragen. Neben den Unterlagen, die in den Behörden beschafft werden können, verweist der erfahrene Forscher auch auf ältere Verwandte. „Viel erfährt man auch schon von ihnen. Wichtig für die Suche nach den Vorfahren ist es aber, den vollen Namen und den Wohnort zu wissen“, erklärt Dirk Peters.

Bei der Suche für seinen eigenen Stammbaum machte er einige interessante Entdeckungen. Anfang des 18. Jahrhunderts lebte etwa Balthasar von Zieten. „Der Pastor muss ihn nicht gemocht haben, denn er hatte ihn als Vater von so einigen Kindern eingetragen – obwohl er mit einer anderen verheiratet war.“ Mit ihr habe er aber keine Kinder bekommen. Ein Sohn Balthasars sei 1808 zur Welt gekommen. „Da hatte er endlich einen Stammhalter. Nur der Name wurde in Ziethen mit H verändert.“ Solche Namensänderungen erschweren die Suche nach der Blutlinie natürlich. 150 bis 200 Anfragen erreichen den Verein pro Jahr von Menschen, die etwas über ihren Stammbaum erfahren wollen. Die Mitglieder geben Quellenhinweise, vermitteln Adressen und helfen auch mal bei intensiveren Nachforschungen. Doch der Verein hat auch schon selbst einige Broschüren und Bücher veröffentlicht – „Die Auswanderung preußischer Lutheraner nach Australien“ und Ortsfamilienbücher gehören dazu.

 

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