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Projekt wird verlängert : Ehrenamtliche als Biberbeauftragte gesucht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Konflikte und Schäden durch die Nager sind in Brandenburg nach wie vor hoch.

Das Miteinander von Mensch und Biber in Brandenburg ist nicht immer konfliktfrei. Ein im Land zunächst für ein Jahr angelegtes Projekt mit zwei Biberbeauftragten wird um weitere zwölf Monate bis September 2017 verlängert. „Der Probelauf hat sich bewährt“, sagte Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz im Umweltministerium.

Aus Sicht des Landesbauernverbandes ist es noch schwer, ein begründetes Urteil über die Arbeit der Biberbeauftragten zu fällen. Die Jahre, in denen wegen der Tiere Felder und Keller unter Wasser gesetzt wurden, werden der Gradmesser sein, heißt es.

Mitte September 2015 hatten nach langer Diskussion die beiden Biberbeauftragten beim Umweltministerium ihre Arbeit aufgenommen. Sie sollen bei Konflikten eingreifen. Bauten der Nager können Gräben stauen und damit Felder, aber auch Keller von Häusern unter Wasser setzen. Auch Deiche geraten dadurch in Gefahr. „Für Betroffene hat sich bewährt, dass wir als Ansprechpartner bereitstehen“, sagt Undine Schubert, eine der beiden Biberbeauftragten. Vor Ort können dann gemeinsam Ideen zur Prävention entwickelt werden.

Es müsse nach wie vor die erst im Mai vergangenen Jahres in Kraft getretene neue Biberverordnung erläutert werden, sagt Schubert. Sie gestatte unter anderem, sogenannte Problem-Biber aus den Revieren zu entnehmen und umzusetzen – vor allem, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Sei das nicht möglich, könnten die geschützten Tiere als letzter Ausweg auch geschossen werden.

Von September 2015 bis Mitte März 2016 wurden nach Angaben von Schubert im am stärksten betroffenen Landkreis Märkisch-Oderland 22 Tiere getötet. Seit Monatsanfang ist die Schonzeit wegen des flügge gewordenen Nachwuchses wieder vorbei. Das Zusammenleben von Mensch und Tier hat sich aus Sicht von Schubert verbessert, es gibt aber immer noch Konflikte. „Die angerichteten Schäden sind nach wie vor hoch“, sagt Rainer Schinkel, Vizelandrat von Märkisch-Oderland. Es müsse vor Ort noch mehr Beratungen auch zur Prävention geben, mahnt er an. „Unserer Meinung nach sollten die Biberbeauftragten nun aktiv werden und auf die Landkreise einwirken, damit zusätzliche Gewässer als Geltungsbereich für die Biberverordnung ausgewiesen werden“, verlangt der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff. Nur wenn das geschehe, könnten in den entsprechenden Wasserläufen unter Umständen Maßnahmen gegen Schäden ergriffen werden. „Bisher hat nur der Landkreis Märkisch-Oderland diese Möglichkeit genutzt“, sagt er.

In den kommenden Monaten soll laut Ministerium landesweit ein Netz ehrenamtlicher Biberberater aufgebaut werden. In den Landkreisen sollen etwa 25 Freiwillige aktiviert und im Landesumweltamt qualifiziert werden. Sie sollen weiter das Verständnis von Naturschutz und Betroffenen fördern.

In den ostdeutschen Bundesländern leben rund 10 000 Biber, davon fast 3000 in Brandenburg. 1000 Tiere haben sich im Oderbruch angesiedelt. Dort finden sie mit Gräben und viel Landwirtschaft ein gutes Lebensumfeld.

 

Gudrun Janicke

 

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