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Das Krebsregister startet endlich : Effektivere Krebsbehandlung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Berlin und Brandenburg wollen tückische Krankheit gemeinsam bekämpfen. Ab heute Daten sammeln im Krebsregister

Von heute an müssen Berliner Ärzte neu diagnostizierte Krebserkrankungen dem klinischen Krebsregister melden. Die neue Datensammlung soll dabei helfen, Tumorerkrankungen noch effektiver und gezielter zu bekämpfen. Berlin und Brandenburg schlossen sich als einzige Bundesländer für das neue Register zusammen, weil bis zu 20 Prozent der Brandenburger Patienten in der Hauptstadt behandelt werden. Am 1. Juli tritt der Staatsvertrag zum klinischen Krebsregister in Kraft, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit.

In dem neuen Register sollen Informationen zu Krebsdiagnosen, Behandlungen und Nachsorge aus beiden Bundesländern gesammelt und ausgewertet werden. Dabei geht es neben der Qualität der Therapien auch um die Überlebenszeiten der Patienten, ihre tumorfreie Zeit, Rückfälle und Lebensqualität.

Ziel der Kooperation ist vor allem eine bessere Versorgung der Patienten. Das klinische Krebsregister liefere mit vollständigen individuellen Behandlungsverläufen wertvolle Informationen, sagte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). „Der Nutzen hängt aber entscheidend von der Datenqualität ab“, ergänzte Czaja. „Wir brauchen für die Qualität der Aussagen eine Meldequote von über 90 Prozent.“ Der Senator setzt auf die Kooperation der Mediziner.

Neben Diagnosen und Behandlungsmethoden sollen die Ärzte neben erfolgreichen Therapien auch Trauriges melden: Rückfälle und auch den Tod ihrer Patienten.

In Berlin werden die Gesamtkosten für den Aufbau des klinischen Krebsregisters auf rund 775 000 Euro geschätzt, bei der Finanzierung half die Deutsche Krebshilfe. Die Datensammlung wird künftig von einer Tochter der Landesärztekammer Brandenburg mit Sitz in Cottbus angelegt. Es gibt fünf dezentrale Registerstellen in Brandenburg und eine in Berlin. Die Betriebskosten tragen in erster Linie die Krankenkassen.

Alle Bundesländer müssen bis Ende 2018 solche Datensammlungen aufbauen. Brandenburg hat bereits seit 1995 ein klinisches Krebsregister, für Berlin ist es neu. In der Zusammenschau aller Länderergebnisse hoffen Forscher auch auf ein besseres Gesamtbild für Krebs in Deutschland.

Denn noch immer ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. In Berlin erkranken pro Jahr rund 17 400 Menschen neu, rund 8800 sterben jedes Jahr an den Folgen. In Brandenburg sind es nach Angaben der Behörden rund 15 400 Neuerkrankungen und 7800 Todesfälle pro Jahr. Die häufigsten Krebserkrankungen sind bei Männern bundesweit Prostata, Lungen- und Darmkrebs. Bei Frauen sind es Brust-, Darm- und Lungenkrebs.

Die Überlebensraten bei Krebs sind dank verbesserter Früherkennung, Diagnostik und Therapie stark gestiegen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden überleben inzwischen 59 Prozent der Männer und 64 Prozent Frauen eine Tumorerkrankung um mindestens fünf Jahre. Ende der 1980-er Jahre waren es lediglich 27 Prozent aller Männer und 41 Prozent aller Frauen.

Berlin, Brandenburg und andere ostdeutsche Bundesländer führen bislang bereits das Gemeinsame Krebsregister. Es zeigt aber allein, welche Krebsart wo vorkommt und wie oft. Für bessere Behandlungen lassen sich daraus wenig Schlüsse ziehen. Die Zulieferung von Daten an das bisherige Register entfällt nun in der Regel für Neudiagnosen.

 

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erstellt am 01.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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