Sicherheit Brandenburg : Effektiver gegen Kriminelle

Polnische und deutsche Polizisten überprüfen ein Auto in Biegen nahe Frankfurt (Oder).
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Polnische und deutsche Polizisten überprüfen ein Auto in Biegen nahe Frankfurt (Oder).

Brandenburgs Polizei und polnische Ermittler wollen enger zusammenarbeiten

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24. Juni 2016, 05:00 Uhr

Brandenburgische und polnische Kriminalbeamte wollen nicht mehr nur Informationen austauschen, sondern auch ihre Ermittlungen gegen die grenzüberschreitende Kriminalität verknüpfen. Das sieht eine gesterngetroffene Vereinbarung vor. Das 2015 von den Regierungen Deutschlands und Polen unterzeichnete Polizeiabkommen macht es möglich: Die Polizeien der Bundesländer und der Wojewodschaften entlang der Grenze können direkter miteinander kooperieren, ohne immer erst in Berlin oder Warschau Genehmigungen einholen zu müssen.

„Wir wollen künftig noch effektiver zusammenarbeiten. Müssen das aber auch, damit uns die Kriminellen nicht immer eine Nasenlänge voraus sind“, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke im Zentrum der Polizei- und Zollzusammenarbeit am Ex-Autobahnkontrollpunkt Swiecko bei Frankfurt(Oder). Im Zentrum werden seit Abschaffung der Grenzkontrollen Informationen über akute Vorfälle ausgetauscht. Beispielsweise wenn Autodiebe auf frischer Tat von deutschen Beamten über die Grenze verfolgt werden und die polnischen Kollegen sofort informiert werden müssen.

Oder wenn eine Frau aus Kattowitz die polnische Polizei informiert, weil ihr Freund aus Nodrhein-Westfalen am Telefon erklärt hat, dass er einen Selbstmord plane. „Das ist am 21. Februar dieses Jahres passiert, ähnliche Fälle gab es in früheren Jahren aber auch schon“, berichtet der deutsche Koordinator Ulf Buschmann. Sofort alarmierten deutschen Beamten gelang es, dem Mann noch das Leben zu retten, der bereits eine Überdosis Tabletten geschluckt hatte.

Am 25. Mai konnten die Beamten aus Swiecko einen in Deutschland gerade gestohlenen BMW über das GPS-Signal orten. „Unsere Leute steuerten die polnischen Kollegen durch einen Wald bei Krosno, bis sie den fast 100 000 Euro teuren Wagen gefunden hatten. Die Überraschung war sogar noch größer, weil die Beamten auf ein zweites gestohlenes Auto der gleichen Marke stießen.“ Die beiden Täter, zwei junge Litauer, wurden verhaftet. Während sie in Polen in Untersuchungshaft sitzen, seien die Wagen wieder an ihre Besitzer überstellt worden.

Über 25 000 Anfragen hat das Zentrum im Vorjahr bearbeitet, wobei die meisten Fälle nicht so dramatisch waren, wie die zwei Beispiele.

Künftig soll es nicht mehr nur um den schnellen Informationsfluss in Einzelfällen gehen, sondern um längerfristige Ermittlungen und deren gemeinsame Abstimmung. Bisher mussten für solche Ermittlungen, in denen etwa Autoschieberbanden aufgeklärt wurden, besondere Ermittlungsteams gebildet werden. Dafür waren Vereinbarungen mit dem polnischen Generalstaatsanwalt nötig. Die Teams durften sich aber auch nur mit dieser Tätergruppierung beschäftigen. Außerdem sind sie nur für zwölf Monate gebildet worden, danach mussten sie sich wieder auflösen.

Jetzt soll eine ständige Koordinierungsgruppe gebildet werden, der die Leiter der Kriminal- und Ermittlungsabteilungen beider Polizeien angehören. „Die Gruppe wird sich mindestens einmal im Monat treffen“, kündigte Moerke an. Ein weiteres Ziel ist eine ständige Dienststelle in Frankfurt(Oder), in der Kriminalisten beider Länder gemeinsam arbeiten. „Das wollen wir in ein, zwei Jahren mit EU-Unterstützung schaffen“, so Mörke.

Der erst vor wenigen Wochen vom neuen polnischen Innenminister ernannte Gorzower Polizeikommandant Jaroslaw Janiak stimmte dem Brandenburger Präsidenten zu: „Wir wollen enger als bisher zusammenarbeiten“, sagte der 44-Jährige.

Dietrich Schröder

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