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Kultur : Eberswalder Verlobungsbrücke

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Zugezogener kämpft um ein rostiges Technikdenkmal, auf dem einst Theodor Fontane seiner Geliebten die Ehe antrug

Wer in Eberswalde (Barnim) unterwegs ist, kennt die gusseiserne Brücke über den Finowkanal, die am Messingwerkhafen steht und zusehends verfällt. Doch kaum ein Passant weiß noch um den kulturhistorischen Wert dieses Kleinods. Das will ein privater Interessent unbedingt ändern.

Der gebürtige Düsseldorfer Pierre Sens (55) ist vor drei Jahren nach Eberswalde gezogen, weil er es über hatte, ständig in Hotels zu übernachten, um in Berlin seiner Arbeit als Informatiker nachgehen zu können. „In Berlin war der Wohnungsmarkt schon damals wie leergefegt, hier standen mir alle Türen offen“, blickt er zurück.

Es dauerte nicht lange, bis der begeisterte Radfahrer auf die denkmalgeschützte und aus dem Verkehr gezogene Brücke aufmerksam wurde. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich der Wahl-Eberswalder, der aus gesundheitlichen Gründen gerade beruflich pausiert. Als er dann zur Geschichte des Baukörpers zu recherchieren begann, war es gänzlich um ihn geschehen.

Denn es ist überliefert, dass sich auf der Brücke, als sie noch in Berlin stand, am 8. Dezember 1840 Theodor Fontane und Emilie Rouanet-Kummer verlobt haben. „Der Autor der ,Wanderungen durch die Mark Brandenburg‘ und etlicher Romane der Weltliteratur hat also auf diesem Bauwerk seiner späteren Frau einen Antrag gemacht“, sagt Pierre Sens. Und findet, dass Eberswalde nichts Klügeres einfallen könnte, als diesen geschichtlichen Glücksumstand touristisch zu vermarkten.

„Im Volksmund ist der Übergang ja als Teufelsbrücke bekannt. Angeblich, weil es so schnell gegangen ist, sie am Messingwerkhafen wieder aufzubauen“, sagt der Hobby-Historiker, der die Bezeichnung Verlobungsbrücke treffender finden würde. Zumal sich die Stadt Eberswalde mit Deutschlands schönstem Standesamt schmücke. Dieser Titel sei der Märchenvilla im August 2014 von einer Expertenjury verliehen worden.

„Das wäre doch ein bezauberndes Angebot an alle frisch verliebten Paare: Sich auf der Treidelwegbrücke zu verloben und in der ausgezeichneten Märchenvilla zu vermählen“, bringt Pierre Sens seinen Vorschlag auf den Punkt. Mit der Idee von der Verlobungsbrücke geht der Enthusiast seit Monaten hausieren, noch ohne durchschlagenden Erfolg. Aus dem Rathaus bekam er zu hören, dass die Stadt vor allem an die Kosten zu denken habe, wenn es um die Zukunft des technischen Denkmals gehe.

Sein Antrag, die Brücke mit Geld aus dem Bürgerhaushalt sanieren zu lassen, wurde gar nicht erst zur Abstimmung gestellt, weil der Übergang dem Wasser- und Schifffahrtsamt gehört. Auch diese Behörde hat Pierre Sens längst aufgesucht und dort gesagt bekommen, dass die Brücke für die Schifffahrt nicht mehr benötigt werde.

„Das WSA hätte kein Problem damit, den Übergang an die Stadt oder an andere Interessenten zu verkaufen“, zieht der Wahl-Eberswalder ein Fazit der Gespräche. Allerdings müsse zunächst geklärt werden, wie es mit dem Finowkanal weitergehe. Sollte die Wasserstraße kommunalisiert werden, würde nach der aktuell favorisierten Variante sämtliches Inventar - mit Ausnahme der Schleusen– vorerst im Eigentum des Bundes verbleiben.

Dann hätte das WSA auch in Sachen Treidelwegbrücke freie Hand. „Eventuell könnte ein Verkauf an mich erfolgen, weil ich mein Interesse daran bereits im vergangenen Jahr bekundet habe“, sagt Pierre Sens, dem in diesem Fall ein symbolischer Preis am liebsten wäre. „Der ideelle Wert des Baudenkmals lässt sich ohnehin nicht in Euro und Cent ausdrücken“, findet er.

Die Ertüchtigung der Brücke stellt sich der 55-Jährige als nicht zu aufwändig vor. „Das Gusseisen müsste entrostet, gestrichen und mit einem Belag versehen werden“, sagt Pierre Sens. Überdies wären auf beiden Seiten die Zugänge herzustellen. Es sei vorstellbar, einen Sponsor an den Kosten zu beteiligen.

Wenigstens eine Informationstafel zur bemerkenswerten Geschichte der Brücke hält der Wahl-Eberswalder für überfällig und unverzichtbar.

 

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erstellt am 30.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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