Rettung : Eberswalde kämpft um Standort des Bahnwerks

Weiter Hängepartie um Rettung des Betriebs / Politik in Potsdam macht wenig Hoffnung

svz.de von
16. September 2015, 16:04 Uhr

Die angestrebte Rettung des Bahnwerks in Eberswalde (Barnim) entwickelt sich zunehmend zu einer Hängepartie. Obwohl spätestens im Sommer eine Entscheidung getroffen werden sollte, ist weiter keine Lösung in Sicht. Viele Beschäftigte stimmen nun mit den Füßen ab.

Anfang des Jahres arbeiteten in dem traditionsreichen Betrieb noch 480 Menschen, inzwischen sind es nach Angaben des Betriebsrats nur noch 360. Es werde zunehmend schwierig, die Schichten zu besetzen. Wer ein anderes Jobangebot bekomme, verlasse das Werk. Andere würden sich von der Bahn umsetzen oder abfinden lassen. Vor einem Jahr hatte der Bahnvorstand beschlossen, das Werk zum Jahresende 2016 zu schließen. Als Grund gilt die mangelnde Auslastung, was der Betriebsrat zurückweist. Die Landesregierung hatte daraufhin versprochen, gemeinsam mit der Bahn nach Möglichkeiten zu suchen, das Werk am Leben zu halten. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, das Konzept für eine Kesselwagenwaschanlage liegt auf dem Tisch. Spätestens im Sommer werde eine Entscheidung getroffen, hieß es.

Davon ist nun nicht mehr die Rede. Gestern erklärte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), die Bahn sei am Zug. „In der nächsten Zeit“ werde es ein Gespräch zwischen Bahnchef Rüdiger Grube und der Landesregierung geben. „Hoffentlich haben wir dann eine positive Entscheidung, aber vielleicht fällt sie auch nicht positiv aus“, räumte Gerber ein.

Eine Bahnsprecherin konnte gestern ebenfalls keinen Zeitpunkt nennen, an dem über die eventuelle Rettung des Werks entschieden werde. „Uns läuft die Zeit davon“, klagte Thomas Barleben, der gestern im Auftrag des Betriebsrats eine Protestkundgebung in Eberswalde anführte. „Die Resignation nimmt zu. Längst nicht mehr jeder Beschäftigte verzichtet für die Mahnwachen auf seinen Feierabend.“ Höchstens 40 Beschäftigte waren beim Protest dabei, der unter dem Motto „137 Jahre Tradition, 137 Jahre Beschäftigung für die Region“ stand. Politiker aus der Region kritisierten die „unerträgliche Hinhaltetaktik“ von Bahn und Landesregierung. In seiner Ansprache ging Thomas Barleben auf das Auf und Ab des Betriebs ein, der am 7. Januar 1878 mit 150 Mitarbeitern eröffnet wurde und 1919 mit 2000 Beschäftigten sein Allzeit-Hoch erlebte.  

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