Ebenbilder im Miniformat

Die freischaffende Modegestalterin Christa Rogge aus Cottbus zeigt eine von ihr hergestellte Puppe des Cottbuser Postkutschers. dpa
Die freischaffende Modegestalterin Christa Rogge aus Cottbus zeigt eine von ihr hergestellte Puppe des Cottbuser Postkutschers. dpa

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19. Februar 2010, 01:57 Uhr

Cottbus | Dem kleinen Beobachter, der am Hauseingang der Cottbuser Familie Rogge steht, entgeht nichts. Unaufdringlich und trotzdem unübersehbar verdeutlicht er, um was es im Leben von Christa Rogge geht: "charmante Randfiguren". Diese Bezeichnung hat die Frau, die ein Faible für Stoffe und Farben hat, aus ihren Initialen gebildet. Ein riesiger Textilfundus, von dem sie sich unmöglich trennen konnte, wie sie sagt, und die Experimentierfreude haben die Cottbuserin im Alter von fast 50 Jahren dazu bewegt, beruflich neue Wege zu gehen. 

Als ausgebildete Modegestalterin war Rogge mit der Schließung des Textilkombinats Cottbus nach der Wende gezwungen, sich um berufliche Alternativen zu kümmern. Knapp 15 Jahre später hatte sie gefunden, was ihr Freude bereitet. Rogge erschafft Figuren, textil-versteift in Originalkleidung, in Metall- oder Steinoptik und auf Wunsch auch nach lebendem Vorbild. Mehr als 200 sind es bisher, einige präsentiert sie im heimischen Pavillon.

Ihr erster Wurf, die Nachbildung eines Freundes zu dessen rundem Geburtstag, wurde ein Treffer. "Er sah die Figur und sagte: Das bin ja ich! Ein größeres Kompliment konnte er meiner Arbeit nicht machen", erinnert sich Christa Rogge an den Tag vor mehr als fünf Jahren. Seitdem hat sie die Verwandtschaft, Bekannte und auch immer mehr Kunden in Stoff verewigt.

Bundesweit, sogar bis nach Frankreich und Italien gehen mittlerweile die Auftragsarbeiten.    Rogge bringt Fantasiegestalten, Werbe figuren, historische und regionale Persönlichkeiten, Figuren der sorbisch/wendischen Sagenwelt wie Krabat oder den Gärtner aus dem Nachbarort in ein 30 bis 70 Zentimeter großes Format. Skulpturen, Stelen und Büsten, die wie aus Stein oder Metall gearbeitet erscheinen, entpuppen sich als Stoffgebilde. Erst die sogenannte Textilversteifung macht diese Effekte möglich.

"Natürlich landen erste Entwürfe auch mal im Papierkorb, aber deswegen würde ich eine Idee nie völlig verwerfen. Das weckt eher meinen Ehrgeiz, eine geeignetere Gestal tungsform zu finden", sagt Rogge. Nähen hat ihr schon immer Spaß gemacht. Zuerst waren es Kleider für ihre Puppen, sie selbst und ihre Kinder. Irgendwann jedoch reichte das der Cottbuserin nicht mehr und sie erschuf ihre Randfiguren - wie das Mädchen im karierten Rock, das mit lustigen Zöpfen auf einem Stuhl sitzt. "Den Kinderrock hatte ich noch. Dann kam mir die Idee, passend dazu das Mädchen zu entwickeln."    

Als Puppen allerdings will Rogge ihre textilen Geschöpfe "für Haus und Terrasse" nicht bezeichnen. "Puppen sind zum Spielen oder Sammeln und bedienen einen anderen Kundenkreis. Meine Figuren dienen zur Dekoration und als individuelles Geschenk." Der Textilkünstlerin kommt es auch darauf an, Besonderheiten einzuarbeiten, wenn sie einen Menschen nachbilden soll. "Um authentisch zu sein, ist es wichtig, dass ich weiß, ob es sichtbare Merkmale gibt, bestimmte Gesten typisch sind oder welches Hobby jemand hat."

 Anhand einer Farbpalette aus Wolle müssen die Auftraggeber beispielsweise bestimmen, welche Haarfarbe dem Vorbild am nächsten kommt. "Mitunter überlegen einige dann, welche Frisur in welcher Farbe ihre nächsten Angehörigen haben", sagt die Figurenmacherin. Auch die Accessoires, die auf Beruf oder Vorlieben der Nachgebildeten hinweisen, baut Christa Rogge selbst. So entsteht eine Harfe etwa aus Zahnstochern und einem Plastikbügel, was der Betrachter später allerdings nicht mehr erkennt.    

Die Schöpferin der "charmanten Randfiguren" lässt sich ständig neu inspirieren. Ein Besuch im Petersdom in Rom hat Rogge beispielsweise auf Marmor gebracht - und findet sich als Effekt bereits bei ihren aktuellen Figuren wieder.

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