Betriebe helfen beim Gesundbleiben : Durch Vorsorge fit in die Zukunft

Mit Gert um Jahrzehnte gealtert: verti-Sprecherin Melanie Schyja (l.), daneben Yvonne Hein von der Verwaltungsberufsgenossenschaft.
Mit Gert um Jahrzehnte gealtert: verti-Sprecherin Melanie Schyja (l.), daneben Yvonne Hein von der Verwaltungsberufsgenossenschaft.

Gesundheitsmanagement gewinnt an Bedeutung – Vereinbarkeit von Job und Familie in Brandenburg

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18. Juni 2019, 05:00 Uhr


Alle warten auf Gert. Er ist der Star des Tages beim Versicherungsunternehmen verti mit Sitz in Teltow (Potsdam-Mittelmark). Mit leichter Verspätung bringen Daniela Koppel und Yvonne Hein von der Verwaltungsberufsgenossenschaft Berlin-Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern den VIP-Gast zum wartenden verti-Team – in einem Koffer.

Denn Gert besteht aus einer Art Skianzug, einer Halskrause, Handschuhen, Kopfhörern und jeder Menge Gewichte, die mit Klettverschluss an Armen und Beinen der freiwilligen Probanden befestigt werden. Wer den Alterssimulationsanzug trägt, wird um drei Jahrzehnte in die Zukunft katapultiert, und das muss nicht unbedingt eine Freude sein. „Ich fühle mich wie meine Oma, die sich bei uns immer beschwert, dass sie nicht hinterher kommt“, lacht verti-Sprecherin Melanie Schyja, als sie den Anzug trägt, sich die Stufen hoch durchs Treppenhaus quält und durch die verzerrende Skibrille mit Handschuhen 25 Cent aus einer Geldbörse kramen soll. „Das kann schon zu Stresssituationen führen, wenn man im Supermarkt an der Kasse steht und das Geld nicht zu greifen bekommt“, sagt sie.

Das also ist die Zukunft, in die bei der traditionellen Gesundheitswoche alle mal kurz blicken wollen. „Bis 13.30 Uhr ist Gert ausgebucht“, sagt Daniela Koppel, die in vielen Firmen Brandenburgs die Mitarbeiter mal in den Anzug schlüpfen lässt. „Wenn wir bis 67 Jahre arbeiten müssen, haben die jüngeren Kollegen einen Vorgeschmack, wie sich das anfühlt“, so Daniela Koppel.

Theoretisch müsste es den knapp 500 Mitarbeitern von verti in Teltow im Alter relativ gut gehen, denn das zur international aufgestellten Mapfre-Gruppe zählende Unternehmen aus Brandenburg tut viel für sein Personal: Ein mit modernsten Geräten ausgestattetes Fitnessstudio mit Kursangeboten, Wasserspender auf den Fluren, ein Eltern-Kind-Büro sowie eine Physiotherapeutin, die zwei Mal pro Woche kostenpflichtig Nacken und Rücken massiert, klingen eher nach Kur als nach Job.

Seit 2014 hat verti mit Julia Neubert sogar eine Sportwissenschaftlerin, einen Gesundheitscoach eingestellt. Sie organisiert auch die traditionelle Gesundheitswoche, die Konzernmutter Mapfre den etwa 36 000 Mitarbeitern in weltweit 48 Ländern sehr ans Herz legt. Pensionär Gert ist da nur ein Punkt. Es geht um gesunden Schlaf, Entspannungstraining, Schlaganfall-Prävention, Ernährung und Selbstverteidigung für Frauen.

„Wir haben im Land Brandenburg das Thema gute Arbeit als klare Richtschnur im Koalitionsvertrag verankert“, sagt Arbeits- und Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke). Gute Arbeit bedeute für das Land anständige Bezahlung, sichere Arbeitsplätze, die Vereinbarkeit von Job und Familie, altersgerechte Arbeitsbedingungen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, hohe Standards beim Arbeitsschutz und eine funktionierende Sozialpartnerschaft.

Partner für verti ist in vielen Punkten die AOK Nordost. Bei vielen Veranstaltungen arbeitet Julia Neubert mit der Kasse zusammen, und regelmäßige, interne Umfragen bestätigen, dass sie mit ihrem Gesundheitsangebot auf dem richtigen Weg ist. Die Gesundheitsberaterin ist stolz, dass das Thema Gesundheit bei verti von innen heraus wuchs und nicht aufgezwungen wurde. „Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv sein, und mit solchen Angeboten steigern wir die Attraktivität“, betont verti-Sprecherin Schyja.

Gesundheitsministerin Karawanskij kann das nur unterstreichen: „Die beste Ausbildung oder eine hohe Qualifikation nutzen wenig, wenn die Beschäftigten durch unzureichend gestaltete Arbeitsbedingungen ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen können oder in der Folge sogar krank werden.“

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