Brandanschlag in Nauen : Durch „rechte Stadtguerilla“ verunsichert

Feuerwehrleute versuchten am 25. August 2015 das Feuer in der Sporthalle Nauen zu löschen – vergeblich.
Feuerwehrleute versuchten am 25. August 2015 das Feuer in der Sporthalle Nauen zu löschen – vergeblich.

Nach Brandanschlag von Nauen rechtsextreme Gruppe zerschlagen. Die Polizei sucht nach weiteren Tätern.

svz.de von
05. März 2016, 08:00 Uhr

Staatsanwaltschaft und Polizei feiern den Ermittlungserfolg gegen eine Gruppe Rechtsextremer im Havelland. Wie gefährlich die Truppe um den NPD-Politiker Maik Schneider war und was alles auf ihr Konto geht, lässt sich noch nicht absehen.

Als im August 2015 in einer lauen Sommernacht eine Sporthalle in Nauen (Havelland) niederbrannte war, die Aufregung groß. In dem Gebäude sollten Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden. Der Anschlag in der Kleinstadt am westlichen Rand von Berlin macht bundesweit Schlagzeilen – und das nicht nur einmal. Immer wieder kam es in der Folgezeit zu Straftaten und Übergriffen. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sprach gestern von einer „rechten Stadtguerilla“, der es gelungen sei, ein Klima der Verunsicherung zu schaffen; eine Situation, in der sich viele nicht mehr trauten, sich beispielsweise für Flüchtlinge zu engagieren.

Nach dem Brandanschlag stieg die Polizei mit einem Großaufgebot an Personal in die Ermittlungen ein. Es waren 45 Beamte, die Anwohner befragten und versuchten, Spuren zu sichern, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Dann hörte man lange Zeit nichts mehr von den Ermittlungen. Im Innenausschuss des Landtages wurde bei Nachfragen regelmäßig darauf verwiesen, wie schwierig es sei, Täter von ausländerfeindlich motivierten Brandanschlägen zu ermitteln.

Was Mörke erst gestern einräumte: Seit Beginn der Ermittlungen wurde in Richtung rechtsextreme Täter geblickt. Und das unter Einbeziehung aller Mittel – mit der Staatsanwaltschaft, dem Landeskriminalamt, dem Verfassungsschutz und in Abstimmung mit dem Bundesstaatsanwalt. Es gab aus der Bevölkerung anonyme Hinweise, ein paar Zeugenaussagen. Aber laut Polizeipräsident Mörke hat sich die Gruppe extrem abgeschottet. Man hat offenbar frühzeitig damit gerechnet, in den Fokus der Ermittlungen zu geraten und sich Alibis verschafft. „Am Anfang sah das wasserdicht aus“, sagte Mörke weiter.

Nachgewiesen werden konnte dem NPD-Stadt- und Kreistagsabgeordneten Maik Schneider, Dennis W. und Frauke K. in dieser Woche zunächst der Brandanschlag auf das Auto eines Polen. Bei Durchsuchungen in Nauen, Potsdam und Schönwalde-Glien wurden umfangreiche Beweismittel wie Laptops, Handys und Kameras sichergestellt.

Vermutet wird, dass noch zwei weitere Personen zum Kreis der Tatverdächtigen zählen. Sie gehörten einer Gruppe an, die sich über Mobiltelefone Kurznachrichten schickten. Nach den Durchsuchungen geht die Polizei davon aus, dass sie den Beschuldigten mehrere Straftaten nachweisen kann – vor allem den Brandanschlag auf die Turnhalle. Zum Teil hätten die Tatverdächtigen auch schon ausgesagt, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam mit.

Polizeipräsident Mörke geht davon aus, dass es noch weitere Tatbeteiligte geben könnte, auch außerhalb der Stadt Nauen. Deshalb werden die Ermittlungen fortgesetzt und auch Straftaten in anderen Landesteilen auf Zusammenhang mit den Tätern in Nauen untersucht.

Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) zeigte sich gestern überzeugt, dass man noch weitere Erfolge erzielen werden: „Wir werden sie kriegen, wir werden es ihnen nachweisen und sie verurteilen“, sagte er.

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