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Baumkronenpfad Beelitz : Durch Baum und Zeit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten zeigt Historisches aus neuen Perspektiven

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2015 | 16:00 Uhr

Heute wird der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten 100 Tage alt. Nur ein erster Abschnitt ist bislang fertiggestellt. Für die Zukunft des Pfades haben seine Betreiber viele Ideen.

Es hätte sonnigere Gelegenheiten für einen Besuch gegeben. Doch das Wetter lässt einem in diesen Tagen keine Wahl. „Dafür ist es fast windstill“, bemerkt Beate Hoffmann, während sie gemeinsam mit ihrem Mann und Geschäftspartner Georg Stufe um Stufe des stählernen Aussichtsturms erklimmt. Nach 200 Stufen – oder einem kurzen Aufenthalt im Fahrstuhl – wartet in 36 Meter Höhe ein Ausblick, auf den die Betreiber des Baumkronenpfades sieben Jahre lang hingearbeitet haben.

Zwar ist die Sicht auf den knapp 45 Kilometer Luftlinie entfernten Fernsehturm wolkengetrübt, doch jetzt im Winter geben die blätterlosen Bäume den Blick frei auf das, worum es hier eigentlich geht: die Beelitzer Heilstätten.

Die Idee, im Baumkronenbereich eines Waldes einen Lehrpfad anzulegen, war bei der Eröffnung im September nicht neu – insgesamt 14 solcher Waldwipfelwege gibt es deutschlandweit. Einzigartig aber ist die Integration bestehender Bauwerke in einen solchen Weg – die Verknüpfung von Kultur und Natur, Architektur und Wald.

Wie gut das gelungen ist, zeigt sich ohne das üppige Blätterdach von Ahorn, Buche und Eiche deutlich: Nicht nur die vereinzelt aus dem graugrünen Ast- und Nadelmeer ragenden Gebäudespitzen, auch Details der verwitterten Ruinen der ehemaligen Lungenheilstätten offenbaren sich in dieser Jahreszeit.

Etwa das wegen der umgebenden Hügellandschaft sogenannte Alpenhaus, ein 1905 erbautes Bettenhaus für lungenkranke Frauen, dessen Dachstuhl bei Kriegsende völlig ausgebrannt ist. Jetzt tobt sich in den mit Graffiti besprühten Innen- und Außenwänden die Natur aus: Auf dem Dach, wo noch einige verrostete Eisenpfosten der Patientenbetten erkennbar sind, wachsen zarte Kiefern und Birken.

Besucher des Waldwipfelwegs erleben den Dächer-Wald aus nächster Nähe, denn der 320 Meter lange Höhenpfad aus einem Stahlgerüst mit Holzplanken überquert die ehemalige Frauenklinik in 20 Meter Höhe. Gerade beratschlagen Georg und Beate Hoffmann, die das Projekt ohne Fördermittel und mithilfe von zwei Mitgesellschaftern finanziert haben, mit den ausführenden Handwerkern, wie demnächst die Informationstafeln entlang des Pfades angebracht werden: über dem Geländer, mit der Gefahr, dass sie den Blick beeinträchtigen? Oder am Geländer, auch wenn sich der ein oder andere dann bücken muss, um die Hinweise zu Geschichte und Baumarten der Parkanlage mit den historischen Liegehallen zu lesen?

„Vieles muss noch gemacht werden“, sagt Georg Hoffmann, sein Blick schweift über das Gelände. Bald wollen Hoffmanns die Sanierung der Klinikgebäude und umgebenden Parkanlagen in Angriff nehmen. In den ehemaligen Küchenpavillon, das ist das nächste Projekt, wird ein Restaurant einziehen.

Für Hoffmanns ist dies nur der Anfang einer Reihe von Vorhaben, die irgendwann in einen Erlebnispark mit Baumlehrpfad und Irrgarten, Lichtinstallationen und Küchengarten münden sollen. Und seine geplante Länge von 1000 Metern erreicht der Baumkronenpfad erst, wenn der Aussichtsturm an das ehemalige Chirurgie-Gebäude angeschlossen wird. Irgendwann.

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