Kulinarisches Unkraut : Duftende Schatzkammer voller Unkraut

, so der 66-Jährige, dessen Markenzeichen ein heller Strohhut mit Kräuterschmuck ist.
, so der 66-Jährige, dessen Markenzeichen ein heller Strohhut mit Kräuterschmuck ist.

Unkraut ist für Peter Franke nicht lästig, sondern schmackhaft und gesund / Sein Genuss-Kapital sammelt und präsentiert der Wahl-Spreewälder in einem Gewölbekeller.

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15. Juni 2020, 05:00 Uhr

Peter Franke sitzt vor seinem „Un-Kraut-Laden“ im Hotel „Zum Stern“ in Werben (Spree-Neiße) vor einem Berg Holunderzweige und schneidet aromatische Blüten ab. Sein Tag beginnt um 6 Uhr mit dem Sammeln von Blättern, Kräutern und Blüten. „Die musst du im Morgentau ernten, dann bleiben sie frisch zum Verarbeiten“, sagt der 66-Jährige und bringt eine Schüssel Blüten in den Gewölbekeller-Laden.

Dort erwartet Besucher eine geballte Aromatherapie: In Dutzenden Papiersäcken stecken Lindenblüten, Kornblumen und Flieder. Würzige Noten kommen von Salbei, Spitzwegerich und Schafgarbe. Die Wiesenkräuter hängen getrocknet und gebunden an Regalen. Auf die Verarbeitung warten getrocknete Heidel-, Wacholder- und Aroniabeeren. Fläschchen mit Sirup, Öl, Essig, Blättermischungen für Tee oder Badezusätze ergänzen das Sortiment.

Dem wohl hartnäckigsten Unkraut gilt Frankes Liebe: Giersch, den viele Gärtner als kaum beherrschbare Plage kennen, sei eine Vitamin- und Mineralstoffbombe. „Lieber aufessen, statt ausrotten“, lautet seine Devise. Giersch schmecke wie Petersilie und Möhre, gehöre in jede Kräuterwürzmischung, werde im Volksmund „Zipperleinkraut“ genannt. Er helfe gegen Rheuma, Gicht und Arthrose, bei Blasenentzündung und Sonnenbrand.

Sein Wissen hat er von der Mutter. „In den Nachkriegsjahren gab es nicht viel zu kaufen. Daher ernährten wir uns vor allem aus der Natur“, erinnert sich Franke. Los ging es im zeitigen Frühjahr mit ersten Kräutern, im April und Mai kamen zarte Birkenblätter hinzu, im Herbst endete die Ernte mit Hagebutten. Die Kenntnisse aus der Kindheit hätten ihn auch später begleitet, erzählt Franke. Doch erst vor zehn Jahren habe er sich mit einer Kräutermanufaktur einen Traum erfüllt.

„Das Nationalgericht der Gegend ist Kräuterquark mit Leinöl. Im Spreewald liegt das Hauptanbaugebiet für Meerrettich. Ein besseres Antibiotikum gibt es nicht“, meint Franke. Der Spreewald und die Kräuterleidenschaft passten gut zusammen. Er will das Wissen über die heilende Wirkung der Naturprodukte bewahren. Mehrere Kochbücher entstanden mit ihm als Ko-Autor. Das neueste Werk, das er mit einem Pharmazeuten schrieb, kommt demnächst heraus. Alte Gemüse- und Kräutersorten wiederzuentdecken sei spannend, so Franke. Er kooperiert mit fast 20 Erzeugern im Spreewald.

Franke schwört auf Topinambur, die er zu Chips verarbeitet. „Keine andere Knolle ist so wohltuend für Magen und Darm.“ Als Zuckerersatz sei Topinambur für Diabetiker geeignet. 100 Hektar baut die Lienig Wildfruchtverarbeitung an, verarbeitet sie zu Kindernahrung, Nahrungsergänzungsmitteln, Gemüsesäften und Tiernahrung. „Gesunde Vitalstoffe sind ein echter Markt. Da hat Franke den Nerv der Zeit getroffen und bringt das sehr authentisch rüber“, sagt Geschäftsführer Frank Lienig. Beide arbeiten an einer „Un-Kraut-Schorle“ als einem authentischen Spreewaldprodukt..

Gesundheit, die man schmeckt und Essen als Therapie sind Frankes Credo, gerade in Corona-Zeiten. „Wildkräuter stärken die Vitalkräfte, die wir dringend brauchen.“ In der Spreewälder Kochakademie kocht er mit Prominenten und Kollegen. Die „Unkraut-Akademie“ besuchten Urologen und andere Ärzte. Er hält Seminare zu Anwendung und Verarbeitung von Heilpflanzen sowie Kaffeeklatsch mit Löwenzahnkaffee und Kräuteroblaten.

„Franke ist ein echter Botschafter für den Spreewald und seine Produkte. Frische Zutaten aus dem Garten und vom Feld sind gefragt“, sagt Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismus Marketing Brandenburg. Regionalität und gesundes Essen würden auch im Tourismus immer wichtiger.

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