Prozessauftakt in Cottbus : „Du stiehlst mir meine Frau“

Ein Justizmitarbeiter (l.) nimmt dem Angeklagten Nick J. zum Prozessauftakt wegen versuchten Totschlag in einem Verhandlungssaal im Landgericht in Cottbus die Handschellen ab.
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Ein Justizmitarbeiter (l.) nimmt dem Angeklagten Nick J. zum Prozessauftakt wegen versuchten Totschlag in einem Verhandlungssaal im Landgericht in Cottbus die Handschellen ab.

Beziehungsdrama endet im Feuer

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11. November 2015, 20:00 Uhr

Verkohlte Wände und Möbel sind auf den Fotos zu sehen, die das Cottbuser Gericht näher betrachtet. In der Südbrandenburger Wohnung spielte sich im März vermutlich ein Beziehungsdrama ab. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ein Mann den neuen Partner seiner Ehefrau mit Benzin übergoss und danach anzündete. Das lebensgefährlich verletzte Opfer konnte sich ins Badezimmer retten und die Flammen an seinem Körper löschen.

Der 37 Jahre alte Angeklagte beschreibt gestern zum Prozessauftakt wegen versuchten Totschlags, wie er die Glasscheibe der Wohnungstür in Schönewalde (Elbe-Elster) eingetreten und später eine mit Benzin gefüllte Flasche und ein Feuerzeug in den Händen gehalten habe. Was dann passierte, könne er nicht sagen und beruft sich auf Erinnerungslücken. Ganz zu Beginn seiner Aussage sagt er: „Es tut mir so leid.“

Monate zuvor, so beschreibt es der Angeklagte Nick J., sei seine Frau mit den gemeinsamen Söhnen aus der Wohnung in Bayern ausgezogen. Im Februar habe sie ihm dann gesagt, dass sie einen neuen Mann habe. Auf einer Grillfeier habe er ihn einmal getroffen und zu ihm gesagt: „Du stiehlst mir meine Frau.“ Zu der Wohnung des Neuen sei er gefahren, um mit seiner Frau zu reden. Im Auto habe er dann nach der Flasche mit Benzin gegriffen, die eigentlich zum Reinigen des Fahrzeugs gedacht sei.

Seine von ihm getrennt lebende Ehefrau war zum Zeitpunkt des Feuers auch in der Wohnung. Als sie als Zeugin aussagen soll, muss ihr Mann den Gerichtssaal verlassen. Der Richter verliest als Grund einen ärztlichen Hinweis, dass die Frau eine posttraumatische Belastungsstörung habe. Leise berichtet sie, wie ihr Mann sie damals spätabends angerufen habe, um mit ihr zu sprechen. Mehrmals habe sie ihn abgewimmelt, dann habe sie plötzlich die Schläge an der Tür gehört. Dann sei es zu einer Rangelei zwischen den Männern gekommen, die sie aber nicht direkt gesehen habe. Sie habe die Feuerwehr gerufen, als sie bemerkte, dass es brennt. Im Flur sei ihr der Angeklagte entgegengekommen, der selbst an den Händen brannte. „Er war nicht er selbst“, sagt sie.

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