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Protest gegen Kohleabbau : Drei Dörfer beim Sternmarsch

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Vom Braunkohlebergbau bedrohte Orte in Südbrandenburg wollen erneut ein Zeichen gegen ihre mögliche Abbaggerung setzen.

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Einmal im Jahr gehen Bewohner aus drei Dörfern in Südbrandenburg an der Grenze zu Polen aufeinander zu und treffen schließlich auf einer Wiese zusammen. Der Protest gegen eine mögliche Abbaggerung der Ortschaften für die Braunkohle hat sich schon zu einer Art Tradition entwickelt. Es ist inzwischen der zehnte Sternmarsch, der am morgigen Sonntag ansteht und zu dem wieder Hunderte Teilnehmer erwartet werden. Er fällt in eine Zeit, in der völlig unklar ist, ob der neue Tagebaubetreiber LEAG die ehemaligen Vattenfall-Pläne für einen neuen Tagebau im Lausitzer Revier weiterverfolgen wird.

Roland Lehmann steht am Dorfplatz von Kerkwitz – es ist seine Heimat. Das Dorf mit rund 500 Einwohnern hat einen kleinen Dorfladen und viele gepflegte Grundstücke. Hier sei er geboren und zur Schule gegangen, erzählt der 58-jährige ehrenamtliche Ortsbürgermeister (parteilos). Seine Familie lebe hier in sechster Generation. Schon beim ersten Sternmarsch 2008 sei er dabei gewesen und seither jedes Jahr. Für Lehmann steht fest: Wenn das Dorf einmal abgebaggert werden sollte, dann wäre das für ihn eine Katastrophe. „Für mich würde eine Welt zusammenbrechen.“ In Kerkwitz und den benachbarten Dörfern Atterwasch und Grabko in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) gibt es Bewohner, die ihre Wut gegen die Braunkohle-Pläne unmissverständlich herauslassen. In Vorgärten hängen Plakate und Transparente sind an Bäumen, Straßenlaternen und Zäunen befestigt.

Was den heimischen Energieträger anbetrifft, gehen die Meinungen vielerorts in der Lausitz auseinander. Die Braunkohlenindustrie gibt dort seit langer Zeit Tausenden Arbeit. Die Kohle gehört für viele zur Identität der Region, in der das zweitgrößte Braunkohlerevier Deutschlands liegt. Nach der Wende wurden viele Gruben geschlossen und die Region erlebte einen Strukturbruch.

Heute arbeiten noch rund 8000 Menschen in den Gruben und Kraftwerken. Dazu kommen weitere Firmen, die zum Beispiel Dienstleistungsaufträge haben. Die Länder Brandenburg und Sachsen stehen zur Braunkohle und betonen immer wieder, dass der heimische Energieträger mindestens solange gebraucht werde, bis die Speichertechnologien für erneuerbare Energien wirklich ausgereift seien.

Zugleich ist die Braunkohle als „Klimakiller“ in den vergangenen Jahren in Deutschland stark unter Druck geraten. Nach langem Streit verabschiedete das Bundeskabinett im November den Klimaschutzplan 2050 zur Minderung von Kohlendioxid. Bei der Braunkohle verhinderte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) allerdings einen Fahrplan für einen Ausstieg.

Besonders die Abbaggerungen bewegen in der öffentlichen Debatte die Gemüter. In der Lausitz mussten während der vergangenen Jahrzehnte schon viele Ortschaften der Kohle weichen, Braunkohlegegner und Betroffene sprechen von Identitätsverlust. Und immer wieder betonen auch sorbische und wendische Vertreter, dass ein Teil der Kultur der Minderheit mit slawischen Wurzeln, die heute nur noch in der Lausitz siedelt, bedroht sei.

Die Pläne für einen möglichen neuen Tagebau als Erweiterung des Grubengebiets Jänschwalde sind noch in einem vergleichsweise frühen Stadium. Vor Jahren startete ein Braunkohlenplanverfahren bei der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg. Im November teilte die Behörde mit, dass das Verfahren aber momentan „absolut gehemmt“ behandelt werde. Warum? Seit Oktober firmieren die Gruben und Braunkohlekraftwerke unter neuem Namen. Die Tagebaue gehören zur Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

 

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