Containerverladung : Drehkreuz für den Güterverkehr

Das Frachtaufkommen steigt weltweit: Das Frankfurter KV-Terminal profitiert davon. Container werden hier von einem Zug auf einen anderen verladen.
Das Frachtaufkommen steigt weltweit: Das Frankfurter KV-Terminal profitiert davon. Container werden hier von einem Zug auf einen anderen verladen.

Umschlag am Kombinierten Verkehr-Terminal in Frankfurt (Oder) hat sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

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27. Januar 2018, 05:00 Uhr

Die Umschlagszahlen des Terminals für den Kombinierten Verkehr (KV) haben sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Frankfurt hat sich zu einem Drehkreuz für den Güterverkehr auf der Schiene entwickelt. Diese Bilanz zog der polnische Betreiber PCC.

Insgesamt 135 000 Standardcontainer (TEU) wurden in Frankfurt 2017 umgeschlagen. Im Vorjahr 2016 waren es noch 69 000. Mit der Containeranzahl des letzten Jahres könnte man eines der weltgrößten Containerschiffe fast siebenmal komplett beladen. „Die Wirtschaft nicht nur in Deutschland brummt und das merken wir auch beim Frachtaufkommen“, betont Bernd Meewes, Managing Director des KV-Terminalbetreibers PCC. Frankfurt habe sich zu einem Drehkreuz für den Güterverkehr auf der Schiene entwickelt.

Das Hauptgeschäft des Terminals sei die Verladung von Containern von einem Zug auf einen anderen. Waren für Kunden in einen Umkreis von etwa 150 Kilometern kommen auf Lkw. Im Terminal fahren pro Woche sieben Züge aus Rotterdam, fünf aus Hamburg und drei aus Duisburg ein. Weitere 16 Züge mit Containern aus Polen werden in Frankfurt pro Woche ebenfalls umgeladen. Für die Strecke vom Hafen in Rotterdam bis nach Warschau, mit einem Umladestopp in Frankfurt, braucht ein Container 28 Stunden. Dabei wird bei den mittlerweile 20 Mitarbeitern des KV-Terminals in Minuten gedacht, wie Terminal-Direktor Marek Poznanski erzählt: „Wir haben nur eine bestimmte Zeit, einen Zug zu entladen und den nächsten auf Reisen zu schicken.“ Die Trassen für die Züge müssten reserviert werden. Werde die Zeit nicht eingehalten, müssten die Züge zwischendurch immer anhalten, um andere vorbeifahren zu lassen. Der Hamburger Bernd Meewes hofft 2018 auf ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr.

Ein Nadelöhr für den Zugverkehr des börsennotierten polnischen Logistikunternehmens ist die Oderbrücke. Dort werden den Zügen polnische oder deutsche Loks vorgespannt, weil in beiden Ländern mit unterschiedlicher Stromversorgung gefahren wird. „Das kostet viel Zeit“, betont Bernd Meewes.

Die positive Entwicklung sieht Meewes auch in enger Verbindung mit der Stadt. „Frankfurt liegt geografisch genial. Und wir werden hier von Anfang an politisch bestens unterstützt. Viele Probleme wurden unkompliziert ausgeräumt“, sagt er.

Um weiter effektiv arbeiten zu können, ist eine neue Gleisanbindung geplant. Man kann bisher mit der Lok nicht um das Terminal herumfahren, sondern der Lokführer muss den Zug mühevoll per Fernbedienung rückwärts einparken. Außerdem soll in eine weitere Kranbahn investiert werden. „Die Züge sind 600 Meter lang. Um ganz nach hinten zu fahren, braucht die Bahn über fünf Minuten, teilen sich zwei Bahnen die Strecke, ist das deutlich effektiver“, erklärt der Logistikfachmann. Die Finanzierung könnte ähnlich laufen wie bei der ersten Bahn. Der Großteil kam von der EU, vom Bund und Land. Den Eigenanteil von 1,6 Millionen hatte PCC bezahlt.

Christopher Nüßlein, Geschäftsführer des Investor Center Ostbrandenburg, blickt von der 18 Meter hohen Kranbahn auf das etwa sieben Hektar große Gelände neben dem KV-Terminal. „Von hier bis zum Wasserturm sollen sich weitere Logistikunternehmen ansiedeln, hierfür laufen schon die Planungen“, erklärt er. So könnte auch die gute Schienenanbindung vor Ort noch besser genutzt werden.

Bernd Meewes hofft ebenfalls auf weitere Industrieansiedlungen in der Region. Schließlich nutzt bereits etwa Ikea das Terminal. Aber auch das chinesische Unternehmen Astroenergy schickt seine Solarmodule vom KV-Terminal zu den Kunden.

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